The House That Jack Built – Review

Lars von Trier hat es dieses Jahr wieder mal geschafft und für Aufruhr bei der Premiere seines neusten Films ‚The House That Jack Built‘ in Cannes gesorgt. Viele der Zuseher haben aufgrund der gezeigten, expliziten Gewalt vorzeitig das Kino verlassen, wodurch den Film wieder ein gewisser Ruf vorauseilt. Hier stellt sich allerdings die Frage, was diese Zuseher erwartet haben, da von Trier für seine expliziten und schonungslosen Darstellungen bekannt ist. Auch der Plot lässt bereits Böses vorausahnen: Im Mittelpunkt der Geschichte ist Jack. Er ist Ingenieur, wäre aber lieber Architekt und zu seinen Hobbys zählt er unter anderem Mord. Wir begleiten Jack über 12 Jahre bei seinem Werdegang zum Serienmörder. Dabei erzählt er seine Laufbahn anhand von fünf, laut ihm zufällig ausgewählten, Vorfällen, besser gesagt anhand von fünf Morden. Er erzählt sie einem nicht weiter bekannten Mann, welcher Verge genannt werden will. Verge wird gespielt von Bruno Ganz, welcher durch seine markante Stimme Filmkennern sofort bekannt vorkommt. Das Gespräch findet ohne Bild statt – wir hören nur die Stimmen von Verge und Jack und man kann plätscherndes Wasser vernehmen.

Die Einblendung „1. Vorfall“ leitet in die erste Geschichte über und wir bekommen Jack zum ersten Mal zu Gesicht. Wir befinden uns in den 70ern in Jacks Lieferwagen, welcher durch einen verschneiten Wald fährt. Dargestellt wird er von Matt Dillon. Jack trägt eine Brille, ist frisch rasiert und verkörpert den typischen Jedermann. Am Straßenrand winkt eine Frau um Hilfe, die neben ihrem Fahrzeug mit plattem Reifen steht. Er hält an und öffnet widerwillig das Fenster: Die Frau, gespielt von der wunderbaren Uma Thurman, bittet ihn um Hilfe, da ihr Wagenheber abgebrochen ist. Mit ihrer nervenaufreibenden, persistenten Art, schafft sie es, den sichtlich verärgerten Mann dazu zu bringen, sie zum nächsten Schmied zu bringen, damit ihr Wagenheber repariert werden kann. Dabei macht sie alle möglichen Anspielungen darauf, dass Jack ein Serienmörder sein könnte und treibt ihn immer weiter und weiter zur Weißglut. Wie die Situation endet, soll nicht vorweggenommen werden, was sich als äußerst schwierig erweist, jedoch muss zumindest ein ungefährer Einblick gegeben werden. Der Spoilerlevel soll im weiteren Reviewverlauf auf einem Minimum gehalten werden, da der Film von der Unerwartbarkeit der Handlung lebt. Was aber defintiv verraten werden kann: Es wird gemordet. Zahlreich, explizit, variantenreich. Die Kamera hält dabei jedes Mal voll drauf und dem Zuseher wird absolut nichts verheimlicht. Das Erstaunliche an von Triers neuem Werk ist aber der Humor. Der Film ist bis zu einem gewissen Zeitpunkt sowas von urkomisch und schwarzhumorig, dass man sich kaum im Sessel halten kann. Dabei wird eine Situationskomik angewandt, wie man es zum Beispiel aus ‚7 Psychos‘ kennt, der Regisseur treibt es aber sowas von auf die Spitze und zeigt ungeschönte Brutalität, dass man nicht immer genau weiß, ob man lachen, oder sich ekeln soll. Jack leidet unter anderem an einem Putzzwang, was zu zahlreichen lustigen Situationen führt.

Die Hauptfigur geht äußerst perfide vor und wirkt hochintelligent. Durch ein großes Erbe kann er sich voll und ganz seinem Hobby widmen und empfindet seine Taten als Kunst. Hierfür positioniert er die Leichen nach seinem Wunsch am Tatort und macht dann Fotos von ihnen. Er entwickelt die Fotos selbst, um einerseits unerkannt zu bleiben, andererseits geht es ihm aber hauptsächlich um die Negative. Warum dem so ist, erklärt Jack im weiteren Verlauf des Films. Generell wird den Film über sehr viel mittels Diashows und zusammengeschnittene Clips erklärt, während Jack und Verge sich unterhalten. So erklärt uns Jack unter anderem wie in einem Vortrag, was ihn zum Morden treibt und wie er sich von Mord zu Mord bewegt. Eingestreut werden auch Clips des Pianisten Glenn Gould, welchen Jack verehrt, es kommt aber auch zu kurzen Vorträgen über Architektur oder über das Jagen von Tieren. Lars von Trier hat also wieder Mal ein eigenwilliges, seltsames, aber auch durchaus unterhaltsames Werk geschaffen. Leider dreht sich ab der Hälfte des Films der Ton in eine ernstere Richtung und der Humor weicht mehr und mehr der brutalen Realität. Dies wird aber zu langatmig ausgeführt und irgendwie scheint die Luft ab einem gewissen Punkt rauszusein. Gegen Ende driftet der Film komplett ins Fantastische ab. Leider kommt hier tatsächlich Langeweile auf und der künstlerische Anspruch lässt sich nur mehr schwer festsetzen.

Die Schauspieler, allen voran Matt Dillon, leisten herausragende Arbeit. Dillon geht in der Rolle von Jack vollends auf und man kauft ihm die Wesenszüge und Eigenheiten von Jack zu jeder Sekunde ab. Seine Tollpatschigkeit und Selbstüberschätzung kennt keine Grenzen, dies konnte er aber schon in ‚Verrückt nach Mary‘ unter Beweis stellen. Die Kameraarbeit ist durchwegs gut, bietet aber keinerlei außergewöhnliche Schauwerte. Negativ fällt allerdings die zwischenzeitlich eingesetzte Wackelkamera auf. Teilweise sind die Szenen so verwackelt, dass einem fast schlecht wird. Der Regisseur versucht natürlich wieder sein Publikum zu verstören, darauf sollte man sich also schon im Vorhinein einstellen. Es kommt auch zur Gewalt an Kindern, jedoch ist klar zu erkennen, dass sich die Kinderdarsteller bei den Dreharbeiten der Situation nicht wirklich bewusst waren und uns bleiben verstörte, schreiende Kindergesichter erspart. Der Schlag in die Magengrube des Publikums sitzt aber trotzdem. Bei den Dreharbeiten kam es zu keiner tatsächlichen Gewalt gegen Tiere, was sogar von PETA bestätigt wurde.

Fazit:

Verstörend lustiges Drama über den Auf- und Abstieg eines Mörders, welches allein wegen seiner ersten Hälfte unbedingt gesehen werden sollte. Leider gelingt der Übergang zu den ernsteren Szenen nicht und es macht sich im letzten Drittel eine fast unerträgliche Langeweile breit. Hätte Lars sich dieses Mal etwas zurückgehalten, hätte es eines seiner besten Werke werden können.

Kinostart: 30.11.2018

Der Film wird außerdem im Rahmen der Viennale 2018 am 30.10. im Gartenbaukino und am 03.11. in der Urania in Wien gezeigt.

 

Pressematerial zur Verfügung gestellt von Filmladen.

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