Queen & Slim – Review

Slim ist Schuhverkäufer, Queen ist Juristin. Die Beiden lernen sich über Tinder kennen und sitzen nun beim gemeinsamen Date in einem eher unpassenden Diner. Schon bald befinden sie sich auf dem Heimweg in Slims Auto, da es zwischen ihnen kaum funken mag. Wegen einer kleinen Unachtsamkeit werden sie prompt von einer Polizeistreife aufgehalten. Der Polizist schikaniert den hochgläubigen Slim, was sich Queen auf keinen Fall gefallen lässt. Daraufhin kommt es zu einem schrecklichen Unfall, aufgrund dessen sich die zwei sich Unbekannten auf die Flucht vor dem Gesetz begeben müssen. Eines scheint nämlich klar: Slim ist unschuldig. Da sich die Übergriffe der Polizei gegenüber schwarzen US-Amerikaner immer weiter häufen, besteht keinerlei Vertrauen mehr gegenüber dem Gesetz und eine Flucht scheint die einzig logische Schlussfolgerung.

Ohne Umschweife werden wir mit der grandios inszenierten, hochspannenden Einleitung mitten ins Geschehen geworfen. Wir wissen genauso wenig über unsere Protagonisten, wie sie voneinander wissen. Trotz des eher misslungenen Dates müssen sie sich zusammenrotten und wir sind dabei, wie sie sich Stück für Stück näherkommen. Nach dem brachialen Einstieg wird es allerdings sehr lange ruhig. Zu ruhig. Denn so wunderschön der Film in Szene gesetzt wird, so hervorragend das Schauspiel auch sein mag und so wichtig die zumindest im Kern bestehende Botschaft auch ist, so sehr kränkelt Melina Matsoukas Langfilmerstling am äußerst trägen, zum Teil fast schon faul konstruierten Drehbuch. Nach dem aufwühlenden Intro gestaltet sich die Reise der beiden, ohne jetzt zu viel vorweg zu nehmen, derart unproblematisch, dass es nach und nach anstrengender wird, dem Gezeigten interessiert zu folgen. Aber woran genau liegts?

An mehreren Aspekten. Zum einen sind die beiden Hauptcharaktere eher uninteressant und zum Teil sogar unsympathisch geraten. Fast schon stereotypisch wird versucht, den zwei Flüchtigen Leben einzuhauchen. Wäre natürlich absolut okay, aber dann darf man nicht erwarten, dass einem die Charaktere wie gewünscht ans Herz wachsen. Außerdem besteht nur zu sehr wenigen Zeitpunkten eine bedrohliche Atmosphäre, die der Dramatik im ersten Akt nahekommt. Da das Video des Polizeiwagens natürlich viral geht, ist man zum einen Staatsfeind Nummer 1, zum anderen hat man aber die Ruhe, um in einer kleinen Pause auf Pferden zu reiten, oder den Fahrtwind zu genießen. Polizei zeigt sich ja sowieso keine. Das mag vielleicht zu Zeiten von Bonny & Clyde noch Sinn gemacht haben, aber im heutigen Überwachungszeitalter stört es. Ebenso wenig schlau werde ich aus der Schusswaffenkritik. Es wirkt so, als wollte man es sich einfach machen, im gleichen Atemzug aber besonders effektiv sein, was bei einem derart kontroversen Thema natürlich nicht aufgeht. Jegliche Gesellschaftskritik bleibt viel zu oberflächlich. Trotzdem kommt man immer und immer wieder auf teilweise haarsträubende Art und Weise darauf zurück. Was man daraus mitnehmen soll oder was die Macher damit aussagen wollen, erschließt sich auch nach einer längeren Verarbeitungszeit nicht.

Insgesamt ist ‚Queen & Slim‘ aber trotzdem keineswegs ein schlechter Film. Schauspielerisch brillieren sowohl Daniel Kaluuya und auch Jodie Turner-Smith. Ihnen allein ist es zu verdanken, dass man mit ihren Charakteren doch irgendwann mitfiebert. Ebenso bei der Bildgestaltung gibt es nichts zu meckern. Ihr Gefühl für tolle Bilder hat die Dame schon mit ihren zahlreichen Musikvideos eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Über die Handlung lässt sich jedoch streiten. Daher gibts von mir eine leichte Empfehlung, wenn man denn auf die stark entschleunigte, streckenweise konstruierte Story vorbereitet ist.

Fazit:

‚Queen & Slim‘ lässt sich am besten als reines Charakterdrama bezeichnen. Der Vorfall zu Beginn dient lediglich als Vehikel, um Daniel Kaluuya und Jodie Turner-Smith auf eine Reise zu schicken, bei welcher sie langsam zueinander finden. Die Flucht von der Polizei wird zwar permanent vorangetrieben, tritt aber mehr und mehr in den Hintergrund. Dann passieren so viele Dinge, bei welchen man den Kopf schüttelt oder schlicht nicht versteht, was man damit Aussagen will. Die gezeigte Gesellschaftskritik ist sehr oberflächlich geraten, was auch in Ordnung wäre, würde man nicht immer wieder auf so eigenartige Weise darauf zurückkommen. So verliert sich die Botschaft und man nimmt sich selbst die Existenzberechtigung. Eine reine Liebesgeschichte hätte man nämlich so viel schöner gestalten können. Abgesehen vom Drehbuch und dem Pacing, welches sehr oft fast zum Stillstand kommt, dann aber wieder sehr gehetzt sein will, erwartet euch jedoch ein toll in Szene gesetzter Film mit herausragenden Schauspielern.

Kinostart: 09.01.2020

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Pressematerial zur Verfügung gestellt von Universal Pictures International Austria
Poster: © 2019 Universal Pictures International Austria

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