First Man (Aufbruch zum Mond) – Review

Damien Chazelle bringt nach seinem Award-prämierten Welterfolg ‚La la Land‘ seinen nächsten Oscar-Anwärter auf die hiesigen Leinwände. Diesmal erzählt er uns die Geschichte von Neil Armstrong, dem ersten Menschen auf dem Mond. Dabei legt er den Fokus weniger auf die Apollo 11 – Mission, sondern mehr auf die Ereignisse, die dazu führten. Wir begleiten Neil Armstrong, dargestellt von Ryan Gosling, über viele Jahre hinweg bis hin zu seinem Flug zum Mond.

Gosling überzeugt in voller Länge. Armstrong war ein eher ruhiger, in sich gekehrter Zeitgenosse. Also hat Gosling die Aufgabe, eine Performance aus dem eher ausdruckslosem Charakter herauszuholen, was er mit Bravour meistert. Durch kleine Nuancen schafft er es immer wieder, dem Charakter Tiefe zu verleihen. Dabei offenbart sich Neil Armstrong als intelligenter, verkopfter Denker mit ganz viel Herz und Ehrgeiz. Claire Foy, bekannt durch ihre Rolle als Elisabeth II. in den ersten beiden Staffeln von ‚The Crown‘, verkörpert Armstrongs Ehefrau Janet. Ihr sieht man die Last, die sie zu tragen hat, jede Sekunde an. Sie muss über das gezeigte Jahrzehnt hinweg einen schweren Schicksalsschlag verarbeiten, auf ihre zwei Kinder aufpassen und ist ständig in Sorge um ihren Mann. Sie spielt hier so gut, dass man glatt vergisst, dass es sich nur um einem Film handelt, so echt sind ihre Emotionen. Eine herrliche Gegendarstellung zum allzu bekannten, romantisierten Raumfahrt-Abenteuer ala ‚Apollo 13‘ oder gar ‚Armageddon‘. Foy wird definitiv ins Oscar-Rennen als beste Nebendarstellerin gehen.

In kleineren Rollen erleben wir unter anderem Corey Stoll als Buzz Aldrin, Jason Clarke als Edward Higgins White und Lukas Haas als Mike Collins. Der gesamte Cast fügt sich homogen in die Geschichte ein und verstärkt die Authentizität des Machwerks. Absolutes Highlight sind aber die Raumfahrt-Sequenzen. Wenn wir Armstrong unter anderem bei seinem ersten X-15 Flug an den Rand der Atmosphäre begleiten, fühlen wir uns, als würden wir selbst im Cockpit Platz nehmen. Alles scheppert und wackelt, als würden einem die Triebwerke des Flugzeugs gleich um die Ohren fliegen. Dabei verzichtet Chazelle nahezu komplett auf die Außenperspektive, da wir diese sowieso schon zuhauf gesehen haben. Ihm liegt es daran, all das zu zeigen, was wir noch nicht kennen. Dies hat sogar eine absolut unnötige Kontroverse ausgelöst, da der Regisseur eine der ikonischsten Szenen in der Raumfahrt-Geschichte bewusst nicht zeigt. Allgemein wird komplett auf typische amerikanische Pathos verzichtet. Wir sehen keine jubelnde Menschenmenge, es werden keine Flaggen geschwenkt und es wird auch nicht salutiert. Wenn Armstrong mit seiner Crew in die Rakete steigt, sehen wir nur das, was auch die Raumfahrer gesehen haben. Nur mit der Wackelkamera meint es der Regisseur manchmal zu gut. Die Szenen in den Cockpits wurden nämlich hauptsächlich per Handkamera gedreht. Nach der Anfangssequenz wackelt die Kamere verwirrender Weise weiter, obwohl wir uns bereits am Boden befinden.

Leider stimmt das Pacing für einen kurzen Zeitraum zu Beginn des letzten Drittels nicht mehr ganz, was daran liegen mag, dass die Wucht der Inszenierung etwas geringer ausfällt und das Gezeigte etwas repetitiv wirkt. Hier hätte vermutlich mehr am Gesamtaufbau des Films gearbeitet werden müssen, um besser zum großen Finale einzuleiten. Das große Finale, welches Großteils mit einer IMAX-Kamera gefilmt wurde, macht dies aber ganz schnell wieder wett. Der geniale Soundtrack, komponiert von Justin Hurwitz, welcher als Komponist für alle Regiearbeiten Chazelles verantwortlich ist, bildet hierzu noch das Sahnehäubchen. Für solche Momente geht man ins Kino!

Fazit:

Herausragendes Drama über das wohl wichtigste Jahrzehnt im Leben des Neil Armstrong, welches komplett ohne Pathetik und übertriebener Romantik auskommt. Der Fokus liegt klar auf den toll gespielten Charakteren, bietet aber umso imposantere Raumfahrt-Szenen. Es darf kein Action- oder Spannunskracher erwartet werden, die Wucht der Inszenierung drückt einen aber mit voller Kraft in den Kinosessel. Zu den wenigen Mankos zählt die teils übertriebene Wackelkamera und die etwas zähe Einleitung zum letzten Drittel. Wenn möglich unbedingt auf der IMAX-Leinwand genießen, dann wird man vom großen Finale völlig weggeblasen. Mit dem fulminanten Soundtrack und den hochklassigen Soundeffekten ist Gänsehaut garantiert!

Kinostart: 08.11.2018

Der Film wird außerdem im Rahmen der diesjährigen Viennale am 02. und 03.11. im Gartenbaukino gezeigt

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Pressematerial ist Eigentum von Universal Pictures Österreich – Bildquelle: www.cineman.ch

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