Halloween (2018) – Review

Neun Jahre ist es nun schon her, seit sich Michael Myers zum letzten Mal seinen Weg durch den verschlafenen Vorort von Haddonfield, Illinois gemetztelt hat. Damals noch unter der Führung von Regisseur Rob Zombie. Danny McBride, bekannt vor allem für seine Comedy-Rollen wie z.B. in ‚Ananas Express‘, ist großer Fan der Halloween-Reihe und hat sich mit seinem Freund und Regisseur David Gordon Green zusammengetan, um das angestaubte Franchise wieder zum Leben zu erwecken. Gemeinsam verfassten sie das Drehbuch. Dabei greifen sie auf einen besonderen Kniff zurück: Der Film soll eine Fortsetzung zum ersten ‚Halloween‘ von 1978 sein. Die Geschehnisse aller anderen Filme werden verworfen.

Nachdem Michael im ersten Teil von Dr. Loomis angeschossen wurde, konnte er im Haus der Strodes verhaftet werden und ist seitdem Insasse einer Psychiatrie. Nach fast 40 Jahren bekommt Myers Besuch von zwei investigativen Journalisten, welche ihn für einen Podcast interviewen möchten. Der Film beginnt äußerst vielversprechend. Die Kameraarbeit wirkt hochwertig und durchdacht. Wir sehen Michael im Innenhof der Psychiatrie in Ketten und als ihm einer der beiden Journalisten seine Maske präsentiert, ist das Böse für alle in seiner Umgebung spürbar. Die Insassen beginnen verstört zu schreien und der Wachhund bellt wie verrückt. Natürlich spricht er kein einziges Wort und die Journalisten müssen erfolglos davonziehen, hier erwartet den Zuschauer gleich die erste Überraschung: Wie schon im Erstling hat der Film Opening-Credits, mit exakt der selben Schrift wie damals und einem ähnlichen Aufbau. Als nächstes versuchen die Journalisten ihr Glück bei Laurie Strode. Seit den Ereignissen im ersten Teil leidet sie unter posttraumatischem Stress und verbarrikadiert sich in ihrem Haus im Wald von Haddonfield. Laurie besitzt ein großes Waffenarsenal und bereitet sich auf die Rückkehr vom ‚Bogeyman‘ vor. Auch Ihre Tochter hat sie vorbereitet und trainiert. Aus diesem Grund wurde ihr das Sorgerecht der damals 12-jährigen Karen entzogen. Karen, gespielt von Judy Greer, ist nun selbst erwachsen und hat Familie. Gemeinsam mit ihrem Mann und Ihrer in etwa 16-jährigen Tochter lebt sie in Haddonfield. Myers soll, zufällig einen Tag vor dem 40. Jahrestag, am 30. Oktober 2018 in ein Hochsicherheitsgefängnis überstellt werden. Natürlich schafft er es zu entkommen und der Albtraum beginnt von neuem.

Leider gibt es den Film über sehr viele solcher Zufälle und die Geschichte wirkt, trotz der hochwertigen Inszenierung, äußerst konstruiert. Natürlich befindet sich Michael z.B. zufällig genau an der Tankstelle, an welcher sich gerade auch die Journalisten aufhalten, welche seine Maske mitsichführen. Greens Machwerk ist leider gespickt mit derartigen Momenten, seien es Zufälle oder äußerst dumme Entscheidungen der handelnden Personen. Um ein weiteres Beispiel anzuführen: Michael bricht aus dem Transport aus, nachdem dieser einen Unfall hatte. Wie dieser verursacht wurde, sehen wir nicht. Wir begleiten einen Vater gemeinsam mit seinem Sohn in seinem Wagen. Sie erreichen die Unfallstelle und halten an. Die Straße ist gefüllt mit Insassen (alle in Ihren Overalls) und die erste Handlung des Mannes ist es, aus dem Auto auszusteigen und nach Verletzten zu sehen, obwohl klar zu sehen ist, dass sich so gut wie alle Insassen unverletzt auf der Straße befinden. Was als nächstes passiert, liegt auf der Hand. Zu einem anderen Zeitpunkt läuft eine der Hauptpersonen vor Angst in einen Wald, wo sie bestimmt niemand schreien hört, anstatt zum schützenden Haus, obwohl ihr die Umgebung bekannt sein sollte. Im letzten Drittel kommt es dann noch zum dümmsten, konstruiertesten und unnötigsten Twist, den man seit langem auf der Kinoleinwand begutachten durfte. Wie die Filmemacher damit an den Studioverantwortlichen und vor allem an John Carpenter, welcher als Creative Consultant mitgeholfen hat, vorbeigekommen sind, ist absolut rätselhaft. Der Twist dient nur als Vehikel um Myers zum nächsten wichtigen Handlungsort zu bringen und innerhalb von wenigen Minuten wird dieser auch wieder verworfen, haarsträubend!

