Slash Filmfestival 2021 – Chapter 2 (In the Earth / The Feast / Prisoners of the Ghostland)

In the Earth

„Ganz nah am Zeitgeist“ ist bei Ben Wheatleys neuesten Werk ein absoluter Hilfsausdruck, denn er hat sich mit „In The Earth“ vorgenommen, die uns aktuell plagende Pandemie mit einem Film zu verarbeiten. Dies tut er jedoch auf seine ganz eigene Art und Weise. Ein Virus bildet nämlich nur den Unterton. Es ist nicht der Grund, warum das Forscherteam bestehend aus Alma und Martin in den Wald geschickt werden. Allerdings ist vor allem Martin durch die Pandemie sichtlich geschwächt. Alles passiert also mit dem Hintergedanken, dass die Protagonisten, so wie wir, monatelang von einer Pandemie ausgelaugt und traumatisiert wurden. Was an sich wie ein recht spannender Aufhänger klingt, verliert sich aber mehr und mehr im Verlauf des Films, dass wir im letzten Drittel mittels PCR-Test daran erinnert werden müssen, was denn in der Welt bei den Figuren so vor sich geht. Dies tut dem Film jedoch keinen Abbruch, denn mit oder ohne Pandemie entfaltet er in gewohnter Wheatley-Manier seinen Wahnsinn mit fortschreitender Laufzeit. Das Team stolpert bei ihrer Routine-Equipment-Untersuchung in einen sagenumwobenen Wald, welcher einen ganz eigenen Einfluss auf seine Besucher zu haben scheint. Sonst will ich euch nur mehr verraten, dass es ziemlich trippy und abgedreht wird. Gerade im letzten Drittel wird einem nahezu ständig das Stroboskoplicht um die Netzhaut gehaut, dass eine Epilepsiewarnung durchaus angebracht gewesen wäre. Es erwartet euch ein wirklich spannender Nature-Folk-Horrorthriller mit ganz eigenem realistischen Touch, der zwar fern von einem Meisterwerk ist, aber die gesamte Laufzeit über unterhält und gebannt hält. Toll inszeniert und toll gespielt, darum gibt’s hier von mir eine ganz klare Empfehlung. Und spart euch den Trailer, der ist fast ein bisschen irreführend, lasst euch einfach drauf ein, wenn ihr mal drauf Bock habt.

The Feast

Einen weiteren, ganz eigenen Folk-Horror-Streifen bescherte man uns mit dem walisischen „The Feast“, komplett in Walisisch gesprochen und mit bewusst gewählten, europäischen Look-and-Feel. Als Setting hat Regisseur Lee Haven Jones ein imposantes Haus mitten in den britannischen Wäldern ausgesucht, gefüllt mit einer exzentrischen, reichen Familie. Für einen feierlichen Anlass soll es ein Festessen geben und dafür braucht die Frau des Hauses Hilfe bei der Zubereitung und Vorbereitung, wozu man die junge Cadi als Hilfskraft einlädt. Die junge Frau birgt jedoch ein Geheimnis und verfolgt ihr ganz eigenes Ziel. Damit sei auch nicht zu viel verraten, denn leider wird einem sehr rasch klar, was denn da vor sich geht, schon im ersten Drittel ist es möglich, sich selbst so ziemlich das gesamte Bild der Situation zusammenzureimen. Fand ich persönlich schade, der Regisseur macht aber offensichtlich bewusst kein Rätsel draus. Das kostet dem Film jedoch einiges an Spannung und die ewig langen Kamerafahrten durch die Korridore werden zu einem doch recht zähem Unterfangen. Das Schauspielensemble weiß zu überzeugen, allerdings werden die einzelnen Figuren mit nicht genug Leben gefüllt, um nicht als einfache Abziehbilder der üblichen Klischees zu wirken. Schade, denn cinematographisch fährt Jones nicht die ganz großen, dafür aber die ganz schönen Geschütze auf, er lässt sie nur zu lange im Raum stehen, was bei der eh schon recht knappen Laufzeit von gerade mal 93 Minuten schon als Streckversuch gelten könnte. Inszenatorisch und darstellerisch top mit einem Finale, dass schon ganz ordentlich aufdreht, aber leider etwas fleischlos. Kann man machen, muss man aber nicht.

Prisoners of the Ghostland

Der erste amerikanisch produzierte Sion Sono, mit einem japanisch geprägten Neon-Samurai-Endzeit-Western und Nicolas Cage spielt die Hauptrolle? Shut up and take my money! … aber zu früh gefreut, denn Sonos neuester Streich enttäuscht zwar nicht komplett, wird aber dem Hype nicht gerecht. Es wird schon abgedreht, blutspritzend und quietschbunt, aber nicht auf dem Level, dass ich gern gesehen hätte. Im gut gefüllten Kinosaal macht „Prisoners of the Ghostland“ jede Menge Spaß und es wird einem auch zu keiner Sekunde langweilig, aber irgendwie kam mir der Film leer und unfokussiert vor, ganz viel Lärm und Style-over-Substance. Allerdings meist nicht auf die gute Art und Weise. Da muss zum Beispiel Nicolas Cage, wenn er eine Rede schwingt, immer wieder mit stechend verrückten Blick in die Kamera starren, weil…. ja weil das Nicolas Cage nun mal immer wieder in seinen Filmen macht. Aber irgendwie kommt mir der Kritikpunkt seltsam bekannt vor, hatte ich den selben nicht bereits vor 2 Jahren bei Panos Cosmatos „Mandy“? Dass ist dann eure Hausaufgabe, schaut gern mal in mein Review von damals rein. Worum geht es denn eigentlich? In genannter Endzeit holt der Governor, ein wohlhabender Bösewicht, einen namenlosen Kriminellen aus seinem lebenslangen Gefängnis, damit er die „Enkeltochter“ des Governors, Bernice, aus den Fängen der Bewohner des mysteriösen „Ghostlands“ befreit und zu ihm zurückbringt. Dieser namenlose, gebrochene Kriminelle wird verkörpert von Nicolas Cage, der als Sicherheitsmaßnahme einen schwarzen Lederoverall anziehen muss, an dem zahlreiche kleine Sprengsätze befestigt sind. Unter anderem an der Stelle seiner beiden Schmuckstücke. Dazu gibt’s noch jede Menge Samurai-Ästhetik gepaart mit Neonlichtern und einer Mad Maxischen Endzeit. Mit so vielen irrsinnigen, spannenden Zutaten hab ich wohl einfach zu viel erwartet. Ich war akzeptabel unterhalten, aber das war’s dann leider auch.

Pressematerial zur Verfügung gestellt vom SLASH Filmfestival

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