Ex Machina – Review

Die erste Regiearbeit von Alex Garland, welcher schon durch die Drehbücher zu ’28 Days Later‘, ‚Sunshine‘ und ‚Dredd‘ einen gewissen Bekanntheitsgrad erreichen konnte, entführt uns in unsere vermeintliche Zukunft. Nathan Bateman, gespielt von Oscaar Isaac, ist CEO von ‚Blue Book‘, die Firma hinter der größten Suchmaschine der Welt, also vergleichbar mit Google. Nathan war schon mit 13 Jahren ein absolutes Programmiergenie und entwarf damals die Suchmaschine. Nun ist er Multimilliardär und lebt abgeschieden von der Umwelt, in einem hochtechnisierten Haus in den Bergen. Er steht kurz vor einem Durchbruch, benötigt aber die Hilfe einer komplett unabhängigen Testperson. Diese soll den Turing-Test mit der von Nathan entworfenen humanoiden künstlichen Intelligenz Ava durchführen. Dazu ruft er zu einer Art Gewinnspiel innerhalb seiner Firma auf – der Gewinner darf 1 Woche mit ihm in seinem Haus verbringen und hier zieht Caleb Smith, ein Programmierer von Blue Book, das große Los.

Ein Turing-Test erklärt sich wie folgt: Ein Fragesteller befragt zwei ihm unbekannte Gesprächspartner über einen Computerbildschirm und wenn der Fragesteller nach der Befragung nicht feststellen kann, ob es sich bei einem der beiden Befragten um eine künstliche Intelligenz handelt, ist die Intelligenz der KI mit der eines Menschen vergleichbar. Caleb, verkörpert vom großartigen Domhnall Gleeson, soll diesen Test also mit Ava durchführen. Da Ava aber schon so weit in der Entwicklung fortgeschritten ist, soll er den Test nicht über einen Bildschirm durchführen, sondern in direktem Kontakt mit Ava, die einen humanoiden Körper bewohnt. Man steigt direkt ins Geschehen ein, während dem Introsong sieht man noch kurz zusammengeschnitten, wie Caleb das Gewinnspiel für sich entscheiden kann und schon sitzen wir mit ihm im Hubschrauber zum Haus des Computergenies. Beim Haus angekommen, stellt sich Nathan zum ersten Mal vor und erklärt dem Neuankömmling seine Aufgabe. Dabei möchte Nathan einen lockeren und freundschaftlichen Eindruck machen und macht Caleb klar, dass er auf dieser Basis mit ihm zusammenarbeiten möchte. Wie bei einer Versuchsreihe werden wir durch eine Einblendung der Gesprächsnummer in das erste Treffen der beiden Testteilnehmer geworfen. Caleb betritt den Raum und ist völlig verblüfft von Ava, welche sich menschenähnlicher nicht verhalten könnte. Sie beginnen ein Gespräch und eine außergewöhnliche Geschichte entfaltet sich. Jeder sollte das Nachfolgende für sich selbst gesehen haben, darum wird auf den Inhalt nicht weiter eingegangen.

Bei ‚Ex Machina‘ handelt es sich um einen durch und durch außergewöhnlichen Film. Man wird nicht nur toll unterhalten, der Zuschauer soll auch zum Nachdenken angeregt werden. Und dies schafft der Regisseur und Drehbuchautor mit Bravour: Er bombardiert uns nahezu konstant mit spannenden, wissenschaftlich fundierten Problematiken und Ideen. Was macht den Menschen zum Menschen? Welche Auswirkung hat das Geschlecht und unsere Sexualität auf unsere Spezies? Warum treffen wir bestimmte Entscheidungen? Dazu liefert uns Garland geniale Denkanreize, ohne klare Antworten zu geben. Auch nach dem Kino hat der interessierte Zuseher noch Unmengen an Gesprächsstoff – angeregte Diskussionen mit Freunden sind garantiert. Alles wird über die Gespräche zwischen den Protagonisten transportiert und das machen die Schauspieler grandios. Alicia Vikander spielt und lebt ihre Figur. Über den kompletten Film hinweg präsentiert uns der Regisseur gemeinsam mit Kameramann Rob Hardy wunderschöne Landschaftsaufnahmen und auch herausragende Bilder im Inneren des Hauses. Das Team vom Setdesign hat scheinbar ihr ganzes Herzblut in die Umgebungen vor der Kamera gesteckt, alles wirkt durchdacht und vermittelt einen steril leicht futuristischen Flair. Noch weiter unterstrichen wird der Stil durch den Einsatz von Unschärfen. Ausgewählte Bereiche des Bildes sind unscharf gefilmt und dies wird nahezu den ganzen Film über eingesetzt. Dadurch wird ein traumartiges Gefühl beim Zuseher erzeugt. Der Regisseur nimmt sein Publikum ernst und greift immer wieder Dinge auf, die auf den ersten Blick wie ein Plot Hole wirken.

Fazit:

Herausragendes Sci-Fi-Erlebnis der besonderen Sorte. Alex Garland liefert einen nahezu perfekten Film bei seinem Regiedebüt ab. Der Zuseher wird durch die tollen Bilder, handgemachten Sets, hervorragendes Schauspiel und nachwirkende Denkanreize in den Bann gezogen. Lediglich das etwas schleppende letzte Viertel des Films kann als leichter Mangel angesehen werden, jedoch bleibt es beim Meisterwerk. Wer Denis Villeneuve’s ‚Arrival‘ mochte und auf intellektuelles Sci-Fi-Kino steht, kann hier bedenkenlos zugreifen.

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Pressematerial ist Eigentum von Universal Pictures – Bildquelle: Quelle

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