Doctor Sleep – Review

Mit dem äußerst sperrigen, deutschen Titel ‚Doctor Sleeps Erwachen‘ erwartet uns diese Woche tatsächlich eine Fortsetzung zu Stanley Kubricks Meistwerk ‚The Shining‘. Regie führt Mike Flanagan, welcher schon unter anderem mit ‚Hush‘ (im deutschen ‚Still‘) und vor allem mit seiner hervorragenden Serie ‚The Haunting of Hill House‘ überzeugen konnte. Dabei stellt er sich einer fast wahnwitzig anmutenden Aufgabe. Kaum jemand hätte den Mut, sich an ein derartiges Sequel heranzuwagen. Da ihm die Aufgabe scheinbar noch nicht schwierig genug erschien, hat er sich auch noch vorgenommen, sowohl Leser des Originals und der Buchfortsetzung, als auch Fans der von King verhassten Filmadaption Kubricks zufriedenzustellen. Und das ist diesem Höllenhund von Regisseur tatsächlich in einem gewissen Maß gelungen. Zuerst aber eine kleine Zusammenfassung der Handlung.

Ewan McGregor mimt den nun erwachsen gewordenen Danny Torrance. Die schrecklichen Ereignisse im Overlook Hotel lasten schwer auf ihm. So versucht er seinen Schmerz, seine Erinnerungen und vor allem das Shining im Alkohol zu ertränken. Als der Herumtreiber eines Tages in einer kleinen Stadt neuen Fuß fasst, holt ihn irgendwann doch seine Vergangenheit ein. Er muss sich einem wahnsinnigen Kult stellen, welcher quer durch die USA sein Unwesen treibt und es auf kleine Kinder mit der gleichen Begabung abgesehen hat. Unterstützung bekommt er von der kleinen Abra. In ihr scheinen Kräfte zu schlummern, welche Dannys Shining in den Schatten stellen.

In Szene gesetzt wird das Ganze atmosphärisch dicht in gestochen scharfen Bildern und mit hochwertigen Sets. Das Production Value kann sich zu jeder Zeit sehen lassen, auch wenn sich Flanagan nicht ganz vom TV-Look, wie man ihn aus seiner Hit-Serie kennt, lösen kann. Am meisten auftrumpfen kann der Regisseur aber mit dem durchgehend tollen Cast. Ewan McGregor verkörpert Danny eindrucksvoll, Rebecca Ferguson ist als Sektenanführerin verführerisch bösartig und die junge Kyliegh Curran stiehlt als Shining-begabte Abra allen die Show. Ebenso beeindruckend ist der Auftritt von Jacob Tremblay. Was man ihm zumutet, fährt einem durch Mark und Bein, denn ihm gehört die wohl verstörendste Szene des gesamten Films. Außerdem muss die schiere Flut an Referenzen sowohl zum Original, als auch zum Kubrick-Meisterwerk erwähnt werden. Es vergeht kaum eine Sekunde, wo es nicht ein kleines Easter Egg zu entdecken gibt. Da merkt man, mit wie viel Herzblut der Regisseur bei der Sache war. So schafft er es auch, den Zuseher die ganze Laufzeit über aufmerksam am Ball zu halten und die 151 Minuten wie im Flug vergehen zu lassen.

Aber, und jetzt kommt ein ganz großes „Aber“, so unterhaltend der Streifen während dem Schauen auch sein mag, so wenig bleibt im Nachhinein vom Film hängen. Ich konnte ihn schon vor ein paar Tagen sehen und kann mich kaum noch an nennenswerte Szenen oder Ereignisse, bis auf die vorhin genannte, verstörende Szene, erinnern. Am meisten bleiben die direkten Shining-Referenzen und die gehen eben auf Kosten des Vorgängers. Alles in allem handelt es sich bei ‚Doctor Sleep‘ um einen hochwertig umgesetzten, soliden Mystery-Thriller, welcher zwar einen netten und vor allem unterhaltsamen Abend füllen kann, danach aber direkt wieder aus dem Gedächtnis des Zusehers verschwindet. Hardcore-Shining-Fans werden sich vor Referenzen sowohl zum Buch und auch zu Kubricks Film, kaum halten können, es bleibt aber ein unheimlich leeres Gefühl zurück.

Fazit:

Mit ‚Doctor Sleep‘ erwartet uns ein hervorragend gefilmter und hochwertig in Szene gesetzter Mystery-Thriller, welcher seiner Handlung und den Akteuren genug Zeit gibt, um sich zu entfalten. Der Cast überzeugt auf ganzer Linie, die größte Überraschung bietet die Jungdarstellerin Kyliegh Curran als kleine Abra. Wie das kleine Mädchen auf den Tisch hauen kann, lässt einem den Atem stocken. Die 151 minütige Laufzeit ist kaum spürbar, das liegt aber an der Popcornkino-Verpackung. Es werden sogar Grenzen überschritten und dies äußerst eindringlich und verstörend. Insgesamt fehlt es aber am gewissen Etwas. Also macht euch darauf gefasst, dass ihr zwar eine gute Zeit im Kino haben werdet, solange ihr keinen Horrofilm oder Gruselschocker erwartet. Genauso schnell wird der Film aber auch wieder aus eurem Gedächtnis verschwinden. Easy to enjoy but as easy to forget

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Pressematerial zur Verfügung gestellt von der Warner Bros. Entertainment Inc.

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