Glass – Review

18 Jahre ist es nun also schon her, seit ‚Unbreakable‘ Superhelden-Filmen einen völlig neuen, ernsten und realitätsnahen Anstrich verpasst hat. Damals waren die Kinobesucher noch geplagt von überzeichneten, knallbunten und teilweise sogar lächerlichen Superhelden-Verfilmungen. Wenn man sich zum Beispiel an „Batman & Robin“ zurückerinnert, läuft einem ein kalter Schauer über den Rücken. Da kam M. Night Shyamalans Interpretation einer Superhelden-Geschichte einer kleinen Revolution gleich. Da der heutige Hype um Comic-Verfilmungen aber noch eine Weile auf sich warten lies, und Superhelden noch nicht in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen waren, war ‚Unbreakable‘ seiner Zeit weit voraus und stieß dadurch auf relativ wenig Beachtung. Ich selbst war noch viel zu jung, um den Meilenstein, welchen uns der Meister der Twists damals beschert hat, wertzuschätzen. Wenn man den Film aber jetzt nachholt, haut es einem fast vom Hocker. Die Origin-Story des ‚Aufsehers‘ David Dunn, wunderbar gespielt von Bruce Willis, ist durchdacht, herzergreifend und gar nüchtern aufbereitet, ein wahres Meisterwerk.

16 Jahre später überraschte uns Shyamalan mit dem Psychothriller ‚Split‘. Die Abschlussszene des Films ließ Fans von ‚Unbreakable‘ aus den Kinositzen aufspringen und jubeln: Beide Filme stammen aus dem gleichen Filmuniversum und alles deutete darauf hin, dass sich David Dunn auf die Jagd nach ‚der Bestie‘ Kevin Wendell Crumb machen würde. Eigentlich hätte das Monster mit der gespaltenen Persönlichkeit schon einen großen Teil von ‚Unbreakable‘ in Anspruch nehmen sollen. Da dieser jedoch zu viel Platz im Film eingenommen hätte und dies zu viel Aufmerksamkeit von David Dunn und ‚Mr. Glass‘ Elijah Price genommen hätte, hat sich Shyamalan dazu entschieden, den Charakter bis zum Leinwand-Debüt in ‚Split‘ in seiner Schublade zu belassen.

Nun beschert uns der Regisseur endlich das Aufeinandertreffen des Aufsehers mit seinem Erzrivalen Mr. Glass und der Bestie Crumb. ‚Glass‘ setzt nur wenige Wochen nach den Geschehnissen in ‚Split‘ an. Wir begleiten Dunn auf der Suche nach dem Mann, der Mädchen entführt und auf bestialische Weise ermordet. Unterstützt wird er dabei von seinem Sohn Joseph, wieder gespielt vom nun erwachsenen Spencer Treat Clark, welcher wie Batmans Alfred agiert und ihm per Headset mit wichtigen Informationen füttert. Nach einem fulminanten Auftakt enden Dunn und Crumb in der selben Anstalt, in welche vor Jahren schon Mr. Glass eingewiesen wurde, nachdem sich herausgestellt hat, dass er für mehrere Anschläge verantwortlich war und hunderte von Menschenleben gekostet hat. Die Anstaltsleiterin und Psychiaterin Dr. Ellie Staple hat es sich zur Aufgabe gemacht, dem Größenwahn verfallenen Menschen, welche überzeugt sind, echte Superhelden zu sein, von ihrem Wahnsinn zu befreien. Der Regisseur orientiert sich hier klar an der Herangehensweise und am ruhigen Pacing von ‚Unbreakable‘. Es darf also auf garkeinen Fall auch nur irgendwie eine Art Film erwartet werden, welche man von den Avengers und Co. gewohnt ist, denn es handelt sich allen voran um einen psychologischen Thriller.