Es mag auch fast zu keinem Zeitpunkt Spannung aufkommen, Green schafft es einfach nicht, eine spannende, gruselige Atmosphäre aufzubauen, wie damals John Carpenter, hier wird viel zu direkt vorgegangen. Der Film ist aber kein kompletter Reinfall. Der Soundtrack ist phänomenal. John Carpenter selbst hat diesen gemeinsam mit seinem Enkelsohn Cody Carpenter und Musiker Daniel Davies komponiert. Immer wieder hören wir das bekannte ‚Halloween‘-Theme in leicht abgewandelter Form und in den verschiedensten Varianten perfekt auf die Szenen abgestimmt. Jamie Lee Curtis kehrt als Laurie Strode zurück und liefert eine Glanzleistung ab. Perfekt schafft sie es, die verschiedenen Nuancen Lauries zu präsentieren. Sie wirkt gebrochen, aber auch gleichzeitig stark und mutig. Nur rückt leider gerade in der Mitte des Films der Fokus immer weiter weg von ihrem Charakter. Der aus dem Trailer bekannte One-Shot, welcher Michael durch die Nachbarschaft von Haddonfield folgt, ist sagenhaft inszeniert und einzigartig im Slasher-Genre. Die Splattereffekte sind weitestgehend handgemacht und wissen zu schockieren. Leider bekommen wir viel zu oft nur die bereits getöteten Opfer zu Gesicht, ohne Michael hier wirklich in Aktion zu erleben. Der Film ist gefüllt mit Verweisen und Easter Eggs auf den ersten Teil, ohne dabei den Filmfluss zu stören. Der kurze Song, den Laurie im Original von 1978 beim Spazieren durch die Nachbarschaft trällert und damals aufgrund fehlender Songrechte von Carpenter aus dem Stand erfunden werden musste, wurde für den Film extra von einer Band aufgenommen, nur um ihn dann kurz über ein Radio im Film abzuspielen. Green spielt auch sehr viel mit der Polarität der Täter-Opfer-Rolle. Immer wieder wechselt die Rolle des Jägers und des Gejagten zwischen Laurie und Michael hin und her. Es werden sogar einzelne Szenen aus dem Original nachgestellt, nur um diese dann anders aufzulösen. Hierfür haben die Macher ein sehr großes Lob verdient!

Fazit:

Enttäuschender Nachfolger zum 1978er ‚Halloween‘ von John Carpenter, welcher viel zu oft die Fehler der verworfenen Sequels wiederholt. Der erstklassige Soundtrack und das hohe Production Value können das Ruder leider auch nicht mehr rumreißen. Es mag kaum Spannung aufkommen und die Handlungsstränge wirken teilweise haarsträubend konstruiert. ‚Halloween‘-Fans werden sich aber über die zahlreichen Reminiszenzen an das Original freuen.

Kinostart: 25.11.2018

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Addendum:

Wiedereinmal hatte ich im diesmal sogar fast leeren Kinosaal das Pech, mit respektlosen Idioten im Kino zu sitzen. Von acht anwesenden Personen konnten vier während dem Film einfach nicht ruhig sein und mussten den Film lautstark kommentieren bzw. fingen gar an, sich über andere Themen zu unterhalten. Zwei Mal musste ich die Personen schreiend darum bitten, ruhig zu sein, da sie mich vom Film ablenkten und mir das Kinoerlebnis zerstörten. Erst unter Androhung des Rausschmisses konnte ich diese Menschen zum Schweigen bringen, was meine Kompetenzen als Kinobesucher bei weitem überschreitet. Daher möchte ich euch alle dazu auffordern, dagegen strikt vorzugehen, da ich es inzwischen bei fast jedem Kinogang miterleben muss. Fordert diese Personen genau einmal auf, ruhig zu sein und wenn sie es dann immer noch nicht seinlassen können, geht zum Kinopersonal und lasst diese Personen entfernen! Lasst euch euer Kinoerlebnis nicht zerstören!

 

Pressematerial ist Eigentum von Universal Pictures – Bildquelle: www.film.tv

2 Kommentare zu „Halloween (2018) – Review

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    1. Absolut verständlich. Eigentlich müssten die Kinobetreiber dafür Sorge tragen. Früher war es auch durchaus üblich, dass ein Mitarbeiter während der Vorstellung im Saal sitzt und aufpasst. Beim /slash-Filmfestival wurde versucht, durch eine witzige Texreinblendung vor jedem Film darauf aufmerksam zu machen, hat aber natürlich auch nichts genützt. Ich bin da leider absolut ratlos und kann nur an die Eigeninitiative eines jeden Kinobesuchers appellieren.

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