Widows (Tödliche Witwen) – Review

Als der Raubüberfall von 4 Männern schiefgeht und die komplette Crew um Harry Rawlings stirbt, lässt dies die Familien der Räuber in einem Scherbenhaufen zurück. Rawlings Frau Veronica, gespielt von Viola Davis, wird kurz darauf von Gangsterboss und Politiker Jamal Manning in ihrem luxuriösen Appartment bedroht, da Harry 2 Millionen Dollar von ihm gestohlen hat und diese bei der Explosion des Fluchtvans in Flammen aufgingen. Nun liegt es an Veronica, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen und dabei greift sie zu drastischen Maßnahmen: Sie will den nächsten, bereits vollständig durchgeplanten Raubüberfall ihres Mannes durchziehen. Hierzu kontaktiert sie die Witwen der anderen Diebe und so beginnt ein Kampf gegen die Zeit.

Dabei werden wir direkt ohne Umschweife in das Geschehen geworfen: Wir sehen die 4 Männer bei ihrer brachialen Flucht vor dem Gesetz und den Bestohlenen. Es knallt, es kracht, Funken und Autoteile fliegen durch die Luft und schließlich kommt es zum tödlichen Unfall. Selten wurde man so direkt und wuchtig in einen Film geworfen. Sofort erkennt man den dreckigen und realistischen Stil, in welchem uns Regisseur Steve McQueen in seinen Bann ziehen will. Gemixt mit liebevollen, ruhigen Szenen zwischen Veronica und Harry, vermittelt man uns innerhalb kürzester Zeit die Situation. Danach wird zwar etwas vom Gaspedal abgelassen, die Spannung lässt aber zu keinem Zeitpunkt nach, was vor allem an der unglaublich starken Besetzung liegt. Da hier wirklich jede Rolle perfekt besetzt wurde und alle Schauspieler in ihren Rollen aufgehen, wird man komplett in den Film hineingezogen. ‚Widows‘ geht dabei aber nicht die bekannten Heist-Movie-Pfade, wie man sie nur zu gut aus der Oceans-Reihe kennt, sondern man schlägt eine ernsthafte, düstere Richtung ein und orientiert sich mehr an Werken wie ‚Heat‘.

Im Fokus stehen die Witwen und ihre Vorbereitungen auf den Überfall. Dabei entfesselt Regisseur Steve McQueen einen Mix aus Charakterdrama und Crime-Thriller, der seinesgleichen sucht. Das Drehbuch wurde von Steve McQueen in Zusammenarbeit mit Gillian Flynn verfasst, welche schon das Drehbuch zu David Finchers ‚Gone Girl‘ verfasste und sich auch für die Romanvorlage verantwortlich zeichnet. Jeder Dialog sitzt und treibt die Handlung voran. Hinzu kommt noch die hervorragende Kameraarbeit von Sean Bobbitt, welcher bisher bei allen Langfilmen von Steve McQueen für die Kamera verantwortlich war. Er schafft es jeder Szene noch tiefere Bedeutung hinzuzufügen. Wir begleiten zum Beispiel das Auto des Politikers Jack Mulligan, ebenfalls hervorragend gespielt von Colin Farrell, bei der Fahrt von einem Bezirk Chicagos in den nächsten. Dabei sitzt die Kamera auf der Motorhaube und dreht sich kontinuierlich, während der schmierige Politiker eine Unterhaltung mit seiner Assistentin führt und zeigt, welche rassistischen, frauenverachtenden Züge in ihm stecken. Wir sehen aber immer nur die Außenansicht des Autos, welche uns die Straßen Chicagos und deren Bewohner näherbringt. Eine Versinnbildlichung der Scheinheiligkeit aller Politiker. Es wirkt fast so, also wäre die komplette Fahrt von vorne bis hinten durchchoreografiert.

Viola Davis wird für ihre Darstellung von Veronika mit ziemlicher Sicherheit eine Oscar-Nominierung als beste Hauptdarstellerin bekommen. Ihr Schauspiel ist atemberaubend, sowohl in den ruhigen, einsamen Momenten und auch wenn es mal hart auf hart kommt. Jede Sekunde ihres Schauspiels ist ehrlich und nie übertrieben oder überzeichnet. Am meisten sticht jedoch Daniel Kaluuya hervor. Er spielt den Bruder von Jamal und lässt dabei so richtig den Badass raushängen. Er verkörpert den puren Egoismus, der in unserer Welt vorherrscht und geht dabei nicht nur über Leichen, sondern bricht dabei noch auf brutalste Art und Weise jegliche Tabus. Dies tut er aber auf so eine perfide Art und Weise, dass einem teilweise der Atem stockt, ohne auch nur irgendwie die Sympathie des Zusehers zu ernten. Er ist einfach nur bösartig ohne jegliche Chance auf Erlösung. Auch der restliche Cast muss hervorgehoben werden. Michelle Rodriguez schafft es endlich aus ihrer bekannten Schublade der knallharten, fast männlich anmutenden Frau ausbrechen kann. Hierfür hat sie laut ihren Aussagen sogar nach Jahren wieder Mal Schauspielunterricht genommen. Elisabeth Debicki, Liam Neeson, Robert Duvall, Cynthia Erivo und Jon Bernthal, alle brillieren.

Fazit:

Hervorragendes Crime-Thriller Meisterwerk, welches vor Filmkunst und Perfektion nur so strotzt. Der Film ist in seinen Action-Sequenzen nervenaufreibend, echt und intensiv, in seinen ruhigen Moment aber zu jederzeit unterhaltsam und interessant gestaltet. Manchmal nimmt sich Regisseur Steve McQueen etwas zu viel Zeit für einzelne Subplots, dies fällt aber insgesamt kaum ins Gewicht, Langeweile mag nämlich zu keinem Zeitpunkt aufkommen. Erstklassige Besetzung, erstklassige Kameraarbeit, erstklassige Story, erstklassiger Regisseur, einfach ein durch und durch erstklassiger Film.

Kinostart: 06.12.2018

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Pressematerial zur Verfügung gestellt von 20th Century Fox Österreich

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