Men in Black: International – Review

Da ist es doch tatsächlich eine Weile ruhig um das ‚Men in Black‘-Franchise geworden. 2012 gab es den letzten Ableger, doch schon damals hatte Tommy Lee Jones wenig bis gar keine Lust, seine ikonische Rolle als Agent K erneut zu verkörpern. Daher griff man kurzerhand auf Josh Brolin als junge Version des Agenten zurück. Da für Teil 4 sowohl Smith als auch Jones zwar Interesse bekundeten, aber bis auf ein verworfenes Drehbuch nie Bewegung in die direkte Fortsetzung gekommen ist, wurde 2017 mit ‚Men in Black: International‘ ein Spin-Off mit einer MiB-Zweigstelle in London angekündigt. Diesmal begleiten wir Tessa Thompson als Molly von ihrer ersten Begegnung mit der Geheimorganisation bis hin zum ersten Einsatz bei den Men in Black. Besessen von der Idee, selbst eine Agentin zu werden, versucht sie sich regelmäßig, aber erfolglos beim FBI zu bewerben, jedoch will niemand die streng geheime Abteilung kennen. Also probiert sie es auf eine etwas andere Art: Sie sucht selbst nach Eindringlingen aus dem All, um sich unter die Anzugträger zu mischen und verkleidet Zugang zu erhalten. Nachdem sie sich erfolgreich in der Hauptzentrale einschleichen konnte, gibt man ihr eine Chance, sich als neue Agentin zu beweisen. Daraufhin hängt sie sich an den als Helden gefeierten, aber äußerst verplant und dümmlich wirkenden Agent H, gespielt von Chris Hemsworth, welcher gerade dabei ist, erste Nachforschungen zur Bedrohung des außerirdischen ‚Schwarms‘ anzustellen.

Für den Regieposten wurde Felix Gary Gray auserkoren, welcher in der Qualität seine Werke kaum stärker schwanken könnte. So führte er bei Totalausfällen wie dem ‚The Italian Job‘-Remake von 2003 Regie, zeichnet sich aber auch für gefeierte Filme wie ‚Straight Outta Compton‘ verantwortlich. Das Drehbuch wurde von Art Marcum und Matt Holloway geschrieben, welche zuvor die Drehbücher für ‚Punisher: War Zone‘ und ‚Transformers: The Last Knight‘ beisteuerten, aber auch beim ersten Iron Man mitgeschrieben haben. Fans der schwarzgekleideten Alienjäger befürchteten also bereits das Schlimmste und sie sollten recht behalten. ‚Men in Black International‘ ist einer der generischsten Filme des bisherigen Jahres. Die Handlung ist eine absolut sterile Mischung aus der Originaltrilogie, zu welcher man noch eine ordentliche Ladung aktueller Klischees klatscht. Wie schon beim ‚Ghostbusters‘-Reboot. Als hätte man die Geschichten der damaligen Filme zwar gelesen, aber kein bisschen verstanden, was diese auszeichnete. Alles ist auf eine kindliche Art und Weise lockerer, damit untergräbt man jedoch seine Vorgänger. Nichts macht mehr Sinn und die liebgewonnen, stoisch bürokratische Alienpolizei wird zu einer kompletten Lachnummer degradiert. Natürlich ging es auch in den Vorgängern nie darum, eine komplett ernste Geschichte zu erzählen, jedoch gab man sich Mühe, dem Zuschauer eine in sich halbwegs schlüssige Welt zu präsentieren. Abgerundet wurde das Ganze noch durch den herrlich schrulligen und skurrilen Humor und die düster herzliche Inszenierung von Barry Sonnenfeld. Im Spin-Off fehlen all diese Zutaten jedoch vollständig. Steril, kalkuliert und erzwungen, diese Adjektive beschreiben ‚Men in Black: International‘ wohl am treffendsten.

Tessa Thompson kann mit ihrer Rolle offensichtlich nicht allzu viel anfangen. Sie spielt zwar solide, bei vielen der flachen Gags hört man sie aber fast Zähne knirschen. Chris Hemsworth ist ebenfalls bemüht, trotzdem will fast keiner der 08/15-Witze zünden. Immer wieder lässt man sich zu sketch-artigem Humor hinreißen, welcher die negativste Reaktion überhaupt beim Kinozuseher hervorruft – nämlich gar keine. Dies ist der absoluten Belanglosigkeit zuzuschreiben, auf welcher dieser Film fußt. Alles wirkt nach Hollywood-Einmaleins zusammengeschustert. Die Action ist absoluter Standart, von unaufgeregt bis langweilig, selbiges gilt für die komplette Inszenierung. Nicht einmal ‚Style over Substance‘ könnte man dem Machwerk unterstellen. Es reicht auch nicht, komplett ohne Vorurteile und in vollem Bewusstsein der anstehenden Popcorn-Unterhaltung an die Sache heranzugehen, es lohnt sich einfach in keinster Weise. Wie wir schon vor allem in ‚Thor: Ragnarok‘ feststellen durften, besteht zwischen Thompson und Hemsworth eine unglaubliche Chemie, wenn auch eher auf einer kumpelhaften Ebene. Die Macher schaffen es aber nie, diese gelebte Leichtigkeit zwischen den beiden, auf welche man so verkrampft abzielt, abzurufen und einzusetzen. Geben die Stereotypen, in welche die beiden Darsteller gepfercht werden, auch gar nicht her. Hemsworths Charakter ist vertrottelter wie eh und je, wird aber dabei mit derart viel Respekt und Heroik behandelt, dass es einfach nur weh tut. Der vorhersehbare, stümperhafte Plottwist am Ende kann es dann auch nicht mehr geradebiegen. Das ‚International‘ im Titel dient lediglich dazu, von Szene zu Szene und von Land zu Land zu hüpfen, nur um die Settings komplett ungenutzt zu lassen. Jede der Szenen hätte genauso gut in jeder beliebigen, amerikanischen Großstadt spielen können. Selbst wenn man nichts erwartet, wird man von ‚Men in Black: International‘ trotzdem enttäuscht sein.

Fazit:

‚Men in Black: International‘ ist das beste Beispiel dafür, wie man ein Franchise auf lieblose und kalkulierte Weise ausnutzen kann. Die Macher wirken fast, als hätten sie lediglich die Plot-Zusammenfassungen gelesen und dazu noch einen Zusammenschnitt der ikonischsten Kameraeinstellungen der Originaltrilogie gesehen, ohne auch nur im Geringsten verstanden zu haben, was die Reihe bisher ausgemacht hat. Die Handlung ist langweilig und generisch, die Charaktere bestehen zu 100 % aus Stereotypen, die Gags zünden nicht und zurück bleibt lediglich ein Gefühl der Leere. Das  hohe Production Value von geschätzt 110 Millionen Dollar ist natürlich sichtbar, viel mehr positives lässt sich zum Spin-Off unseres geliebten Franchises aber leider nicht sagen. Lieber nochmal mit Teil 1 und 2 in Erinnerungen schwelgen. In diesem Sinne: ‚All hail K! All hail K! Oh J can you see…‘

img_1549

Pressematerial zur Verfügung gestellt von Sony Pictures Entertainment.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Create a website or blog at WordPress.com

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: