Escape Room – Review

Escape Rooms liegen gerade voll im Trend und sind weit mehr als einfach nur ein Zeitvertreib. Sie werden von Unternehmen für Teambuilding eingesetzt und schaffen es, so manchen Freundeskreis noch näher zusammenwachsen zu lassen. Das sich solche Escape Rooms als Grundlage für einen Horror-Thriller eignen, dürfte wohl so manchen Fan überraschen und ins Kino locken. Gleich die erste Szene ist weitesgehend bezeichnend für den Rest des Films. Wir sehen einen jungen Mann durch die Decke eines Raumes brechen, welcher an das Büro eines altes Herrenhaus erinnert. Dieser muss nun schnellstmöglich ein an der Wand befindliches Rätsel lösen, bevor ihn die plötzlich in Bewegung setzende, gegenüber liegende Wand zerquetscht. Gleich in dieser Szene verhält er sich, wie man es aus so vielen Horrorstreifen kennt: Als es so scheint, dass er den Code für das Rätsel endlich geknackt hat, dreht er sich alle paar Sekunden um, um zu überprüfen, wie weit die Wand noch von ihm entfernt ist und lässt somit wichtige Zeit verstreichen. So wird künstlich an der Spannungsschraube gedreht. Selbst ‚Saw‘ hat dies in den zahlreichen Fortsetzungen bereits besser hinbekommen. Zumindest weiß man so sofort, worauf man sich eingelassen hat.

Daraufhin springen wir ein paar Tage in die Vergangenheit. Bei dem jungen Mann handelt es sich um Ben Miller. Er arbeitet in einem Supermarkt und sucht dringend nach einem Ausweg aus seinem festgefahrenen Leben. Als er eines Tages einen Rätselwürfel mit einem Gutschein für einen neuartigen Escape Room erhält, bei welchem 10.000 Dollar Preisgeld winken, ergibt sich damit die Chance, endlich aus dem Elternhaus auszuziehen. Weitere Gutscheine gehen an die schüchterne Studentin Zoey, den Geschäftsmann Jason, an den Trucker Mike, die Kriegsveteranin Amanda und den Escape Room Enthusiasten Danny. Also treffen die sechs Charaktere zum ersten Mal im Wartezimmer der Escape Room Anlage aufeinander, welcher sich schnell als erster Escape Room entpuppt. Mit einem tiefgreifenden Unterschied: Sollten die Rätsel im jeweiligen Raum nicht gelöst werden, droht der Tod. Settechnisch wird gleich ordentlich geprotzt, die Räume sind vom Look her durchaus kreativ gestaltet. Gleich im ersten Raum verstecken sich zahlreiche, riesige Heizstrahler und später auch eine an einen Flammenwerfer erinnernde Deckenvorrichtung. Wo es aber an Kreativität fehlt, sind die Rätsel selbst. Sie beschränken sich nämlich meist auf Zahlen- und Buchstaben-Denkspiele, welche so kaum in der gewünschten Zeit lösbar wären. Viele der Kopfnüsse haben einen persönlichen Bezug zu den jeweiligen Charakteren. Die Veranstalter greifen aber offensichtlich auf Informationen zurück, welche sie so eigentlich gar nicht haben könnten. Sie nehmen zum Beispiel Bezug auf ein Lied, welches in einer Rückblende Sekunden vor einem Autounfall im betroffenen Fahrzeug gesungen wurde.

Die Inszenierung ist durchwegs hochwertig. Auch Kameratechnisch bewegt man sich auf hohem Niveau und man präsentiert uns zahlreiche interessante Einstellungen und Shots. Was aber unangenehm auffällt, ist unter anderem das stark schwankende Verhalten der Protagonisten. Grübeln diese zum Beispiel minutenlang darüber, welches Hilfsmittel sie da gerade gefunden haben, wissen sie im nächsten Moment direkt, worum es sich handelt, ohne das Hilfsmittel überhaupt noch gesehen zu haben. Da findet sich zum Beispiel in einem Raum eine Angel, welche so eigentlich ziemlich nutzlos erscheint. Also lässt Mike die Angel auf gut Glück ins Wasser. Kurz darauf entdeckt Zoey einen auf die Angel passenden Magneten. Als sie zurückgelaufen kommt und den Anderen einfach nur mitteilt, dass sie wieder was gefunden hat (worum genau es sich handelt, erwähnt sie dabei nicht), ist Mike schon dabei, die Angel hochzuziehen und sagt ihr ohne sich auch nur umzudrehen, dass sie den Magneten gleich montieren kann. An anderer Stelle liegt Amanda aufgrund ihrer traumatischen Vergangenheit zusammengekauert in einem Schacht. Zoey eilt ihr zur Hilfe, mehr sieht man dann davon aber nicht. Als hätte man vergessen, die Szene rauszunehmen oder die Anschlussszene einzubauen.

Gelegentlich kommt doch Spannung auf, wenn sich die Situationen zuspitzen und endlich klar wird, dass wirklich Menschenleben auf dem Spiel stehen. Es mangelt jedoch an einem durchgehenden Spannungsbogen. Was vor allem daran liegen mag, dass fast alle Charaktere äußerst unsympathisch gestaltet sind. Dadurch entsteht keine emotionale Fallhöhe, wer lebt oder stirbt ist einem schlichtweg egal. Spannend wäre außerdem gewesen, wenn man als Zuseher selbst miträtseln hätte können. Das Ende schlägt dem Fass dann endgültig den Boden aus, aufgelöst wird alles auf die simpelste Art und Weise. Speziell wenn man in den letzten 10 Minuten krampfhaft versucht, ein Franchise aufzubauen, kommt man aus dem Kopfschütteln nicht mehr raus. So ordnet sich ‚Escape Room‘ mühelos in die Riege der Frühjahrs-Horror-Cashgrabs ein.

Fazit:

‚Escape Room‘ hätte mit einer anderen Herangehensweise jede Menge Potential. Da man sich aber klar an Schockern wie ‚Saw‘ orientiert, keinerlei Aufwand in das Drehbuch, die Rätsel oder den Abschluss der Geschichte investiert und viel lieber mit aller Macht versucht, ein Franchise auf die Beine zu stellen, scheitert Adam Robitel neustes Machwerk gnadenlos. Es reicht gelegentlich zwar für den ein oder anderen Spannungsgipfel, die unsympathischen Charaktere, die klaffenden Logiklücken und das haarsträubende Ende tun aber ihr Übriges. So empfiehlt sich ‚Escape Room‘ maximal für einen Horrortrash-Abend unter Jugendlichen.

Kinostart: 01.03.2019

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Pressematerial zur Verfügung gestellt von Sony Pictures Entertainment.

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