Captain Marvel – XXL Review

Noch knapp 7 Wochen dauert es, bis mit ‚Avengers: Endgame‘ die dritte Phase des MCUs ihr Ende findet. Nach dem schockierenden Finale von ‚Avengers: Infinity War‘ präsentiert uns Marvel nun das letzte Ass im Ärmel der Avengers gegen den übermächtigen Thanos, nämlich die Superheldin Captain Marvel. Mit ‚Captain Marvel‘ erwartet uns also die Origin-Story der Heldin. Die intergalaktischen Alien-Rassen Kree und Skrull befinden sich im Krieg. Vers kämpft als Starforce-Elitesoldatin auf Seiten der Kree. Als sie bei einem Routine-Einsatz auf einem fremden Planeten von den Skrull gefangen genommen wird, muss sie schnell feststellen, dass in ihrem Kopf offensichtlich Wissen steckt, welches die Skrull unbedingt in ihren Besitz bringen möchten. Sie selbst kann sich bis auf die letzten 6 Jahre aufgrund von Amnesie an nichts mehr erinnern. Nach ihrer spektakulären Flucht vom Skrull-Raumschiff strandet sie auf der Erde. Nun muss sie sich auf dem für sie fremdartigen Planeten zurechtfinden und stößt dabei Stück für Stück auf ihre eigene, verloren geglaubte Vergangenheit.

Auf dem Regiestuhl nehmen bei diesem Ableger des Marvel Cinematic Universe gleich zwei Personen Platz: Anna Boden und Ryan Fleck. Das Regie-Duo konnte sich bereits mit Indie-Hits wie dem großartigen ‚Half Nelson‘ und ‚It’s Kind of a Funny Story‘ mit Zach Galifianakis einen Namen machen. Jetzt haben sie die schwierige Aufgabe, dem Kinopublikum kurzfristig eine neue Superheldin näherzubringen und sie gleichzeitig für das große Finale gerade mal 7 Wochen später anzuheizen. Für die Rolle der titelgebenden Superheldin wurde Brie Larson gecastet. Die überaus talentierte Schauspielerin wurde bereits 2016 mit dem Oscar für ihre unfassbar großartige Performance im Drama ‚Raum‘ ausgezeichnet. Sie schafft es aber nur bedingt, in Ihrer Rolle zu überzeugen. Speziell zu Beginn des Films wirkt ihr stoisch-trotziger Blick etwas zu gewollt, als wäre sie sich ihrer Situation zu bewusst und dadurch wirkt ihr Schauspiel teilweise forciert. Ihren heroisch anmutenden Bewegungen fehlt die Leichtigkeit. So rutscht es fast ins Overacting ab. Viele werden sich auch an der ungewohnten Verhaltensweise ihres Charakters stören, was der Schauspielerin jedoch in keinster Weise zur Last gelegt werden kann, man versucht sich einfach nur so stark es geht an die Comic-Vorlage zu halten. In den Comics ist Captain Marvel nämlich kühl und hochnäsig. Sie agiert in ihrer Sturheit sehr oft egoistisch und schert sich nicht um die Meinungen anderer, sondern versucht stets ihren Kopf durchzusetzen. Die filmische Umsetzung der Heldin scheitert vielmehr am Drehbuch, welches es nicht schafft, diese Charaktereigenschaften besser zu transportieren. Auch ihre Fähigkeiten bleiben weitestgehend unerklärt. Nach dem Film kann man kaum einordnen, wozu Captain Marvel in der Lage ist und wo sich ihre Grenzen befinden. Außerdem plagt die Heldin das Superman-Problem: Da sie nahezu unbesiegbar und unverletzlich scheint, fehlt es ihr an jeglicher emotionaler Fallhöhe und so mag zu fast keiner Sekunde Spannung aufkommen. Superman kaschiert dieses Problem meist durch seine Nebencharaktere,  wie zum Beispiel durch Lois Lane, welche sich regelmäßig in Gefahr befindet. ‚Captain Marvel‘ schafft es aber zum einen nicht, dass man ausreichend Bindung zu den Nebencharakteren aufbauen kann und traut sich außerdem nicht, diese in ernsthafte Gefahr zu bringen.

