Lords of Chaos – Review

Jonas Åkerlund inszeniert die Verfilmung der turbulenten Geschichte der True Norwegian Black Metal Band ‚Mayhem‘, basierend auf dem gleichnamigen Buch von Michael Jenkins Moynihan. Dabei setzt er den Gitarristen der Band Euronymous in den Mittelpunkt und begleiten ihn von den ersten Proben mit der Band im Jahre 1987 bis hin zu den furchtbaren Ereignissen am Abend des 10. August von 1993. Wer sich bisher nicht mit der Geschichte der Band beschäftigt hat, sollte dies vorab auch nicht weiter tun, die grausamen Höhepunkte der Bandhistorie werden nämlich Stück für Stück abgearbeitet und die Ereignisse sind zum Teil dermaßen brutal und unmenschlich, dass man in so manchen Momenten einfach nur fassungslos zusehen kann. Zartbesaitete Filmfans ist von dem Machwerk eher abzuraten, da die Gewaltdarstellung wirklich äußerst explizit in Szene gesetzt wird. Die Macher greifen hierbei unter anderem auf Prothesen zurück, Åkerlund macht alles derart greifbar, dass man das Gezeigte oft gar nicht ertragen kann. Wir waren bei der Österreich-Premiere des Films, veranstaltet vom großartigen /slash – Filmfestival und die Vorführung musste sogar unterbrochen werden, da einer der Kinozuseher ohnmächtig wurde. Für alle, die sich dadurch aber eher angesprochen fühlen, geben wir Aufschluss, ob sich ein Ticket für ‚Lords of Chaos‘ tatsächlich lohnt.

Der Cast setzt sich aus verschiedenen Nachwuchsdarstellern zusammen. Rory Culkin, einer der jüngeren Brüder Macaulay Culkins, übernimmt die Rolle von Euronymous. Culkin trägt größtenteils den Film und dabei verkauft er sich sehr gut, er übernimmt nämlich im Prinzip gleich zwei Rollen. Euronymous war nämlich zum einen dafür bekannt, arrogant und sich in seinem Größenwahn gerne mit fremden Federn zu schmücken. Seiner Familie gegenüber war er aber immer loyal, freundlich und wurde sogar als Familienmensch bezeichnet. Gerade seine herzliche Hälfte bleibt aber weitesgehend im Hintergrund und genau darin liegt auch das größte Problem des Films. Åkerlund und das gesamte Produktionsteam haben sich der extrem schwierigen Aufgabe gestellt und versucht, alle Ereignisse möglichst organisch zusammenzufügen. Es wirkt fast so, als hätten sie sich dazu hinreißen lassen, sich auf eine Seite zu schlagen und zwar auf die Seite von Euronymous. Wenn man sich aber genauer mit der sagenumwobenen Person beschäftigt und sich die verschiedenen Ansichten der Beteiligten durch Interviews zu Gemüte führt, will kein klarer Eindruck über den Menschen hinter der Fassade entstehen. Selbiges gilt für Varg Vikernes, Gründer der Band Burzum und auch zwischenzeitlicher Bassist von Mayhem. Varg ist der klare Antagonist des Films. Seine Persona lässt es zwar nicht anders zu, Åkerlund versucht aber niemals eine mögliche Erklärung für den Charakter der handelnden Personen zu geben.

‚Dead‘, einer der berühmt berüchtigten Sänger von Mayhem, wird von Jack Kilmer gespielt, dem Sohn von Val Kilmer. Der Sänger war dafür bekannt, sich auf der Bühne selbst zu verstümmeln und das Konzertpublikum mit seinem Blut zu bespritzen. Er begrub sein Bühnenoutfit mehrere Tage vor den Konzerten, damit diese einen modrigen Verwesungsgeruch bekamen und schnüffelte an toten, verwesenden Tieren, um sich besser in seine Bühnenrolle versetzen zu können. All das wird auf eine Nahtoderfahrung zurückgeführt, welche Per ‚Dead‘ Ohlin als Kind hatte und seit welcher er sich selbst als „Untot“ ansah. Viel näher lernen wir den jungen Mann aber nicht wirklich kennen. Da dies auf alle Charaktere zutrifft und es einem als Zuseher nicht möglich ist, einen differenzierten Eindruck über die Personen zu erhalten, entsteht das Gefühl, nicht das gesamte Bild vermittelt zu bekommen. Man hangelt sich vielmehr von einer grausamen Sensation zur nächsten. Manche Charaktere wirken fast so, als hätte man sie aufgrund der fehlenden Informationen zur eigentlichen Rolle und Handlungsweise im Standby-Modus in die Geschichte geschrieben. Das beste Beispiel hierfür ist, der fast schon als hirnloser Lakai Vargs abgestempelte Snorre ‚Blackthorn‘ Ruch, gespielt von Wilson Gonzalez Ochsenknecht. In fast allen Szenen hat er kaum Text, sitzt meist nur im Hintergrund oder lässt sich von Varg rumkommandieren.

Inszenatorisch ist ‚Lords of Chaos‘ aber durchwegs solide. Die Sets sind liebevoll gestaltet und unterstreichen die bedrückende, morbide Stimmung. Der Regisseur beweist wieder mal sein Gespür für aufrüttelnde, intensive Bilder, nicht umsonst ist der Mann für seine preisgekrönten Musikvideos bekannt. Zu keiner Sekunde scheut er davor zurück, seinem Publikum die brutalen Situationen echt und mit voller, erschreckender Wucht zu präsentieren. Die sprunghaft, etwas unorganisiert erzählte Geschichte ohne passenden, konstanten Fokus lässt den Kinozuseher aber entweder neugierig oder verstört angewidert zurück. So kann der Film nicht jedem empfohlen werden. Zu speziell gestaltet sich die Szenerie und viel zu wenig erfährt man dafür über die damals vorherrschende Black Metal Szene.

Fazit:

Jonas Åkerlunds neuste Regiearbeit ‚Lords of Chaos‘ über die Geschichte der Black Metal Band Mayhem ist ein verstörendes Stück Film geworden, welchem es aber konstant an Tiefe fehlt. Die Charaktere werden zu einseitig dargestellt und das Gesamtbild wird zu wenig vermittelt. Man springt vielmehr von einem erschreckenden Ereignis zum nächsten, ohne den Zuseher ausreichend bei der Stange zu halten. Die Schockeffekte sitzen dadurch jedoch umso heftiger. Die Gewaltdarstellung erfolgt mit einer derart detailierten Ausführung, dass es eher Zartbesaiteten zu viel werden könnte. So lässt sich das Machwerk nur eingefleischten Horror- und Metal-Fans empfehlen, eine Charakterstudie darf man hier nämlich keinesfalls erwarten.

‚Lords of Chaos‘ wird unter anderem am 23.02.2019 um 22:30 Uhr ein weiteres Mal im Filmcasino Wien, präsentiert vom /slash Filmfestival gezeigt. Hier kommt ihr direkt an Tickets.

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Pressematerial zur Verfügung gestellt von 24 Bilder Film GmbH

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