Marriage Story – Review

Charlie ist Theaterregisseur und seine Frau Nicole ist Schauspielerin. Gemeinsam haben sie einen Sohn namens Henry und alle im Theater kennen sie nur als glückliches Vorzeigepaar. Aber der Schein trügt, denn hinter all der Fassade bröckelt es ganz gewaltig. Eine Scheidung scheint für Charlie der letzte Ausweg zu sein, allerdings tritt sie mit ihrer Entscheidung eine Achterbahnfahrt der Gefühle los, welches ihr den Abschied von Charlie zusätzlich erschwert. So begleiten wir die zwei unglücklich Verliebten auf ihrem Pfad der Verzweiflung, um endlich wieder in der Lage zu sein, so etwas wie Glück und Freude zu empfinden. Eigentlich einvernehmlich geplant, gerät die Scheidungsschlacht als Charlie doch eine Anwältin engagiert allmählich außer Kontrolle und sie bekommen die volle Wucht des Wahnsinns des amerikanischen Scheidungsrechts zu spüren.

Regisseur Noah Baumbach widmet sich dem Thema auf eine unglaublich ehrliche Art und Weise. Er gestaltet seine Charaktere überraschend ehrlich und echt, was die Bindung zum Zuschauer verstärkt. Wir begleiten quasi abwechselnd die beiden Hauptcharaktere und erleben ihre Seite der Geschichte. So schwankt man ständig zwischen den Beiden hin und her, was die verwirrende Gefühlswelt ihres kleinen Jungen nahezu spürbar macht. Nach einem herzerwärmenden Einstieg bereit der Regisseur die Geschichte durch die erstklassigen Dialoge Stück für Stück äußerst gefühlsbetont auf, ohne jemals in Kitsch oder dergleichen abzurutschen. Wir lernen zu verstehen, warum sich das Pärchen lieben gelernt hat, umso größer wird die emotionale Fallhöhe mit jeder fortschreitenden Sekunde. Aber nicht nur die Hauptcharaktere definieren die Handlung. Wichtig ist zugleich, wie die Nebencharaktere, wie zum Beispiel die egozentrische Anwältin Nicoles, Nora Fanshaw, auf die beiden Figuren einwirken und langsam immer mehr das Ruder übernehmen. Wir sind alle stark von unserer Umwelt getrieben und so gehen Nicole und Charlie Wege, welche sie alleine nicht bestritten hätten. Es geht nicht mehr um den Jungen, sondern darum, als Gewinner des verqueren Scheidungssystems hervorzugehen. Aber dessen ist sich Baumbach stets bewusst. Die Systemkritik versteckt sich also jederzeit im Hintergrund, der Fokus weicht aber nie von den Figuren ab.

Was aber einen großen Teil der Filmmagie dieses Meisterwerks ausmacht, sind die Darsteller. Regisseur Baumbach hat seine Figuren nämlich erst um die Darsteller entwickelt, nachdem er ihre Zusage hatte und das merkt man. Adam Driver und Scarlett Johansson können sich bei ihren Darstellungen richtig in den Charakteren fallen lassen. Beide sind einfach nur grandios und beide haben hierfür einen Oscar verdient. Adam Driver meiner Meinung nach sogar mehr noch als Joker-Darsteller Joaquin Phoenix. Trotz der Schwere der Thematik verleiht der Regisseur seinem Drehbuch auch einige tragikomische Momente, wo es herzhaft zu lachen gibt. Damit verpackt er die teils traumatischen Ereignisse in Watte und macht es damit so locker leicht konsumierbar, dass die 137 Minuten Laufzeit wie im Flug vergehen. Zu keiner Sekunde gibt es einen Durchhänger, niemals stockt das Pacing oder dergleichen. Man starrt einfach nur gebannt und hervorragend unterhalten auf den Bildschirm, bis die Wucht des stillen Finales alle Dämme beim Publikum brechen lassen wird und einen weinend mit dem Abspann zurücklässt. Und das wirkt noch lange nach, denn einerseits handelt es sich keinesfalls um ein Feel-Good-Movie, andererseits hat man mit dem Gezeigten und den Charakteren unglaublich viel Spaß. Ein perfekter Drahtseilakt von einem Film, Komödie und Tragödie gehen Hand in Hand. Die Musik von Randy Newman ist dann noch die finale Zutat zum rundum gelungenen Filmerlebnis, ganz egal ob ihr euch das Werk im Kino oder daheim auf Netflix zu Gemüte führt, lasst euch dieses tolle Stück nicht entgehen.

Fazit:

Noah Baumbach inszeniert mit ‚Marriage Story‘ ein herzallerliebstes, aber gleichzeitig herzzerreißendes Scheidungsdrama, welches authentischer nicht sein könnte. Die Schauspielleistungen von Scarlett Johansson und speziell von Adam Driver reißen den Zuseher von einer Seite zur anderen, dass man sich zeitweilen selbst wie Sohnemann Henry fühlt. Beide Seiten haben ihre absolute Berechtigung und werden auch dementsprechend dargestellt. Dabei schwankt das Werk zwischen unendlich liebenswerten, humorvollen Szenen und todtraurigen Verzweiflungsmomenten, mal ganz leise und mal unerträglich laut. Die Inszenierung selbst bleibt unaufgeregt und klassisch, gibt dadurch der ehrlichen Geschichte mit ihren wunderbar geschriebenen Dialogen umso mehr Raum. Dabei bleibt der Film trotzdem überraschend kurzweilig. Durch und durch sympathisch und bis ins Mark erschütternd.

Kinostart: 22.11.2019

Start auf Netflix: 06.12.2019

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Pressematerial zur Verfügung gestellt vom Filmladen Filmverleih

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