Großes Lob verdienen sich Ben Mendelsohn als Antagonist Talos und Samuel L. Jackson in seiner bekannten Rolle als Nick Fury. Speziell Mendelsohn schafft es perfekt, die Grauzone, in welcher sich sein Charakter befindet, darzustellen. Hierbei schwankt er gekonnt zwischen bösartig und sympathisch. Die besondere Herangehensweise an das feindlich gesinnte, formwandelnde Volk der Skrull ist eines der Highlights des Films, auch wenn man etwas mehr mit der Fähigkeit der Außerirdischen spielen hätte können. Diese sind nämlich in der Lage, sich in jede erdenkliche, organische Form zu verwandeln. Sie können also blitzschnell die Form von anderen Personen oder sogar Gegenständen annehmen. Der marveltypische Humor durchzieht wie gewohnt den ganzen Film, jedoch zünden nicht alle Gags, was zu großen Teilen an der Inszenierung und dem damit einhergehenden Timing liegt. Allgemein fallen viele oft gehastet wirkende Szenenwechsel und Cuts unangenehm auf. Ebenso fehlt es am angeworbenen 90s-Flair. Anstatt den Film mit liebevollen Details zu füllen, geht man mit der Brechstange vor und baut die Verweise komprimiert in sehr wenigen Szenen ein. Dazu kommt noch der teilweise äußerst unpassend eingesetzte Soundtrack. Mit dem geht man teilweise so weit, dass man gar ganze Szenen zerstört und diese komplett der Wucht beraubt. In einer Actionszene hört man zum Beispiel No Doubt’s ‚Just a girl‘, nur um die feminin-rotzige Art von Captain Marvel zu unterstreichen, obwohl ihre Handlungen in der Szene eigentlich für sich sprechen. Deplatzierter geht es kaum. Die CGI-Effekte sind von gemischter Qualität. Da gibt es überaus schlecht animierte Sets, wie zum Beispiel die Kree-Stadt Hala, welche künstlicher gar nicht wirken könnte, aber auch die gut gemachten Verwandlungseffekte der Skrull oder die erstaunliche Verjüngungskur für Samuel L. Jackson, welcher diesmal den jungen Nick Fury verkörpert. Da steigt die Vorfreude auf Martin Scorseses ‚The Irishman‘, in welchem wir unter anderem Robert De Niro und Al Pacino stark verjüngt zu Gesicht bekommen werden.

Die Actionsequenzen sind leider kaum erinnerungswürdig, was an der mangelnden Kreativität der Choreografien und der Ereignisse liegt. Alles hat man irgendwie schonmal gesehen und nichts davon will nach dem Kinobesuch im Kopf hängenbleiben. Den 3D-Aufschlag kann man sich getrost sparen, da dieser kaum bis gar nicht ins Gewicht fällt. Vielmehr fördert das 3D die übliche Verwirrung bei der schnell geschnittenen Action. Alles in allem zeichnet sich das Filmerlebnis durchwachsen. Zu Beginn gestaltet sich der Einstieg schwierig, da man komplett unvorbereitet in die Handlung geworfen wird, was jedoch dem Pay Off der nachfolgenden Handlung zu gute kommt. Nach dem holprigen Start kommt spätestens auf der Erde wieder richtiges Marvel-Feeling auf. Das gute Pacing des Films gerät aber vor allem im Mittelteil so stark ins wanken, dass sich sogar Langeweile breit macht. Erst im letzten Drittel entfaltet ‚Captain Marvel‘ ihr volles Potential. Dann macht der Film richtig Spaß, nahezu jeder Gag trifft ins Schwarze und der komplette Cast strotzt nur so vor Sympathie. Ein weiteres Highlight ist die Katze Goose. Sie wird herrlich in den Plot miteingewoben und ihr Zusammenspiel mit Samuel L. Jackson ist herzallerliebst. Trotz der vielen Fehler verlässt man das Kino dann doch noch mit einem sehr positiven Gefühl und die Vorfreude auf ‚Endgame‘ steigt noch um einiges mehr.

Fazit:

‚Captain Marvel‘ ist ein durch und durch gemischtes Kinoerlebnis, denn die Verfilmung der eigenwilligen Superheldin plagen eine Vielzahl an Problemen. Brie Larson tut sich noch sichtlich schwer mit dem heroischen Schauspiel und kann nur bedingt überzeugen. Die CGI-Effekte schwanken von schlecht bis subtil atemberaubend und die Actionszenen sind kaum erinnerungswürdig. Außerdem kommt die Handlung speziell im Mittelteil nahezu komplett zum Stillstand, wodurch sich Langeweile breit macht und es kränkelt an der Inszenierung, am Drehbuch und am Schnitt. Genauso verschenkt man das 90er-Setting, was sich nur durch den geballten Einsatz von Nostalgie-Gegenständen in viel zu wenigen Szenen zu verkaufen versucht. Trotzdem kriegt der Film im letzten Drittel noch derart die Kurve, dass man den Kinosaal doch noch strahlend und in Vorfreude auf ‚Avengers: Endgame‘ verlässt, was vor allem dem äußerst sympathischen und liebenswürdigen Cast und dem überraschenden Umgang mit den Bösewichten zu verdanken ist.

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Pressematerial zur Verfügung gestellt von Walt Disney Studios Motion Pictures Austria

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