Wir – Review

Jordan Peele ist ein absolutes Ausnahmetalent. Er ist nicht nur ein durchaus passabler Schauspieler und ein ausgezeichneter Comedian, als absoluter Filmfan schreibt er selbst schon seit längerem Drehbücher und ist ein überaus talentierter Regisseur. Mit seinem Regiedebüt ‚Get Out‘ konnte er aufgrund der Thematik und des hervorragenden, von ihm verfassten Drehbuchs für Aufsehen sorgen und bei den Oscars sogar den Preis für das beste Originaldrehbuch abstauben – absolut verdient, wohlgemerkt. Seine Liebe zum Film ist zu jeder Sekunde spürbar und so macht er sich sogar Gedanken darüber, wie er seine Werke auch für den wiederholten Sehgenuss aufwerten kann. Hierzu versteckt er zahlreich kleine Hinweise, welche man erst beim zweiten Sehen bemerkt. Jetzt bringt er endlich sein neuestes Horrormachwerk ‚Wir‘ in die Kinos.

Die Wilsons reisen in den Sommerferien in ihr Strandhaus. Die Zufälle häufen sich und als eines Nachts eine bedrohlich wirkende, in roten Overalls gekleidete Familie in ihrer Einfahrt steht, bricht die Hölle los. Nachdem wir die Familie Wilson äußerst sympathisch kennenlernen durften, finden wir uns plötzlich in einem furchterregenden ‚Home Invasion‘-Szenario wieder. Aus Spoilergründen wird im weiteren Review nichts mehr über die Handlung verraten und man sollte vorab die Finger von jeglichen Trailern lassen. Die machen zwar definitiv Lust auf mehr, verraten bzw. zeigen aber schon einiges von den Setpieces und der Handlung. Dem Film zuliebe einfach ohne Vorwissen ins Kino, umso größer ist die Überraschung. Der gesamte Cast ist einmalig. Speziell Lupita Nyong’o spielt die Rolle ihres Lebens und kratzt gleichzeitig mit ihrem großartig geschriebenen und gespielten Charakter an Sphären, welche zuvor nur von Ellen Ripley, Sarah Connor oder Furiosa aus ‚Mad Max: Fury Road‘ erreicht werden konnten. Eine weitere großartige Entdeckung ist Shahadi Wright Joseph in der Rolle von Zora Wilson. Die Kleine spielt großartig und das Drehbuch macht sie ebenfalls zu einem richtigen Badass. Jeder einzelne Schauspieler läuft zu Hochleistungen auf und jedes Familienmitglied bekommt einen eigenen, hervorragenden Glanzmoment. Die Chemie zwischen den Charakteren ist dabei phänomenal. Evan Alex, Winston Duke, Elisabeth Moss, jeder ist schlicht großartig.

Die Sets sind wieder gespickt mit Querverweisen auf die Filmlandschaft und Popkultur. Dazu kommt noch die erstklassige Inszenierung und die Liebe zum Film quillt aus jeder Pore. Von der Kameraarbeit bis hin zum Soundtrack und Score ist alles top-notch. Besonders die Neuinterpretation des Luniz-Hits ‚I got 5 on it‘ ist sagenhaft. Peele wollte damit einen Theme zum Film erschaffen, welcher den gruseligen Vibe eines ‚A Nightmare on Elm Street‘ nahekommt. Dazu kommt noch der Unheil ankündigende Track, den wir direkt zu Beginn in der Titelsequenz präsentiert bekommen. Durch die hauptsächlich aus Chorgesängen bestehenden Klänge, kreiert der Regisseur perfekte Horrorstimmung mit Stil! Auch Handlungstechnisch bewegt man sich auf äußerst hohem Niveau. Als Zuseher ist man stets dazu angehalten, mitzurätseln, was denn da eigentlich gerade vor sich geht. Der Plot kommt dabei derart mysteriös, eigenwillig und originell daher, dass man zu jeder Sekunde gebannt auf die Leiwand starrt. Nur die große Auflösung wirkt zumindest beim ersten Durchgang etwas zu verkopft. Auf den ersten Blick ist alles jedoch in seinem Film-Universum schlüssig und ich bin mir sicher, dass der verwobene Plot mit jeder weiteren Sichtung klarer und klarer wird. Außerdem bietet der Film genug Anreize für nicht so detailversessene Kinobesucher. Der Regisseur beschränkt sich erneut nicht nur auf ein einziges Genre, ab der Hälfte des Films entwickelt sich der Film nämlich in eine etwas andere Richtung, weg vom Horror. Die Spannung will aber nicht abreißen und so ist man durchwegs unterhalten, auch wenn man mit den humoristischen Einlagen ein klein wenig über die Stränge schlägt. So übertrifft Peele sein Oscar prämiertes Werk noch einmal und festigt seinen Ruf als begnadeter Ausnahmeregisseur mit Hang zum Besonderen.

Fazit:

Nach ‚Get Out‘ bringt uns Jordan Peele seinen vermutlich nächsten Hit-Horrofilm. Lupita Nyong’o ist das absolute Highlight des Films und Peele schafft es, ihr den perfekten Spielraum zu bieten. So kreiert man starke Frauenrollen! Dabei verzichtet er auf bekannte Klischees und haut seinem Publikum die Gesellschaftskritik nur so um die Ohren. Shahadi Wright-Joseph ist eine absolute Offenbarung und das in ihrer ersten großen Kinorolle. Inszenatorisch perfekt, dreht der Regisseur an der Spannungsschraube, bis es fast schon weh tut. Ab der Hälfte gibt es den von Peele gewohnten Genrewechsel, welcher sich perfekt in den Film einfügt, auch wenn man ab diesem Zeitpunkt auf die herausragende Horrorstimmung weitestgehend verzichten muss. Gelegentlich geht man mit den Comedyeinlagen etwas zu weit, dies tut der Spannung und dem ernsten Hintergrund des Films jedoch keinerlei Abbruch. Die Auflösung kommt dann für viele vermutlich zu verkopft daher, Interessierte werden aber mit jeder Sichtung immer wieder neue Kleinigkeiten und Indizien erkennen. Umso mehr man sich mit dem Stoff auseinandersetzt, umso mehr lernt man ‚Wir‚ zu schätzen und zu lieben. Der Soundtrack, die Inszenierung, die Sets und das Schauspiel, alles greift perfekt ineinander und so schnell bekommt man das Gesehene nicht mehr aus dem Kopf. Ganz große Filmkunst und ein absolutes Muss für jeden Horrorfan!

Kinostart: 21.03.2019

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Pressematerial zur Verfügung gestellt von Universal Pictures Österreich

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