Luz – Review

Nicht ohne Grund hat der Regie-Erstling des jungen Deutschen Tilmann Singer die /Competition, den Jury-Preis des /slash-Filmfestivals 2018, gewonnen. Selten hat man einen so eigenwilligen, alle Sinne einvernehmenden und durchdachten Horror-Thriller gesehen. Sofort wird man irgendwie an die Werke von David Lynch erinnert, aber dann irgendwie auch wieder nicht. Singer schafft es, dem Film einen so einzigartigen Dreh zu verleihen, dass er einfach nur für sich steht und kaum eingeordnet werden kann. Und genau das macht das Machwerk schließlich aus.

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Zu Beginn ist man als Zuseher verwirrt. Was sieht man da gerade auf der Leinwand? Wie kann man das Gesehene den Sehgewohnheiten entsprechend einordnen? Erst wenn man der Leinwand seine volle Aufmerksamkeit schenkt, entfaltet sich das volle Potential. Eine junge Frau torkelt in eine Polizeistation. Sie wirkt völlig perplex, fast in Trance. Sie wankt weiter zum Getränkeautomaten und leert die gekaufte Flasche in einem Zug. All das wird in einem One-Shot ohne Kamerabewegung im Weitwinkel gezeigt. Zombie-artig bewegt sie sich nun Richtung Schreibtisch samt zuständigen Polizisten. Mit ausgestreckter Hand und Zeigefinger beginnt sie Spanisch zu sprechen. Es handelt sich um die junge Taxifahrerin Luz. „Willst du so dein Leben verbringen?!“ fragt sie den Beamten auf eine fast dämonische Art und Weise und darauf folgt in dicken, roten Lettern der Filmtitel ‚LUZ‘. Genauso verwirrend wie die Anfangsszene, gestaltet sich der komplette Film. Trotzdem wird man das Gefühl nie los, dass es tatsächlich einen roten Faden gibt, man kann ihn nur nicht greifen. Diese Verwirrung führt aber nicht zu Desinteresse, ganz im Gegenteil. Die Bilder sind so aufrüttelnd und das Sounddesign so hypnotisierend, dass man gebannt auf die Leinwand starrt.

LUZ_FOG

Gedreht wurde alles analog in 16mm. Das grobkörnige Bild unterstreicht das Gezeigte zusätzlich und ist auch Teil von Tilmanns Konzept, wie er im Rahmen des Q&A nach der Österreichpremiere von Luz am /slash-Filmfestival verraten hat. Man soll nie genau zuordnen können, ob der Film in den 80ern, 90ern oder um die Jahrtausendwende spielt. Dabei baut er immer wieder bekannte Requisiten aus diesen Jahren ein. Mal sieht man einen Pieper, die Klamotten der Akteure und das Interieur der Polizeistation erinnern aber stark an die beiden früheren Jahrzehnte. Als wäre man in einer Zwischenwelt aus Nostalgie und Erinnerungen, einer Tristesse, gefangen. Der Regisseur half auch den Sounddesignern und Foley-Artists bei ihrer Arbeit. Dabei entdeckte er selbst seine Leidenschaft für das „Geräuschemachen“. Das Bild, die Geräusche, das Schauspiel, alles verschmilzt zu einem atemberaubend ruhig-brachialen Filmerlebnis. Ein Kammerspiel, welches seine Grenzen sprengt. Wie der Film das schafft, sollte aber jeder Filmfan für sich selbst herausfinden. Das es sich um eine Low-Budget-Produktion handelt, sollte dem Film keinesfalls negativ angehaftet werden, mehr Budget wäre nämlich in keinster Weise notwendig gewesen.

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Generell kann dem Machwerk schwer etwas Negatives angehaftet werden, da alles so durchkonzeptioniert wirkt. Der junge Regisseur holt das Maximum aus den verfügbaren Mitteln heraus. Dabei handelt es sich nämlich um die Abschlussarbeit von Tilmann an der Kunsthochschule für Medien in Köln, welche ihm hoffentlich eine Vielzahl an Türen öffnet. Natürlich merkt man das geringe Budget, wenn man sich darauf fokussiert. Und natürlich handelt es sich nicht um Hollywood-Schauspieler, sondern hauptsächlich um Schauspiel-Neulinge. Auch die kurze Laufzeit von 70 Minuten kann abschrecken, angedacht war Luz nämlich zu Beginn als ca. 30-minütiger Kurzfilm. Tilmanns Plan scheint aber vollends aufzugehen!

Fazit:

Ein einzigartiges Filmerlebnis, welches es schafft, auf einer kleinen Bühne ganz großes Kino auf die Leinwand zu bringen. Bestimmt kein Film für Jedermann, aber eine absolute Empfehlung für Freunde des besonderen Kinos. Fans von David Lynch und Dario Argento kommen hier voll auf ihre Kosten! Man kann den Heimkino-Release Anfang 2019 kaum erwarten, da der Film beim zweiten Schauen mit seiner durchdachten Story zusätzlich an Tiefe gewinnt!

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Pressematerial zur Verfügung gestellt vom /slash Filmfestival unter http://slashfilmfestival.com/presse/

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