Mandy – Review

Nach Jahren mit hauptsächlich Direct-To-DVD-Veröffentlichungen erhält Nicolas Cage wieder Lob beim Sundance Film Festival. Dies sogar in einem für ihn sehr ungewöhnlichen Genre, er spielt nämlich die Hauptrolle im Indie-Horrorfilm ‚Mandy‘, dem erst zweiten Werk des italienischen Regisseurs Panos Cosmatos. Cage spielt den Holzfäller Red im Jahre 1983. Red lebt abgelegen mit seiner Freundin Mandy in einer gemütlich eingerichteten Holzhütte, tief im Wald der Shadow Mountains. Mandy liebt Heavy Metal, entwirft wunderschöne Bilder und arbeitet tagsüber in einem Gemischtwarenladen. Eines Tages begegnet sie auf ihrem Arbeitsweg dem Truck der Hippie-Sekte des psychopatischen Jeremiah Sand. Jeremiah ist von Mandys außergewöhnlichen Erscheinung begeistert und möchte sie unbedingt in seiner Sekte haben. Dazu beauftragt er zwei seiner Anhänger damit, eine wilde Motorrad-Gang aus der Hölle zu beschwören, welche die Entführung übernehmen sollen.

Nun werden wir Zeuge eines filmgewordenen LSD-Trips, welcher aber sehr lange auf den Kick warten lässt. Dabei wird eine wahnsinnige Farbgestaltung gewählt, psychedelische Neonfarben werden über das Bild gelegt bzw. in vielen der einzelnen Filmsets eingesetzt. Sogar bei den Außenaufnahmen, was einen zusätzlichen beklemmenden und anderweltlichen Effekt erzielt. Man fühlt sich, als wäre man der Hölle ein Stück näher. Der Spaziergang von Mandy zur Arbeit ist zum Beispiel komplett in einem stechenden Rot ausgeleuchtet. Die Handlung klingt auf dem Papier sicher spannend, kann aber dort maximal nur eine A4 Seite ausfüllen. Wie schafft es Cosmatos also auf eine Länge von 121 Minuten? Nahezu alle Szenen des Films werden extrem in die Länge gezogen, jedoch nicht im guten Sinne, wie zum Beispiel bei den Werken von David Lynch, sondern zu einem Großteil komplett inhaltsleer und ohne Hintergrund. Zusätzlich werden noch Zeitlupen eingesetzt, welche das Gezeigte noch mehr hinauszögern. Der Regisseur schafft es leider nicht, mehr mit seinen langsamen, oft stehenden Bildern zu transportieren. Wenn Sektenführer Jeremiah einen mehrere Minuten langen Monolog, gefüllt mit biblisch anmutenden Phrasen, führt, ist der tiefere Sinn dahinter beim ersten Sehen definitiv nicht feststellbar. Es bleibt aber das Gefühl, dass ein solcher einfach nicht vorhanden ist. Auch die Badass-Cage-Momente, auf welche man als Zuseher die ganze Zeit hofft, sind nur äußerst rar gesät und kommen in Ihrer Wucht nie wirklich an die Erwartungen des Publikums heran.

Schauspielerisch erleben wir aber durchwegs gute bis ausgezeichnete Leistungen. Wir sehen Nicolas Cage tatsächlich in einer seiner besseren Rollen. Dabei gibt er wirklich alles, er bricht in Tränen aus, schreit sich die Seele aus dem Leib und hat zwischendurch sogar mal einen Nervenzusammenbruch, gefilmt mit einem unfassbar tollen One-Shot. Der Charakter des Red wirkt perfekt auf Cage abgestimmt. Linus Roache als Sektenführer Jeremiah scheut vor nichts zurück, er zeigt sich in einer verstörenden Szene sogar komplett nackt. Andrea Riseborough macht ihren Job als titelgebende Mandy gut, hat aber zu wenig Screentime, um wirklich zu zeigen, was in ihr steckt. Das Setdesign ist fast zu jeder Sekunde außergewöhnlich, selten wurde man von einem Film so in einen Rausch versetzt. Dies liegt vor allem am dämonisch-psychodelischen Soundtrack von Jóhann Jóhannsson, welcher zu einem Großteil aus dröhnenden, brodelnden Gitarren und tiefen Bässen besteht. Leider hören wir hier zum letzten Mal das unglaubliche Talent Jóhannssons, welcher im Februar 2018 verstorben ist. Da der Film aber wirklich nur äußerst langsam voran kommt, kann der Soundtrack auch dazu führen, dass man den Kampf gegen den Schlaf entgültig verliert. Hervorgehoben werden muss auch das Design der dämonischen Bikergang, welche unter anderem stark an Clive Barkers ‚Hellraiser‘ erinnert. Die Biker sind wirklich furchteinflößend und lassen mit ihrem Sounddesign das Herz eines jeden Horrofans höher schlagen. Cosmatos Machwerk bietet auch wirkliche Höhepunkte. Die Action sitzt und dabei wird auch nicht am Blut oder an der Gewalt gespart. Es fehlt lediglich die letzte Konsequenz bei einigen der Cage-Rage-Szenen.

Fazit:

Surealer Horror-Trip, mit tollem Setdesign, einem hypnotischem Soundtrack und tollen Schauspielern, welcher aber massiv im Pacing schwächelt. Hier hätte man sicher gut 10 bis 20 Minuten rausnehmen können. Fans von Nicolas Cage sollten unbedingt mal reinschauen. Man sollte aber über genug Sitzfleisch verfügen und sich auf einen ruhigen, aber gleichzeitig sehr intensiven Film einstellen. Panos Cosmatos hat es zwar gut gemeint, wollte aber eindeutig zu viel.

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Pressematerial zur Verfügung gestellt von der Thimfilm GmbH über filmpresskit.at

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