Bumblebee – Review

Nach nur 1 1/2 Jahren Wartezeit kommt der nächste Ableger der ‚Transformers‘-Reihe ins Kino, diesmal will man mit einem Prequel-Spinoff frischen Wind ins angestaubte Franchise bringen. Michael Bay verlässt erstmalig den Regiestuhl und überlässt seinen Platz Travis Knight, welcher zuvor sein Regiedebüt mit dem herausragenden ‚Kubo – Der tapfere Samurai‘ gegeben hat. Wer dieses Stopmotion-Meistwerk bisher nicht gesehen hat, sollte dies schnellstmöglich nachholen und sich nach dem Film auch unbedingt das Making-Of ansehen. Bay selbst ist bei ‚Bumblebee‘ nur mehr als Produzent tätig. Die Geschichte spielt in den späten 80er-Jahren. Wir sehen die Autobots auf der Flucht von ihrem Heimatplaneten Cybertron. Die bösen Decepticons haben die Macht übernommen und nun bleibt Optimus Prime und seinen Freunden nur mehr der Rückzug. In eine Falle gedrängt schickt Optimus Prime den damals noch sprechenden Bumblebee zur Erde, um den Planeten zu erkunden und dort eine Basis aufzubauen.

Nach der kurzen Action-Einlage zu Beginn schlägt der Film ruhigere Töne an, in den Mittelpunkt des Geschehens rutscht die kurz vor Ihrem 18. Geburtstag stehende Charlie. Sie ist immer noch traumatisiert vom Tod ihres Vaters und lebt gemeinsam mit Ihrer Mutter und Ihrem kleinen Bruder im Haus des Stiefvaters. Charlie wünscht sich unbedingt ein eigenes Auto, um Beachtung von den coolen Kids der Stadt zu erlangen. Außerdem arbeitet sie nebenbei als Corn Dog Verkäuferin am Pier und hat ein unglaubliches Talent als Mechanikerin, in ihrer Freizeit bastelt sie nämlich am Schrottplatz an Autos herum. An Ihrem Geburtstag entdeckt sie dort einen alten, heruntergekommenen VW Käfer, welchen sie prompt von ihrem Onkel geschenkt bekommt. Dahinter verbirgt sich natürlich Bumblebee und schnell schließen die beiden einander ins Herz. Dabei versprüht der Film den perfekten 80er-Charme. Die Sets sind passend gestaltet, die Musik geht zu jederzeit ins Ohr und sogar die Art zu sprechen wurde an die 80er angepasst. Auch von der Machart, vom Pacing und vom kompletten Aufbau her wird mit der Nostalgie des Publikums gespielt. Man fühlt sich an Filmklassiker wie ‚Die Goonies‘ oder ‚E.T. – der Außerirdische‘ zurückerinnert und das kommt nicht von ungefähr, Steven Spielberg selbst ist nämlich bereits seit dem ersten ‚Transformers‘ als ausführender Produzent an den Filmen beteiligt und hat bei diesem Ableger, laut einem Interview mit dem Regisseur, sogar die Grundidee beigesteuert. Außerdem hat der Regisseur sich ‚E.T. – der Außerirdische‘ als Vorbild genommen.

Der Film selbst nimmt sich zu keiner Sekunde zu ernst. Stets ist klar, dass es sich hierbei um ein Familienabenteuer mit viel Herz und Humor handelt. Die Zeiten des Action-Schnittgewitters, welches speziell in den letzten Ablegern der ‚Transformers‘-Reihe immer heftiger kritisiert wurde, scheinen vorbeizusein. Action ist zwar durchaus vorhanden, diese ist aber visuell immer nachvollziehbar. Mit Explosionen wird fast schon gespart, die sympathischen Charaktere und ihre Geschichten stehen im Vordergrund und alles wirkt eher klein gehalten. Es kommt auch nicht mehr zur Reizüberflutung, weil mehr als ein Dutzend verschiedene Transformers miteinander kämpfen und aktiv an der Geschichte teilnehmen, im ganzen Film sind nämlich nur drei Transformers als Hauptprotagonisten bzw. Hauptantagonisten vorhanden, alle weiteren treten nur kurz als Nebenfiguren auf. Der Regisseur bewegt sich sehr oft auf dem schmalen Grat zwischen Kitsch und Charme, meistert diese Gratwanderung den kompletten Film über. Die Gags sind gut portioniert eingestreut und wenn es mal zu einem eher peinlich anmutenden Moment kommt, kaschiert der Regisseur diese immer mit einem gewissen liebevollen und teilweise sehr erwachsenem Augenzwinkern.

Für die Rolle des menschlichen Hauptantagonisten fiel die Wahl auf John Cena, er spielt den US-Soldaten und späteres Sector-7-Geheimdienstmitglied Jack Burns, welcher sich auf einen persönlichen Rachefeldzug gegen Bumblebee befindet. Auch er bekommt eine passende, wenn auch seichte Hintergrundgeschichte geliefert und seine Figur bleibt den Film über eher blass. Seine Auftritte hinterlassen aber nie einen negativen Nachgeschmack, teilweise wertet er den Humor sogar auf. Es gibt in den knapp 2 Stunden Laufzeit die ein oder andere Länge, in diesen Momenten mag der Humor nicht ganz zünden oder es wird zu sehr vom Hauptplot abgewichen, es gibt zum Beispiel eine Szene, in welcher Charlie sich endlich vor den beliebten Kids beweisen könnte. Diese wirkt aber seltsam deplatziert und dient im Endeffekt nur als kurzfristiges Handlungsvehikel für die darauffolgende Szene. Bei den Nebencharakteren werden hauptsächlich Stereotypen verwendet und die Geschichte bleibt simpel gestaltet. Alles in allem ist ‚Bumblebee‘ trotzdem ein gelungener Familienfilm, welcher durch seine Charaktere und die gelebte 80er-Notalgie überzeugen kann.

Fazit:

Mit viel Liebe gemachter Abenteuerfilm, welcher den bekannten ‚Transformers‘-Actionwahnsinn hinter sich lässt und durch die Nähe zu seinen Charakteren und eine unglaublich sympathische Hauptdarstellerin endlich etwas Abwechslung bietet. Die Story bleibt seicht und verwendet allzu bekannte Schemata, wirkt dabei aber keinesfalls von der Stange. Regisseur Travis Knight schafft es nach ‚Kubo – der tapfere Samurai‘ erneut, einen Film zusammenzustellen, welcher sowohl das ältere Publikum und auch die ganz jungen Kinogänger überzeugen wird. Der 80er-Charme sitzt und so findet sich hier zwar kein Meisterwerk, aber ein sehr unterhaltsamer, kurzweiliger Popcorn-Blockbuster für die ganze Familie.

Wenn möglich kann auf den 3D-Aufpreis verzichtet werden, da die 3D-Effekte kaum zum Tragen kommen.

Kinostart: 20.12.2018

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Pressematerial zur Verfügung gestellt von Constantin Film.

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