Alita: Battle Angel – Review

Fast zwei ganze Jahrzehnte hat es gedauert, bis die Verfilmung der ab 1991 veröffentlichten Manga-Reihe ‚Battle Angel Alita‘ nun endlich das Licht der Leinwand erblickt hat. Bereits 2000 hat 20th Century Fox die Lizenz für James Cameron erworben und den Regiestuhl für ihn vorgesehen. Da Cameron das Projekt aber immer wieder aufschieben musste und nun endgültig in Pandora verschwunden zu sein scheint, übergab er 2015 den Regieposten an Robert Rodriguez, welcher vor allem durch Werke wie ‚From Dusk Till Dawn‘, das ‚Spy Kids‘-Franchise oder die beiden ‚Machete‘-Filme bekannt ist. In seiner Verfilmung werden wir ohne Umschweife ins 26. Jahrhundert geworfen. Der große Krieg ist seit 300 Jahren vorbei und von den zahlreichen Himmelsstädten ist nur eine einzige übriggeblieben, welche sich Zalem nennt. Darunter hat sich Iron City geformt und viele der Einwohner nutzen den Schrott der von Zalem abgeworfen wird, um ihren Lebensunterhalt damit zu verdienen. Sei es durch das Sammeln und Aufbereiten von Schrott oder durch den Bau von Prothesen und Augmentationen. Polizei gibt es keine mehr, das Gesetz wird allein durch sogenannte ‚Hunter Warrior‘, dass sind meist technologisch verbesserte, zivile Kopfgeldjäger, aufrecht erhalten. Da aber nur Mord bestraft wird, ist das Leben in der Stadt äußerst gefährlich. Als Dr. Ido am großen Schrotthaufen unter Zalem eines Tages die Überreste eines technologisch ausgereiften Androiden findet und diesen wieder zusammensetzt, offenbart sich ‚Alita‘. Die Androidendame ist gutherzig, neugierig und wirkt wie ein ganz normaler Teenager. Da ihr sämtliche Erinnerungen fehlen, muss sie nun mit der für sie neuen Welt zurechtkommen.

Das Worldbuilding der Mangaverfilmung ist von der ersten Sekunde an absolut sagenhaft. Alles fühlt sich absolut organisch, lebendig und echt an. In Iron City wuselt es gewaltig und man kann alle Eindrücke gar nicht direkt verarbeiten. Es verstecken sich also auch beim wiederholten Sehen eine Fülle an Details, welche auf ihre Entdeckung warten. Der Fokus auf echte Sets, welche durch den CGI-Einsatz lediglich erweitert und verfeinert werden, unterstützt die Sogwirkung des Films ungemein. Der Stil des Films pendelt sich irgendwo zwischen Cyber- und Steampunk ein. Teilweise werden durch manche Szenen sogar Erinnerungen an die beiden ‚Blade Runner‘-Meisterwerke wach. Gleich zu Beginn des Films ergibt sich die für uns einzige Möglichkeit, einen Blick auf die Oberfläche Zalems zu erhaschen, daher hier die klare Empfehlung, sofort zu Beginn aufmerksam zuzusehen. Dies könnte man als Spoiler betrachten, mich persönlich hat es aber später sehr geärgert, dass ich anfangs noch nicht genau wusste, was ich da gerade zu Gesicht bekomme. Das könnte man dem Film natürlich vorwerfen, im weiteren Verlauf wird man aber konstant mit neuen Eindrücken bombardiert, welche einem stets in ihren Bann ziehen und so bleibt genug Stoff, um für selbigen Effekt auch bei den Nachfolgern zu sorgen. Wo wir aber gleich zum nächsten Ärgernis kommen: Es handelt sich um keine in sich abgeschlossene Geschichte, ‚Alita: Battle Angel‘ könnte viel mehr als Origin-Story angesehen werden. Da dies vom Marketing her aber in keinster Weise erahnt werden konnte und auch sonst bisher kaum von geplanten Nachfolgern gesprochen wurde, wird der ein oder andere Zuseher das Kino eher enttäuscht verlassen. Dies hat auch zur Ursache, dass man dasitzt und vor allem gegen Ende auf das große Finale wartet, welches einfach nicht passieren mag. Der Weg dahin ist einen Kinobesuch aber allemal Wert.

