Long Shot – Review

Mit Regisseur Jonathan Levine ist es so eine Sache. Mal überrascht er mit herzerwärmenden Komödien wie ’50/50 – Freunde fürs (Über)Leben‘ oder ‚Warm Bodies‘, nur um danach Schwachsinnigkeiten wie ‚Die Highligen Drei Könige‘ oder ‚Mike and David Need Wedding Dates‘ auf die Leinwand zu bringen. Mit ‚Long Shot – Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich‘ versucht er sich nun ausgerechnet an seiner Interpretation von ‚Pretty Woman‘. Ganz was Neues! Dazu hat er sich seinen Kumpel Seth Rogen und die atemberaubende Charlize Theron ins Boot geholt. Allein Rogens Casting als Love Interest dürfte schon vorab sehr viele abschrecken. Ich persönlich mag den Herren ja sehr, aber seine eigensinnige Art und sein teilweise stumpfsinniger Humor ist nicht jedermanns Sache. Aber zuerst zur Story: Seth Rogen spielt Fred Flarsky, einen durch und durch ehrlichen und ehrgeizigen Enthüllungsjournalisten mit krudem Mundwerk, aber dem Herz am rechten Fleck. Als eines Tages seine Zeitung an den Medienmogul und Republikaner Parker Wembley, ganz klar angelehnt an Rupert Murdoch, verkauft wird, kündigt er ohne zu zögern. Auch wenn das für ihn bedeutet, dass er bald auf der Straße landen könnte. Am Boden zerstört kontaktiert er seinen besten Freund Lance, damit der ihn aufbaut. So wie sie es seit der Highschool schon immer füreinander gemacht haben. Lances Erfolg und Reichtum bringt die beiden auf eine Party, die das Leben von Flarsky für immer verändern wird. Dort trifft er nämlich seinen Jugendschwarm und inzwischen Außenministerin der USA, Charlotte Field. Die sucht für ihre Präsidentschaftskanidatur einen Redenschreiber, welcher ihr durch Humor und Sympathie zu Wählerstimmen verhelfen soll und so finden die beiden zueinander.

Klingt zusammengefasst ebenfalls weder sonderlich spannend, noch neu. Levine schafft es aber, das Kinopublikum ab der ersten Sekunde um den Finger zu wickeln, was vor allem an der ungewöhnlichen, aber irgendwie sympathisch ehrlichen Herangehensweise an seine Geschichte liegt. Direkt bei der allerersten Szene fragt man sich, ob man denn wirklich im richtigen Film sitzt, was sich zwar nach wenigen Augenblicken relativiert, derartige Überraschungen durchziehen aber die komplette Komödie. Gekonnt verzichtet er auf Hollywood-Klischees oder stellt diese gar auf den Kopf. Sogar die Parallele zu ‚Pretty Woman‘ nutzt er für seine eigenen Zwecke. So strotzt ‚Long Shot‘ nur so vor Sympathie und erobert die Herzen der Kinobesucher im Sturm, was zum einen am kreativen Drehbuch und zum anderen am hervorragenden Cast liegt. Charlize Theron ist wie immer eine absolute Wucht, ihre Ausstrahlung ist sagenhaft und die Chemie zwischen ihr und Rogen entlockt ihr sogar einige neue Facetten. Ihr Leinwandpartner Seth Rogen spielt zwar wiedermal seine immer gleiche Rolle, in diesem Fall passt es aber einfach wie die Faust aufs Auge und trägt maßgeblich dazu bei, dass die ungewohnte Rollenverteilung vollends aufgeht. Das könnte sogar die Meinung des ein oder anderen über ihn ändern. In weiteren Rollen erleben wir Bob Odenkirk als Präsidenten Chambers, welcher es vom Serienstar zum Oberhaupt der amerikanischen Regierung geschafft hat und Andy Serkis. Wen der Meister der Verwandlung jedoch spielt, könnt ihr selbst herausfinden, bei mir hat es nämlich erst beim Abspann Klick gemacht.

Ganz perfekt ist Levines neuestes Machwerk dann aber doch nicht. Einige der Gags schlagen ganz klar über die Stränge und dürften einige vor den Kopf stoßen, andere aber in schallendes Gelächter versetzen. Die größte Schwäche des Films ist aber sein Pacing und so fühlt er sich wesentlich länger an, als er eigentlich ist. Man lässt sich zwar ganz viel Zeit für die Erzählung, nach der Hälfte führt dies allerdings zu einem Durchhänger, jedoch will ich damit auch nicht sagen, dass Szenen hätten eingespart werden müssen. Zu sehr habe ich den gesamten Film genossen, da kann man als Kritiker mal einen Schritt zurücktreten und einfach nur Spaß am Gezeigten haben. Ein weiterer Dämpfer ist der Einsatz von Musik über die gesamte Lauflänge. In fast jeder Szene muss ein R’n’B- oder Pop-Hit im Hintergrund erklingen. Dass geht sogar so weit, dass manchmal die Darsteller a cappella kurz ein Lied anträllern, während ein völlig anderes, unpassendes Musikstück die Szene begleitet. Trotzdem packt einen ‚Long Shot‘ von der ersten Sekunde lang direkt beim Herz und bei den Lachmuskeln und bietet tatsächlich kurzweilige, sympathische Pärchenunterhaltung. Der perfekte Film für einen glühend heißen Sommertag zu zweit!

Fazit:

‚Pretty Woman‘ mit umverteilten Rollen, sowie einer Prise Politik und Weltgeschehen. Klingt auf den ersten Blick nicht sonderlich spannend oder gar neu. Trotzdem erobert Jonathan Levines neustes Werk ‚Long Shot – Unwahrscheinlich, aber möglich‘ ab der ersten Sekunde die Herzen der Kinobesucher. Seth Rogens Stammrolle bekommt endlich mal einen passenden Rahmen und Charlize Theron ist umwerfend wie eh und je! Natürlich ist der Film fern von Perfektion, was unter anderem am etwas zu langsamen Pacing und dem inflationären Einsatz von teilweise unpassender Hintergrundmusik liegt. Nichtsdestotrotz greifen hier so viele Teile so sympathisch ineinander, dass man die Komödie einfach mögen muss. Selten hat mich eine Wertung derart ins Grübeln gebracht, jedoch habe ich den Film so sehr genossen, dass ich ihm einfach die acht Punkte geben muss!

Kinostart: 20.06.2019

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Pressematerial zur Verfügung gestellt von Constantin Film

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