Dumbo – Review

Tim Burton wurde 2015 für die Realverfilmung von Disney’s ‚Dumbo‘ verpflichtet. Der Meister der morbiden, aber herzlichen Unterhaltung soll also dem Klassiker aus dem Jahre 1941 neues Leben einhauchen. Die Wahl ist etwas verwunderlich, da bei Disney’s letzter Realverfilmung ‚The Jungle Book‘ der nicht kindgerechte Realismus am häufigsten kritisiert wurde. Trotzdem ein sehr mutiger Schachzug, da Burtons bunter Gothic-Stil perfekt mit dem Stoff harmoniert. Der Zirkusbesitzer Max Medici muss seine nicht allzu gut laufende Manege wieder in Schwung bringen. Die Einnahmen werden weniger und er fühlt sich gezwungen, immer mehr von seinen Attraktionen zu verkaufen. Als Kriegsveteran Holt Ferrier, gespielt von Colin Farrell, mit einer schweren Kriegsverletzung zu Medicis Zirkus zurückkehrt, stellt er fest, dass sich alles verändert hat. Seine Frau ist der Grippe zum Opfer gefallen und nun muss er sich alleine um seine zwei Kinder Joe und Milly kümmern. Also beauftragt ihn der Zirkusdirektor mit dem Training seiner neuen, geplanten Hauptattraktion: eines süßen Babyelefanten, welcher in Kürze zur Welt kommen soll. Nach nur wenigen Tagen entdecken Holts Kinder das kleine Rüsseltier mit den strahlend blauen Augen im Käfig seiner Mutter Mrs. Jumbo. Entsetzt muss Medici feststellen, dass das Neugeborene riesige, seiner Meinung nach unnatürliche Ohren hat. So zerplatzt sein Traum vom süßen Publikumsmagneten. Schnell entdecken die beiden blitzgescheiten Kinder aber Dumbos wahres Talent, er kann nämlich mit seinen gigantischen Schlappohren fliegen. Dies kommt aber zu spät, der Zirkusdirektor hat Dumbos Mutter nämlich bereits an ihren Händler zurückverkauft. Um genug Geld für den Rückkauf seiner Mutter zu verdienen, muss der kleine, herzallerliebste Abenteurer seine Ängste überwinden und auf sich allein gestellt zurechtkommen.

Der Regisseur dürfte mit seiner Interpretation einer der größten Zeichentrickklassiker überhaupt sehr viele überraschen. Er hält sich mit seiner morbiden Art nämlich zum einen massiv zurück und verleiht dem Stoff gleichzeitig seinen ganz eigenen Anstrich. Die Bildgestaltung, Setdesigns und Kamerafahrten sind atemberaubend. Burtons knallbunter Industrialstil macht den Film zu einer bildgewaltigen Reise. Er versetzt die Geschichte in die Zwischenkriegszeit und kann somit ganz neue Akzente und Handlungsanpassungen vornehmen. Ebenso gelungen ist das Design des kleinen Dumbos, bewusst scheint man bei ihm den Fokus nicht auf realistische Effekte zu setzen, vielmehr soll immer klar erkenntlich sein, dass wir uns in einer magischen Welt befinden, in welcher so gut wie alles möglich ist, ohne dabei aber jemals in zu fantastische Gefilde abzuweichen. Bunt, pompös und zur Realitätsflucht einladend soll das Kinoerlebnis sein und dies gelingt dem Regisseur über große Strecken perfekt. Überraschenderweise gibt er sich den ganzen Film über völlig handzahm. Er verzichtet komplett auf morbide oder gar bizarre Vorkommnisse und liefert einen absolut familientauglichen Film ab, welcher zu keiner Sekunde versucht, die eigene Vorlage zu kopieren. Da die Tiere hier nicht sprechen können, müssen hauptsächlich Holts Kinder als Dumbos emotionale Stütze und treue Begleiter agieren, wo wir gleich zur größten Entdeckung des Machwerks kommen. Die gerade mal 14-jährige Nico Parker spielt wie ein Profi und ist dabei ihrer Mutter Thandie Newton, speziell wenn sie schmunzelt, wie aus dem Gesicht geschnitten. Ihr Schauspiel ist zwar noch nicht Oscar reif, sie versprüht aber derart viel Charme, Hoffnung und Herzlichkeit, dass sie große Teile des Films fast alleine trägt. Unterstützt wird sie dabei von der bezaubernden Eva Green, von Danny DeVito in der Rolle des gierigen, aber liebenswürdigen Zirkusdirektors und Finley Hobbins als ihren Bruder Joe. Antagonist ist Michael Keaton als skrupelloser, machtgieriger Unternehmer V. A. Vandevere. Alle nehmen ihren Charakter ernst und übertreiben es auch nie mit dem Overacting.

Der bekannte Disney-Charme schwingt in nahezu jeder Szene mit und pacingtechnisch bewegt man sich auf gewohnt hohem Niveau. Nur im letzten Drittel vor dem großen Finale ist der Durchhänger ein klein wenig zu groß, da hätte die ein oder andere Szene eingespart werden können. Vergeblich sucht man in Burtons Neuinterpretation jegliche Tiefe. Außer einigen bekannten Hollywoodweisheiten hat ‚Dumbo‘ nicht viel zu bieten. Da hätte der Macher ruhig etwas mutiger sein können, es wirkt aber nie so, als wären Burton die Handschellen vom Studio angelegt worden. Vielmehr hat er sich offensichtlich bewusst dazu entschieden, einen Familienfilm zu erschaffen, welcher auch beim ganz kleinen Publikum funktioniert, ohne es dabei zu verstören. So greift Burton die berühmt berüchtigte Szene mit den rosa Elefanten zwar auf, baut sie aber nur stark entschärft und abgeändert in seine Version des Stoffes ein. Eingefleischte Burton-Fans werden vermutlich aufgrund der fehlenden Vielschichtigkeit des Films und der eher zurückhaltenden Inszenierung enttäuscht sein. Fans des Originals können jedoch ohne Bedenken mit ihren Kleinen ins Kino gehen und werden sich aufgrund der komplett neuen Herangehensweise kaum langweilen, auch wenn weiterhin klar das Original bevorzugt werden sollte.

Fazit:

Mit ‚Dumbo‘ bekommen wir den wohl zahmsten Film von Tim Burton geliefert. Visuell und inszenatorisch atemberaubend entführt uns der Regisseur in die zauberhafte Welt des fliegenden Elefanten. Derart zurückhaltend hat man ihn jedoch noch nie erlebt. Burton verzichtet vollständig auf seine bekannte, morbide Handschrift und inszeniert einen soliden Familienfilm, den man sich auch mit seinen ganz Kleinen bedenkenlos ansehen kann, ohne um bleibende Schäden der Schützlinge zu fürchten. Eingefleischte Fans seines Stils werden von der eher flachen Story und von der kindgerechten Herangehensweise enttäuscht sein, Fans des Originals liefert man aber genug Neues, um einen Gang ins Kino zu rechtfertigen.

Kinostart: 28.03.2019

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Pressematerial zur Verfügung gestellt von Walt Disney Studios Motion Pictures Austria

 

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