Aladdin – Review

Und monatlich grüßt die Disney-Realverfilmung! Nur einen Monat nach Tim Burtons Realinterpretation von ‚Dumbo‘ kommt direkt das nächste Live-Action Zeichentrick-Remake in die Kinos. Die Rede ist natürlich von Guy Ritchies Verfilmung von ‚Aladdin‘. Große Verwunderung ging durch das Internet, als Disney Will Smith in der Rolle des Dschinni angekündigt wurde, tritt er doch damit in die gigantischen Fußstapfen von Robin Williams, was irgendwie gar nicht zusammenpassen mag. Aber man sollte ja vorab kein Shot-by-Shot-Remake erwarten und sich schon gar nicht erhoffen. Zu Will Smiths Interpretation des Charakters aber später mehr. Für die Hauptfiguren greift man auf eher unbekannte, aber durchaus passende Jungschauspieler zurück. Mena Massoud gibt den Aladdin, absolutes Highlight ist aber Naomi Scott als Jasmin.

Wie schon im Zeichentrickklassiker wird auch hier sehr viel gesungen, was die Trailer erstmal in keinster Weise vermuten ließen. Es kommen großteils sogar dieselben Lieder zum Einsatz, Will Smith darf zum Beispiel direkt zu Beginn ‚Arabische Nächte‘ trällern. Und direkt da merkt man, dass man sich mit seinem Casting nicht unbedingt einen Gefallen getan hat, zumindest im englischen Original. Man merkt zwar, dass der Herr einiges an Gesangsunterricht bekommen hat, der geborene Sänger ist er aber trotzdem nicht. Natürlich ist ebenso Robin Williams nicht der beste Sänger, er machte es aber mit seiner ganz eigenen Sympathie wieder wett. Diese fehlt Smith aber größtenteils. Er kann gelegentlich mit seinem eigenen Humor und seiner Art punkten, wenn es dann aber mal verrückt auf Robin Williams Level sein soll, mag es einfach nicht passen. Viel zu erzwungen und unpassend kommt sein Schauspiel daher. So stellen sich die Drehbuchautoren wohl Will Smiths Comedy vor. Ebenso deplatziert ist Dschinnis Love Interest.

Fast dieselben Kritikpunkte gelten für den Aladdin-Darsteller Mena Massoud. Eine überaus blasse, und gesanglich unterwältigende Darstellung des vielen so liebgewordenen Charakters. Den Nagel auf den Kopf hat man allerdings mit Naomi Scott als Prinzessin Jasmin getroffen. Sie schafft die perfekte Balance zwischen Charme, Sympathie und Frauenpower. Dazu kommt noch ihr atemberaubender, unter die Haut gehender Gesang. Einfach nur der Wahnsinn! Dschafar wird gespielt von Marwan Kenzari. Sein Problem ist allerdings nicht das Schauspiel, sondern Guy Ritchies Vorstellung des Charakters. Dieser verhält sich zwar dem Original-Dschafar sehr ähnlich, man versucht ihm aber irgendwie einen jugendlichen Touch zu verpassen. Was genau dahinter die Idee der Drehbuchautoren war, lässt sich nur mutmaßen. So verkommt die Figur nämlich mehr zum belanglosen 08/15 Bösewicht.

Ausstattungstechnisch und cinematografisch schreit irgendwie alles nach TV-Sitcom. Knallbunt, steril, unaufgeregt, lieblos. Außerdem lässt sich Guy Ritchies Handschrift in keinem Moment erkennen. Der Film hätte genauso von jedem x-beliebigen Regisseur gemacht worden sein können. Es bleibt von allem gar so wenig hängen, dass ich jetzt auf die Schnelle kaum designtechnische Höhepunkte nennen könnte. Der Film hat dem Original auch absolut nichts hinzuzufügen. ‚Aladdin‘ von 1992 ist und bleibt einfach ein Klassiker. Die kleinen Storyanpassungen hätte es nicht nötig gehabt und noch dazu streicht man die Moral komplett von der Geschicht‘! Ebenso handelt es sich um keine denkwürdige Darstellung der arabischen Kultur. Damit beraubt sich die Realverfilmung jeglicher Existenzberechtigung. Es fehlt einfach an allen Ecken und Enden und so kommt die Neuinterpretation nie über das absolute Mittelmaß hinaus. Und natürlich kann dies auch Naomi Scott allein nicht rumreißen, wirklich äußerst schade um ihre herausragende Darstellung!

Fazit:

Was lässt sich insgesamt großartig über Disneys nächste Realverfilmung zum absoluten Zeichentrick-Klassiker ‚Aladdin‘ aus dem Jahre 1992 sagen? Also Jasmin ist wirklich großartig. Sie wächst einem ans Herz, ist sympathisch und singt dabei noch unfassbar gut! Viel mehr bleibt aber sonst nicht wirklich übrig. Das Original wird damit nicht aufgewertet und auch sonst hat man der großartigen Vorlage nichts hinzuzufügen. Die Settings sind entweder steril und uninspiriert oder komplett aus dem Greenscreen. Ebenso wenig können die anderen Darsteller überzeugen. Will Smiths Dschinni ist nicht schlecht, trotzdem muss er sich den Vergleich mit Robin Williams stellen und da kann er einfach in keinster Weise mithalten. Der Aladdin-Darsteller Mena Massoud kann das Publikum nicht für sich gewinnen und Marwan Kenzaris Dschafar geht sowieso komplett am Charakter vorbei, schuld ist aber das Drehbuch. Wer seinen Kleinen ein herausragendes Stück Disney-Magie zeigen will, greift also besser zum Original zurück. So kann man selbst nochmal in Nostalgie schwelgen und den Kindern gleichzeitig einen der großartigsten Komiker aller Zeiten näherbringen!

Kinostart: 23.05.2019

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Pressematerial zur Verfügung gestellt von Walt Disney Studios Motion Pictures Austria

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