Bad Times at the El Royale – Review

Der amerikanische Regisseur Drew Goddard konnte schon mit dem Drehbuch für ‚Cloverfield‘ auf sich aufmerksam machen, wenige Jahre später gab er mit der Horror-Überraschung ‚Cabin in the Woods‘ sein Regiedebüt. Nun ist Goddard nach vielen Jahren der Regieabstinzenz mit „Bad Times at the El Royale“ zurück und wagt sich erstmals ins Thriller-Genre.

Ein Mann nimmt sich eines Nachts ein Zimmer in einem Hotel. Direkt nach seiner Ankunft entfernt er den Teppich des Zimmers, demontiert die Holzdielen und versteckt darunter eine rote Tasche. Nachdem er das Zimmer wieder in den Urzustand zurückversetzt hat, klopft es an der Tür. Beim Öffnen der Tür wird er erschossen. 10 Jahre später treffen 4 sich unbekannte Personen in dem selben, inzwischen heruntergekommen Hotel ‚El Royale‘ aufeinander. Früher war das Hotel hoch angesehen und durch das darin liegende Casino immer gut besucht. Jetzt steht es menschenleer, direkt an der Grenze zwischen Nevada und Kalifornien. Eine dicke rote Linie zieht sich durch die komplette Hotelanlage und teilt die beiden Staaten, man kann im ‚El Royale‘ also sowohl in Kalifornien, wie auch in Nevada nächtigen. Vom Personal scheint nur mehr der desinteressierte, aber trotzdem bemühte Rezeptionist Miles Miller übrig zu sein. Die vier Unbekannten checken im Hotel ein und wir bekommen nach und nach die Zimmer und deren unbekannte Bewohner vorgestellt. Jon Hamm spielt den selbstbewussten Staubsaugervertreter Seymour. Er bewohnt die Honeymoon Sweet. In Zimmer 5 nächtigt die aufstrebende Sängerin Darlene, neben ihr in Zimmer 4 residiert Pater Daniel Flynn. Die junge Frau Emily hat es ebenfalls in das nahezu verlassen anmutende Hotel verschlagen. Jede der vier Personen verbirgt ein mehr oder minder dunkles Geheimnis.

Mehr von der Handlung sollte nicht verraten werden, Goddards neues Machwerk baut nämlich auf der Unwissenheit des Zusehers auf. Der Film ist gespickt mit viele Wendungen und daraus entwickelt sich der Spannungsbogen. Stück für Stück entfaltet sich der Noir-Thriller. Der Regisseur treibt dies auf die Spitze, indem er uns der Reihe nach einen Blick in die einzelnen Hotelzimmer gewährt. Das Set-Design weiß hier durchwegs zu begeistern, die 60er werden von der Kamera perfekt eingefangen. Sämtliche Sets sind handgemacht und liebevoll gestaltet, angefangen beim schicken Röhrenfernseher bis hin zum klassischen Wurlitzer, ist alles dabei. Irgendwie will einem aber das Gefühl nicht loslassen, dass man all das schon mal gesehen hat. Dabei lässt sich durchaus ein Schema in Goddards beiden Regiearbeiten erkennen. In ‚Cabin in the Woods‘ hat er sich in der kunterbunten Horrortrickkiste bedient und zum Schluss sogar alle bekannten Horrorcliches auf einen Haufen geworfen. Bei ‚Bad Times at the El Royale‘ macht er selbiges mit den bekanntesten Film-Noir-Cliches. Ein bisschen ‚Identity‘ hier, ein wenig ‚Psycho‘ da und zur Auflockerung noch eine Prise Manson Family oben drüber. Als würde man ein Best-Of der Hotel-/Motel-Thriller sehen. Zusätzlich ist der Film um mindestens 20 Minuten zu lang. Der Regisseur suhlt sich teilweise richtig in seinen Szenen, was zwar nicht immer schlecht sein mag, nach der Hälfte des Films scheint die Luft aber entgültig raus zu sein. Ab dem Zeitpunkt ist die Geschichte absolut vorhersehbar, dann ist diese nämlich soweit enträtselt, dass kaum noch Spannung aufkommen mag. Und wenn Sängerin Darlene dann zum bereits 3. Mal fast ein komplettes Liedchen trällert und dabei Pater Flynn traurig dreinschaut, wird es einfach nur noch zu viel.

Inszenatorisch leistet Goddard jedoch wieder großes. Die Kamerafahrten sind gut durchdacht, es kommen viele echte Sets zum Einsatz und Kameramann Seamus McGarvey weiß ganz genau, wie er seine Stars einfangen muss. Das El Royale selbst scheint auch hauptsächlich aus echten Sets zu bestehen. Der Cast strotzt auch nur so vor großen Darstellern: Jeff Bridges mimt Pater Flynn und macht dies wieder mal großartig, ihn könnte man einfach stundenlang einfach nur beim erzählen von Geschichten zuhören. Cynthia Erivo gibt ihr Leinwanddebüt als Sängerin Darlene und leistet solide Schauspiel- und Gesangsarbeit. Jon Hamm versprüht seinen Charme wie schon damals in ‚Mad Men‘. Überraschenderweise steckt auch in Dakota Johnson eine tolle Schauspielerin, mehr davon sehen wir dieses Jahr noch im Remake zu ‚Suspiria‘. Der noch weitesgehend unbekannte Lewis Pullman als Rezeptionist Miles rührt uns sogar zu Tränen.

Fazit:

Solider Noir-Thriller mit tollen Schauspielern, ausgezeichneten Sets, aber einer viel zu langen Laufzeit von 140 Minuten. 20 – 30 Minuten weniger hätten dem Pacing des Films gutgetan. Als Fan von Jeff Bridges und Jon Hamm sollte man aber unbedingt mal reinschauen. Zwar nutzt der Film viel Bekanntes, hat dabei aber ein paar neue, interessante Wendungen. Wer auf Thriller á la ‚Identity‘ oder ‚Joyride‘ steht, sollte auf jeden Fall ein Kinoticket lösen.

Kinostart: 12.10.2018

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Pressematerial zur Verfügung gestellt von 20th Century Fox Österreich

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