Die gezeigten Actionszenen sind atemberaubend und visuell unglaublich gut gemacht, ohne das Publikum in ein Explosionskoma verfallen zu lassen. Die Altersfreigabe ab 12 Jahren hat aufgrund der Gewaltdarstellung durchaus Sinn. Gewalt spielt hier nämlich zwar keine große Rolle, sie ist aber doch mit ein paar sogar härteren Spitzen vorhanden. Dies verleiht den Actionszenen zusätzliche Einschlagskraft. Dr. Ido wird vom wiedermal hervorragenden Christoph Waltz gespielt, welcher es zwar nicht schafft, ganz großen Emotionen hervorzurufen, sein liebenswert schusseliges Schauspiel und die Vater-Tochter-Chemie, die zwischen ihm und Alita besteht, schaffen es aber, den Film über weiter Strecken zu tragen und die emotionale Fallhöhe zumindest ein wenig anzuheben. Klarer Star des Films, und so sollte es natürlich auch sein, ist die Hauptdarstellerin Rosa Salazar. Sie verkörpert die titelgebende Alita komplett per Motion Capturing und überzeugt mit einer kindlichen Naivität, gemixt mit ganz viel Stärke, Anmut und Selbstbewusstsein. Mit ihr steht und fällt der Film. Sie ist dann aber glücklicherweise der Grund, warum man das Kino doch noch mit einem eher positiven Nachgeschmack verlässt.

Holprig wird es durch die eher schwache Story und das mittelmäßige Drehbuch. Alita hat durch dieses, wie schon Rey in der aktuellen ‚Star Wars‘-Trilogie, mit der Mary Sue Problematik zu kämpfen. Die Vorgeschichte Alitas erlaubt ihr zwar, dass sie bereits alles zumindest unterbewusst perfekt kann, irgendwann fällt es aber schon auf, dass die Androidendame einfach nicht zu verlieren vermag. Sie bekommt auch keinen brauchbaren Antagonisten gegenübergestellt, welcher sie zumindest etwas in die Schranken weisen und für Spannung sorgen könnte. Vielmehr bekommt sie es mit einer Vielzahl an mal mehr und mal weniger wichtigen Gegnern zu tun, welche eher gesichtslos bleiben. Mahershala Ali als Vector und Jennifer Connelly als Dr. Chiren werden regelrecht verheizt. Der das Finale auslösende letzte Konflikt kommt dann auch noch sowas von konstruiert und unüberlegt daher, dass die faszinierende und überzeugende Welt sogar etwas an Glaubwürdigkeit verliert. So bleibt nur zu hoffen, dass es noch weitere Teile geben wird, welche die Geschichte rund um das umwerfende Universum und die liebenswerte Kampfmaschine Alita fortführen.

Fazit:

‚Alita: Battle Angel‘ ist ein Sehspektakel der Superlative, welches aber an der Story und aufgrund der gesichtslosen Antagonisten starke Schwächen aufweist und manchen Zuseher unzufrieden zurücklassen wird. Die Effekte sind atemberaubend, das CGI ist perfekt mit den echten Sets verwoben und die Action kracht mehr als nur ordentlich. Hier möchte ich sogar klar den Gang ins nächste IMAX-Kino empfehlen, da man die Schönheit und Lebendigkeit der Filmwelt einfach auf der großen Leinwand erlebt haben muss, was durch das echte 3D nochmal Authentizität erhält. Also am besten in Erwartung auf eine Origin-Story ins Kino gehen und dann werden speziell Fans des Mangas große Freude an der Verfilmung von ‚Battle Angel Alita‘ haben.

Kinostart: 14.02.2018

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Pressematerial zur Verfügung gestellt von 20th Century Fox Österreich

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