Wilkommen im Wunder Park – Review

June ist kein gewöhnliches kleines Mädchen. Sie strotzt nur so vor Kreativität und ihr Einfallsreichtum kennt keine Grenzen. Gemeinsam mit ihrer Mutter entwirft sie schon seit Jahren einen imaginären Vergnügungspark namens ‚Wunder Park‘, welchen die beiden dann im Miniaturformat quer durch das Haus nachbauen. Als Junes Mutter jedoch eines Tages aufgrund einer schweren Erkrankung für eine Behandlung zu einem Experten reisen muss, droht die Kleine den Verstand zu verlieren. Von nun an kümmert sie sich nur mehr um ihren Vater und verrennt sich völlig in der Idee, in zu jeder Sekunde umsorgen zu müssen, um sein Leben zu verlängern und ihn zu schützen. Daher schickt er seine Tochter ins Sommercamp, um sie auf andere Gedanken zu bringen. Da kommt sie aber niemals an, da sie während einer Pause wegläuft und sich auf den Rückweg durch den Wald in die Stadt macht. Daraufhin gelangt sie zu einem aus Bäumen geformten Bogen, welcher sie direkt in die Welt des Wunder Parks bringt, wo ihre tierischen Parkmaskottchen zum Leben erweckt wurden und sie um Hilfe bei der Rettung des Vergnügungsparks bitten.

Und das umschreibt gerade mal die gut ersten 20 Minuten der Handlung, ohne auf die zahlreichen Charaktere auch nur irgendwie einzugehen, so vollgepackt ist Nickelodeons und Constantin Films neuster Animationsfilm. Regie führt Dylan Brown, ein ehemaliger Pixar-Animator, welcher schon Animationen für Filme wie ‚Toy Story 2‘, ‚Findet Nemo‘ und ‚Die Unglaublichen‘ beigesteuert hat. Kurz vor Abschluss wurde er aber gefeuert, da es zahlreiche Vorwürfe von unangebrachtem Verhalten gegenüber Frauen im Studio gab. Daher wird sein Name auch nicht im fertigen Film angeführt, Ersatzregisseur gab es aber keinen, da die Arbeiten weitestgehend abgeschlossen waren. Ausgerichtet ist der Film klar auf ein ganz junges Publikum. Bis auf die Krankheit der Mutter werden kaum tiefer gehendere Themen angeschnitten und die Unterhaltung ist durch und durch seicht. Man will nicht mit einer großangelegten Handlung protzen, sondern versucht die Kleinen mit einem Effektgewitter in den Sitz zu drücken. Alles bewegt sich, alles ist knallbunt und ihre tierischen Begleiter agieren, als wären sie, abgesehen vom narkoleptischen Bären Boomer, alle auf Aufputschmitteln. Trotzdem schaffen die Macher es einen fast durchgehend zu langweilen, gerade dann, wenn das Chaos im Park losbricht. Die Handlung ist ab dem Zeitpunkt, an dem June das Portal durschreitet, sowieso komplett im Stillstand. Was die Kleine im Park so alles erlebt, fügt der vorher aufgebauten Story nichts hinzu, selbst wenn es zu Beginn so scheint, als würde die tragische Situation des Mädchens dort dann in irgendeiner Form aufgearbeitet oder vertieft werden. Klar, June soll ihre Liebe zur Kreativität wiedergewinnen, allerdings wird hier maximal an der Oberfläche gekratzt und die Thematik wurde schon etliche Male weitaus besser durchgekaut. Als würde man die Charaktere von Toy Story einfach auf ein Abenteuer ins Disneyland schicken.

Es existiert auch keine zweite Ebene für Erwachsene, welche es mit dem Machwerk besonders schwer haben werden. Die durchgehend kindlich gestalteten Gags werden zwangsbeglückte Eltern langweilen und es wird zu keiner Sekunde ein Versuch unternommen, sie ebenfalls abzuholen. Als Synchronsprecher wurden im englischen Original zahlreiche bekannte Schauspieler wie Jennifer Garner, Matthew Broderick, Mila Kunis oder Ken Jeong mit an Bord geholt. Die machen ihre Aufgabe allesamt passabel, haben aber aufgrund der flachen Charakterzeichnung kaum Möglichkeiten ihr Talent unter Beweis zu stellen. Die Animationen sind ebenfalls eher mittelmäßig, da kommt man kaum über die Qualität eines inzwischen 10 Jahre alten ‚Oben‘ raus, lediglich die Farbsättigung wurde hier vermutlich auf Anschlag gedreht. Zusammengefasst baut man sich aus allen möglichen, ausgelutschten Blaupausen ein belangloses, höchstens mittelmäßiges und teilweise sogar bedenkliches Effektfeuerwerk ohne Herz und Seele zusammen. Die Auflösung des Handlungsstrangs der schwerkranken Mutter setzt dem Ganzen dann noch endgültig die Krone auf. Ohnehin schon vom Film genervte Eltern dürfen ihre von all den Farben und Effekten aufgeputschten Kinder dann vermutlich nochmal stundenlang zum Abreagieren auf den Spielplatz bringen.

Fazit:

Belanglos, plump, ideenarm, generisch und langweilig, mehr kann man zum Animationsfilm ‚Willkommen im Wunder Park‘ eigentlich kaum sagen. Der Film bietet kaum Mehrwert für kleine Besucher und holt auch die mitgeschliffenen Eltern in keiner Weise ab. Die zu Beginn noch vielversprechend und durchaus dramatisch gestaltete Story, wird komplett liegengelassen, sobald June den Fantasie-Vergnügungspark betritt, nur um dann am Ende sowas von dumm und faul aufgelöst zu werden, dass einem die Haare zu Berge stehen. So sollten Thematiken wie eine schwere Erkrankung eines Elternteils auf keinen Fall aufgearbeitet werden. Vielmehr setzt man auf eine effekt- und farbinduzierte Reizüberflutung und schafft damit einen der schwächsten Filme des bisherigen Jahres.

Kinostart: 11.04.2019

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Pressematerial zur Verfügung gestellt von Constantin Film

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