Speziell wenn Elemente von ‚Unbreakable‘ aufgegriffen werden, zeigt Shyamaln, dass er es immer noch auf dem Kasten hat. Die Bild- und Set-Gestaltung, die Kameraarbeit und der Einsatz von Farben machen ‚Glass‘ zu einem cinematographischen Hochgenuss. Leider weiß die Geschichte diesmal einfach nicht zu überzeugen. Es füllt sich nicht mehr so homogen und realistisch an, wie es die Vorgänger noch taten. Die meisten Geschehnisse in der Psychiatrie lassen die Handlung eher auf der Stelle treten, anstatt sie sinnvoll weiterzuführen und weiterzuentwickeln. Sarah Paulson in ihrer Rolle als Anstaltsleiterin Staple spielt wieder mal Sarah Paulson, was allmählich wirklich unangenehm auffällt. Das Drehbuch traut ihr nicht mehr zu, als sie fast schon zum repetitiven Papagei verkommen zu lassen, welche den Insassen immer wieder nur haltlose Aufklärungsversuche an den Kopf wirft. Ihr Charakter agiert teilweise sogar komplett widersprüchlich.

James McAvoy gehört in der Rolle des an multipler Persönlichkeitsstörung leidenden Kevin Wendell Crumb zu den Highlights des Films. Diesmal spielt er gleich 20 verschiedene Persönlichkeiten, zwischen welchen er innerhalb eines Augenschlags absolut überzeugend wechseln kann. Dies tut er mit einer Physis, die seinesgleichen sucht. Auch Samuel L. Jackson verkörpert den hochintelligenten Mr. Glass wieder hervorragend, wenn er denn dann mal in Aktion tritt. Bruce Willis Charakter bleibt leider weite Strecken des Films im Hintergrund. Man merkt im nahezu an, dass er gerne mehr gezeigt hätte. Sein Erzählstrang passt aber am wenigsten zum Gesamtbild und der Umgang mit David Dunn ist zum Haare raufen. Da hat sich der Regisseur ganz klar verzettelt, er verlässt sich nämlich viel zu sehr auf das schauspielerische Können von James McAvoy, anstatt allen Charakteren den verdienten Umfang einzuräumen. Das Ende setzt dem Ganzen dann noch die Krone auf. Anstatt sich mal vom zwanghaften Einsatz eines bedeutungsvollen Twists abzuwenden, fabriziert Shyamalan einen völligen Bruch zur kompletten Geschichte. Es ging ihn scheinbar nur mehr um den Twist und nicht mehr um den realitätsnahen Ansatz der gesamten Geschichte. Auch wenn man zwischendurch immer wieder mal die Genialität des Regisseurs aufblitzen sieht und er mit der Wahl der Geschichte Mut beweist, bleibt nicht mehr, als einfach nur ein maximal mittelmäßiger Film. Da kann der geniale Anfang und das bis zum Twist hervorragende Finale leider auch nichts mehr retten.

Fazit:

Cinematographisch erstklassiger, jedoch storymäßig enttäuschender Abschluss Shyamalans Superhelden-Trilogie, welcher zwar versucht, der Herangehensweise der beiden Vorgänger genug Raum zu geben, aber daran scheitert, ein überzeugender, eigenständiger Film zu sein. James McAvoy brilliert wieder in seiner Rolle als Kevin Wendell Crumb, allein für ihn lohnt es sich, ein Ticket zu lösen. Der haarsträubende Twist am Ende lässt sein Publikum aber leider unbefriedigt zurück. Fans der Vorgänger werden sich den Film sowieso ansehen, wer aber mit ‚Unbreakable‘ schon nichts anfangen konnte, wird hier auch nicht mehr zum Fan der Reihe.

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Frage zur Diskussion:

Wenn ihr den Film seht, beachtet bitte mal gegen Ende die Zähne von Mr. Glass in einem Close-Up. Es sieht fast so aus, als hätte man ihm die Zahnlücke einfach mit einem Lackstift vergrößert und dabei noch alles auf die umliegenden Zähne verschmiert, oder dabei auf die anderen Zähne gekritzelt. Wir haben untereinander darüber diskutiert und keinem von uns wäre ein Hintergrund dafür aufgefallen. Eine tiefere Bedeutung mag sich uns einfach nicht erschließen. Habt ihr vielleicht Ideen? Wir sind gespannt auf eure Kommentare!

 

Pressematerial zur Verfügung gestellt von Walt Disney Studios Motion Pictures Austria

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