Unknown User: Dark Web – Review

Nach zahlreichen Drehbucharbeiten, unter anderem für die beiden ‚The Grudge‘-Remakes und ‚Texas Chainsaw 3D‘, gibt Stephen Susco sein Regiedebüt mit der unabhängigen Fortsetzung zu ‚Unknown User‘. Diesmal verzichtet man vollständig auf Übernatürliches und man versucht die Zuschauer mit dem Dark Web zu verstören. Beim Dark Web handelt es sich um nicht indexierte Internetseiten, über welche man unter anderem Waffen, Drogen und Auftragskiller ordern kann. Diese Seiten sind also nicht einfach über Google oder ähnliche Suchmaschinen zu finden, sondern man muss die genaue Adresse oder IP-Adresse der Website kennen, um auf diese zuzugreifen. Dem Regisseur offenbart sich also eine Vielzahl an Möglichkeiten, um die Kinobesucher zu schocken. Der komplette Film spielt sich, wie bereits beim Erstling, auf dem Desktop des Computers der Hauptperson ab. Wir sehen den Loginscreen des Macbooks, welcher direkt Fragen aufwirft. Das Benutzerprofil trägt den Namen ‚?‘ und der zu dem Zeitpunkt noch unbekannt Nutzer, versucht das Passwort des Laptops zu knacken. Nachdem ihm das gelingt, sehen wir zum ersten Mal unsere Hauptperson. Es handelt sich um Matias O’Brien, einen jungen App-Entwickler, vermutlich in seinen 20ern.

Der Einstieg gestaltet sich durchaus interessant, da wir alle Handlungen des Protagonisten direkt am Display verfolgen. Er loggt sich bei den verschiedensten Plattformen ein, unter anderem bei Spotify, Google Drive und auf Facebook. Dabei stößt er immer wieder auf die voreingeloggten Online-Konten eines gewissen ‚Norah C. IV‘.  Nebenbei beginnt er, ebenfalls wie im indirekten Vorgänger, ein Skype-Gespräch mit seinen Freunden Damon, AJ, Lexx, Serena und Nari. Die Gruppe hat einen Spieleabend geplant und er erzählt ihnen, dass er den Laptop bei Craigslist gebraucht gekauft hat, was sich aber schnell als Lüge herausstellt. Er hat den Laptop nämlich aus der Fundgrube des Coffeeshops, in dem er arbeitet, geklaut. Innerhalb weniger Minuten wird er vom Besitzer des Diebesguts kontaktiert und dieser macht Matias und seinen Freunden das Leben zur Hölle. Da sich alles am Bildschirm des Protagonisten und über die Webcams der Clique abspielt, erwartet den Zuschauer eine durchaus etwas andere Art von Film. Wer den Vorgänger oder den großartigen, kürzlich erschienen ‚Searching‘ gesehen hat, wird vom Bildschirm-Capture-Film aber nicht mehr völlig überrascht sein. Der Regisseur und Drebuchautor ist jedoch durchwegs bemüht, neue, kreative Ideen einfließen zu lassen, welche man so noch nicht gesehen hat. Er nutzt zum Beispiel die Entwicklung, dass heutzutage nahezu alle neuen Multimediageräte in den Haushalten mit dem Internet verbunden sind und somit rein theoretisch fremdgesteuert werden können. Dies gelingt ihm aber nur bedingt, da die Technikverweise meist sehr für das Drehbuch zurechtgebogen wirken.

Allgemein wirken alle Geschehnisse zum Teil arg konstruiert und die Figuren verhalten sich, wie im Horrorgenre leider meist üblich, sehr dumm und treffen Entscheidungen, bei denen man sich teilweise an den Kopf greift. Auch bleibt die Charakterzeichnung sehr flach und es wird hauptsächlich auf Stereotypen zurückgegriffen. Es mag dadurch keinerlei emotionale Bindung zu den Charakteren entstehen. Im Mittelpunkt steht außerdem die Beziehung zwischen Matias und der taubstummen Amaya, was sich erneut als clevere Drehbuchentscheidung erweist, welche aber leider wieder viel zu wenig und zu plump genutzt wird. Auch von Jumpscares bleibt der Zuseher nicht verschont, welche sowas von unverschämt um die Ecke kommen, dass man es fast schon persönlich nehmen könnte. Man wird zum Beispiel durch einen äußerst lauten Schlag auf einen Schreibtisch erschreckt, der von einer der Figuren außerhalb des Zuseherfokuses ausgeführt wird. Obwohl der Film größtenteils ohne atmosphärische, musikalische Untermalung auskommt, kommt immer wieder das, von der ‚Paranormal Activity‘-Reihe bekannte, bedrohliche Dröhnen zum Einsatz, um das Publikum auf bevorstehende Jumpscares oder aufregende Ereignisse vorzubereiten. Dies bricht natürlich mit der Immersion und kostet an Spannung, da man sich als Zuseher nicht ernstgenommen fühlt.

Die Lage spitzt sich zum Ende hin überwiegend zu und es bleibt nicht viel Zeit, das Gesehene sacken zu lassen. Die ohnehin schon gehetzten Dialoge und Bildschirmgeschehnisse werden zunehmends schwerer nachzuvollziehbar und es bleibt im Grund nicht viel vom Film hängen, auch wenn sich unter der Fassade eine durchaus beängstigende Botschaft an das Publikum versteckt. Der Film ist schon vor einiger Zeit in den USA in den Kinos angelaufen und da hat sich der Regisseur etwas ganz besonderes einfallen lassen: Er hat für den Film gleich drei verschiedene Enden gedreht. Zwei davon können im Kino gesehen werden, das dritte Ende findet sich im Bonusmaterial der demnächst folgenden BluRay Veröffentlichung. Welches der beiden Enden man im US-Kino sehen konnte, blieb dem Zufall überlassen. Ob dies beim österreichischen und deutschen Kinostart genauso gehandhabt wird, ist aber leider nicht bekannt.

Fazit:

Maximal mittelmäßiger, reißerischer Popcorn-Schocker mit klaffenden Logiklücken und blass bleibenden Protagonisten. Da sich die Handlung mehr und mehr zur adrenalingetriebenen Achterbahnfahrt entwickelt, kann der Film durchaus mitreißen, beim Verlassen des Kinos bleibt aber ein fader Nachgeschmack. Der Regisseur verbirgt in seinem Werk eine beängstigende Botschaft, welche aufgrund der teilweise haarsträubend konstruierten Ereignisse und Handlungen der Darsteller nicht wirklich zum Zuseher durchdringen will.

Kinostart: 06.12.2018

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Pressematerial zur Verfügung gestellt von Universal Pictures Österreich

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