Friedhof der Kuscheltiere – Review

Nachdem Andy Muschiettis Neuinterpretation von Stephen Kings Buchklassikers ‚Es‘ sowohl beim Publikum und an den Kinokassen riesige Erfolge verbuchen konnte, ist ein regelrechter Sturm an King Verfilmungen losgebrochen. Es vergeht kaum eine Woche ohne Ankündigung und Adaptionen wie ‚Gerald’s Game‘, ‚1922‘ oder das King-Mashup ‚Castle Rock‘ erfreuen sich großer Beliebtheit. Direkt nach der Erfolgsmeldung von ‚Es‘ wurde eine Neuverfilmung von Kings ‚Friedhof der Kuscheltiere‘ angekündigt. Als Regisseure wurden die beiden eher unbekannten Kevin Kölsch und Dennis Widmyer auserkoren, welche aktuell auch an der Fortsetzung zu Andy Muschiettis ‚Mama‘ arbeiten. Für die Rolle des Jud Crandall wurde John Lithgow gecastet, gefolgt von Jason Clarke als Familienvater Louis Creed und Amy Seimetz als Louis Ehefrau Rachel Creed, so weit, so vielversprechend.

Die Story bleibt weitestgehend unangetastet. Die Familie Creed zieht nach Ludlow in Maine um den Trubel der Großstadt zu entkommen und wieder näher zusammenzuwachsen. Die Familie war aufgrund von Louis zeitintensiven Jobs schon dabei zu zerbrechen. Mit neuer Stelle als Chefarzt an der University of Maine und einem riesigen, dicht bewaldeten Grundstück soll der Familiensegen geradegerückt werden. Ihre aufgeweckte, 8-jährige Tochter Ellie ist vom Wald begeistert und schnell stößt sie auf den Friedhof der Kuscheltiere, auf welchem die geliebten Haustiere der Einwohner von Ludlow begraben werden, doch der Tierfriedhof birgt ein dunkles Geheimnis. Als eines Tages das Familienhaustier von einem Lastwagen getötet wird, begräbt Louis das Tier unter Anleitung seines Nachbars Jud am alten Indianerfriedhof, versteckt hinter dem Haustierfriedhof. Die Katze erscheint dann über Nacht wieder quicklebendig im Haus der Creeds und ab diesem Zeitpunkt nimmt das Chaos seinen Lauf.

Der erste, billige Jumpscare, bei welchem am helllichten Tag ein LKW furchtbar laut durchs Bild kracht, gibt klar die Ausrichtung des nachfolgenden Filmwerks an. Mitten in die Fresse, so lautstark wie es nur geht, ohne jegliches Gefühl für eine spannungsvolle und atmosphärische Inszenierung. Hauptsache der Herzinfarkt rückt jeden Moment ein Stückchen näher. Aufgrund der fehlenden Atmosphäre sucht man auch vergeblich nach jeglicher Form von Gruselstimmung. Jede einzelne Szene, jeden noch so bezeichnenden Moment hat man irgendwie schonmal in einem anderen Horrorstreifen gesehen, teilweise sogar besser in der ersten, eher schlecht gealterten Verfilmung aus dem Jahre 1989. Dem hat die Neuverfilmung auch im Grunde nichts hinzuzufügen. Das geht so weit, dass man am Ende aus dem Film rausgeht und man sich sofort an keinerlei Szene mehr erinnern kann. Die Sets sind derart steril gestaltet, dass man sich ständig wie im Studio fühlt. Wenn dann noch die Nebelschwaden über den Boden der künstlichen Sets wabern, hat man endgültig alle Klischees durchgearbeitet.

Der durchaus bekannte und talentierte Cast wäre problemlos in der Lage, das Ruder noch irgendwie herumzureißen, dazu bekommen sie aber kaum die Möglichkeit. Zu gewollt und standartmäßig gestalten sich die Dialoge und das Drehbuch. So bleibt nur ein uninspiriertes, mittelmäßiges Remake, welches es kaum schafft, erinnerungswürdige Momente zu kreieren. Vielmehr ärgert man sein Publikum mit einer Unzahl an unangenehmen Jumpscares, dass man sich beim nächsten Spannungsaufbau und dem bekannten ‚Paranormal Activity‘-Hintergrundbrummen nur mehr genervt die Augen und Ohren zuhält. Die handgemachten Splattereffekte und die durchaus ansehnliche Make-Up-Arbeit sorgen zumindest gelegentlich für die ein oder andere Emotion beim Zuseher, aber auch da geht man zu repetitiv vor. Zum Beispiel die Schockeffekte im Zusammenhang mit Rachels Schwester hauen zwar beim ersten Aufeinandertreffen ordentlich rein, nutzen sich aber bei der dritten oder gar vierten Szene komplett ab.

Fazit:

‚Friedhof der Kuscheltiere‘ ist ein weiteres Standardgruselschocker-Remake von der Stange, dem es konstant an Spannung und vor allem Grusel fehlt. Die Jumpscares werden einem zum Teil übel um die Augen und Ohren gehauen, ähnlich einer Geisterbahn. Jedoch bietet selbst die unansehnlichste Geisterbahn noch einen Hauch von Atmosphäre. Diese fehlt in der Neuverfilmung fast gänzlich, was an der mangelnden Inszenierung, am schwachen Drehbuch und den viel zu steril geratenen Studiosets liegt. Zum Teil liegt man sogar hinter der eher schlecht gealterten Erstverfilmung vom Jahre 1989. Außerdem hat man dieser nichts Neues hinzuzufügen. Die guten Schockmomente werden zu stark ausgereizt und man macht kaum Nutzen vom talentierten Cast. So hat man schon beim Verlassen des Kinosaals fast keine Erinnerungen an das Gesehene, denn nichts an dem Film ist erinnerungswürdig oder in irgendeiner Form originell oder mutig. Wer an solchen Jumpscare-Partys seine Freude hat, wird auch ‚Friedhof der Kuscheltiere‘ zu schätzen wissen, Fans von atmosphärischem Horror und vor allem von der düsteren, niederschmetternden Romanvorlage werden aber unbeeindruckt das Kino verlassen.

Kinostart: 04.04.2019

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Pressematerial zur Verfügung gestellt von Constantin Film

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