Avengers: Endgame – Review

Da ist er also, der filmgewordene Hype, der größte Blockbuster des Jahres, wenn nicht sogar der größte Blockbuster aller Zeiten. Alle bisherigen 21 Filme des Marvel Cinematic Universe führen hier hin und mit ‚Avengers: Endgame‘ soll Phase 3 nun enden, aber nur fast, ‚Spider-Man: Far from Home‘ steht nämlich ebenfalls im Juni noch an. Ein ganz großes Ende und gleichzeitig ein Aufbruch zu neuen Ufern soll es sein und alle Fans rasten natürlich völlig aus, zurecht wohlgemerkt. Da wird einem sogar als Filmkritiker flau in der Magengrube, derart gigantisch ist die Fanschaft der Comichelden inzwischen geworden. Speziell wenn man wie ich kaum etwas mit der seit 10 Jahren vorherrschenden Comicverfilmungs-Manie anfangen kann. Nach den Ereignissen von ‚Avengers: Infinity War‘ und seit die Hälfte der Menschheit durch Thanos Fingerschnippen vernichtet wurde, befinden sich die verbliebenen Menschen in tiefster Trauer. Ebenso unsere verbliebenen Superhelden. Derart hoffnungslos haben wir noch keinen der bisherigen Marvelfilme erlebt. Nun begleiten wir Thor, Black Widow, den Hulk, Rocket, Nebula und Iron Man durch die Nachwirkungen der Katastrophe und gemeinsam suchen sie nach einem Ausweg.

Diese tiefe Trauer bestimmt einen Großteil des Films und jeder der Helden macht seine eigene Form der Veränderung durch. Die 182 Minuten Laufzeit lassen einen langsamen und ausgedehnten Aufbau zu. Alles fühlt sich zu Beginn schon wie ein Neuanfang an und wir müssen uns mit den verbliebenen Avengers erst einmal zurecht finden. Wie sieht die Welt jetzt aus? Wie soll es weitergehen? Was hätte man tun können, um etwas derartiges zu verhindern? Und wo ist eigentlich Ant-Man und Hawkeye? All diese Fragen und noch viele mehr werden innerhalb des ersten Akts ausführlichst und ungewohnt ruhig beantwortet. Genauso ungewohnt erleben wir unsere liebgewonnenen Charaktere und genau das macht den ersten Akt zum stärksten des kompletten Films. Mit dem bekannten Marvel-Charme, ganz viel Herz und ebenso viel Humor schaffen es die Russo-Brüder, das Publikum wieder ins Boot zu holen und jede Menge neue Nuancen aus den Figuren rauszuholen. Sobald aber erstmal ein Plan gefasst ist, wie man nun weiter gegen Thanos und die Geschehnisse vorgehen möchte, setzt sich bei so manchem Kinobesucher wohl die erste Ernüchterung ein. Der bei ‚Infinity War‘ so überraschende Mut fehlt in ‚Endgame‘ nahezu völlig. Viel zu sehr ruht man sich auf bereits bekannten Handlungen aus und so verkommt der Film zu einem für Nicht-Fans wohl eher langweiligen Fanservice-Feuerwerk ohne allzu großartige Überraschungen. Ebenso fehlt es ab diesem Zeitpunkt auch wieder mal an jeglicher Dramaturgie, der eher erwachsene Ton des ersten Akts tritt immer weiter in den Hintergrund und so erleben wir einen eher zäh anmutenden Aufguss der gewohnten Marvelkost in XXL-Länge. Für Fans natürlich der Oberhammer, aus filmischer und kreativer Sicht aber einfach nur feige, weniger Risiko hätte man wohl kaum eingehen können. Das ‚The Force Awakens‘ des MCUs sozusagen und der perfekte Gegenentwurf zu Rian Johnsons ‚The Last Jedi‘, auch wenn dieser komplett am Thema vorbei ging.

Leider muss ich euch jetzt nochmal mit einem ‚Star Wars‘-Vergleich langweilen, aber ‚Star Wars‘ ist die für mich wohl naheliegendste Vergleichsmöglichkeit. Auch ich saß nämlich schockiert und den Tränen nahe komplett aufgelöst im Kino, wie Han Solo das Zeitliche segnete, obwohl ich aufgrund der Inszenierung und des Schauspiels eigentlich die Hände über dem Kopf zusammenschlagen hätte müssen. Aber so emotional erreicht man nun mal nur eingefleischte Fans. Inszenatorisch und schauspielerisch lässt ebenso ‚Avengers: Endgame‘ gelegentlich zu wünschen übrig, von der Film-Logik gar nicht erst zu sprechen. Das große Finale schafft es dann aber wieder, zu überzeugen und so lässt das Regie-Duo die ganze, geballte Wucht des MCUs auf den Kinozuseher niederprasseln, ohne dabei visuell zu überfordern, da man geschickt die Hauptgeschehnisse im Bild zentriert. So kann man die Action komplett ohne Schleudertrauma genießen und in Sachen Bombast und Epik übertrifft man wieder mal so einiges. Dann kommt endlich ordentlich Spannung auf und damit wird Phase 3 vorerst zu einem befriedigenden Ende geführt. Ein ziemlich fahler Beigeschmack bleibt aber trotzdem und wer bis dahin kein Fan war, wird es wohl auch mit ‚Avengers: Endgame‘ nicht werden.

Fazit:

Mit ‚Avengers: Endgame‘ findet Phase 3 des MCUs nun ihr vorläufiges Ende. Zeigt man sich zu Beginn noch ungewohnt ernst und erwachsen, so nimmt der Humor und der typische Marvel-Charme spätestens im zweiten Drittel komplett überhand und an Dramaturgie ist bis zum großen Finale kaum mehr zu denken. Bei dem knallt es dann aber wieder richtig. Also doch irgendwie wieder die typische Marvel-Blaupause ohne großartige emotionale Fallhöhe, nur diesmal ruhig, ausgedehnt und in XXL-Länge. Fans werden vor lauter Fanservice fast den Verstand verlieren und das Kino mit Freudentränen in den Augen verlassen. Aber nüchtern betrachtet gegenüber ‚Infinity War‘ oder gegenüber Sternstunden wie ‚Captain America: The Winter Soldier‘ ist ‚Avengers: Endgame‘ eher schwach.

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Pressematerial zur Verfügung gestellt von Walt Disney Studios Motion Pictures Austria

Ein Kommentar zu „Avengers: Endgame – Review

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  1. Das Review kann ich komplett so unterschreiben, wie es da steht. Als Marvel-Fan bin ich stark begeistert vom „Fanservice“ der geboten wurde, einfach weil manche Helden für meinen Geschmack auch einfach zu wenig Screentime hatten.

    Für mich ist die Wertung mit der 6/10 schon die maximale Untergrenze für den Gesamtfilm, würd ich persönlich 7 von 10 Punkten ansteuern.

    Danke für die spoilerfreie Zusammenfassung 🙂
    Lg Sam

    Gefällt 1 Person

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