Spider-Man: Far From Home – Review

Jetzt aber! Mit Spideys zweitem Abenteuer verabschieden wir uns nun endgültig von Phase 3 des MCUs, einem Abgesang an die bisher spektakulärste und bombastischste Schippe an Marvel Filmen. Nach den Ereignissen von ‚Avengers: Endgame‘ wird Peter wieder zurück ins Schulleben geworfen und muss gleichzeitig den Verlust seines Vorbilds und Ziehvaters verarbeiten. Kaum von den Toten wiederauferstanden, steht für die zurückgekehrten Schüler der erste Schulausflug nach Europa an. Der Kampf gegen Thanos ist dem jungen Superhelden immer noch stark anzusehen und so hat er sich den Urlaub redlich verdient. Deshalb lässt er sogar sein Kostüm zuhause, jedoch kann er sich seiner riesigen Verantwortung nicht entziehen. Gerade erst in Venedig angekommen, wütet plötzlich ein Wasser-Elemental durch die Lagunenstadt und Nick Fury bittet den Spinnenmann um Hilfe. So beginnt ein Trip der besonderen Art quer durch Europa.

Wie geht’s jetzt also weiter nach dem durchaus düster gehaltenen und schwermütigen ‚Avengers: Endgame‘? Regie führt wieder Jon Watts, welcher schon den Erstling hervorgebracht hat. Vom Humorlevel her, schlägt er fast die Richtung von ‚Thor: Ragnarok‘ ein. Man wirft mit Gags nur so um sich, egal ob diese ins Schwarze treffen oder nicht und lässt sich sogar dazu hinreißen, gelegentlich ganz tief in die Fremdschäm-Kiste zu greifen. Da gibt es zum Beispiel eine aus dem Nichts erscheinende Romanze, welche an Schwachsinn kaum noch zu übertreffen ist und welche auch sonst für den Film kaum eine Rolle spielt. Es wirkt fast so, als wollte man einfach nur einen der Charaktere vom Hauptplot fernhalten. Andere Gags zünden jedoch derartig, dass sich einfach nicht nachvollziehen lässt, warum man den Humor dermaßen forciert. Spideys zweiter Einsatz ist nämlich wieder gespickt mit einer ganzen Menge an Metahumor, Herz und sogar einem Hauch von Gesellschaftskritik. Tom Holland ist die Rolle auf den Leib geschrieben und erneut ist er an Charme, Selbstironie und Sympathie kaum zu übertreffen, auch wenn er gelegentlich etwas abwesend wirkt. Da konnte er im ersten Ableger noch um einiges mehr glänzen. Großes Lob verdient aber vor allem Jake Gyllenhal in der Rolle des von Comic-Fans heißerwarteten Quentin ‚Mysterio‘ Beck, er gibt sich nämlich tatsächlich richtig Mühe. Viele werden allerdings trotzdem von seinem Charakter enttäuscht sein, man wird der Comicvorlage in seinem Fall einfach nicht gerecht. Woran das liegt müsst ihr, um Spoiler zu vermeiden, selbst herausfinden.

Als Antagonisten treten die Elementals in Erscheinung, vier bösartige Elementarwesen, welche damit drohen, die Erde zu zerstören. Zu ihnen will ich mich allerdings nur in Bezug auf die CGI-Effekte äußern. Und wie bei Marvel-Filmen fast schon üblich schwanken diese von durchaus beeindruckend bis hin zu schrecklich künstlich. Speziell das animierte Spider-Man-Kostüm schlägt einem fast durchgehend aufs Auge, wirklich überzeugen kann nur eines seiner neuen Kostüme. Alle anderen plagt der Uncanny Valley Effekt. Trotzdem reißt einem das geballte Actionspektakel mit und man kann das Kinopublikum mit einigen einfallsreichen Stunts überzeugen, selbst wenn große Teile der Sequenzen vermutlich zu 100 % aus dem Computer stammen. Im Finale lässt man marveltypisch wieder die Effekthölle los, was man aber gut mit den dahintersteckenden, kreativen Ideen kaschieren kann, ähnlich wie schon im Animationshit ‚Spider-Man: A new Universe‘. Mein letzter, negativer Punkt ist der Umgang mit den besuchten Ländern und Städten. Da greift man derartig auf die ländertypischen Klischees zurück, dass es schon richtig weh tut. Klar, in Venedig stinkt es, in italienischen News-Sendungen wirft man bei der Berichterstattung zur davor stattgefunden Katastrophe mit Buzzwords wie ‚Prosciutto‘ um sich und Holland zeichnet sich durch die mittelalterlich anmutenden Bauernstädte und durch die Fußballfans aus. Wenn beim Stopp an der Holztankstelle in den heimischen Alpen noch ein Trachtenträger schuhplattelnd durchs Bild gehüpft wäre, hätte es mich auch nicht mehr gewundert. So stellt sich wohl ein Amerikaner Europa vor.

Zusammengefasst handelt es sich bei Peter Parkers erstem Ausflug nach Übersee um einen typischen Urlaubsfilm, ähnlich den Ausflügen der Griswolds aus ‚Die schrillen Vier auf Achse‘ gemixt mit der Teenie-Komödie ‚Road Trip‘. Jedoch passt der inzwischen standartmäßige Bombast der MCU-Filme nicht so ganz zur freundlichen Spinne aus der Nachbarschaft. So bleibt nur zu hoffen, dass man sich mit Teil 3 der angedachten Trilogie wieder auf die Stärken des Vorgängers zurückbesinnt. Für kurzweilige Unterhaltung ist, auch wenn das Pacing manchmal ins Stottern kommt, allerdings zu jeder Zeit gesorgt und Spidey rettet uns im kühlen Kinosaal vor dem Hitzekollaps!

Fazit:

Qualitativ bewegt man sich mit Spider-Mans zweitem Solo-Abenteuer auf gewohnt hohem Marvel-Niveau, schafft es aber aufgrund der formelhaften Story und einem teilweise äußert kindlichen Touch nicht durchgehend zu unterhalten. Nebenher greift man noch alle Klischees der europäischen Tourstops ab, was spätestens nach dem Abstecher nach Holland stark auffällt. Da hätte man sich durchaus mehr auf die einzelnen Städte und Länder einlassen können. Humortechnisch steht man ebenfalls stets auf wackligen Beinen, einige der Gags verursachen tatsächlich Fremdscham, wobei andere wiederum genau ins Schwarze treffen. So bleibt Spideys zweites Abenteuer zwar hinter seinem Vorgänger, beendet die Phase 3 des MCUs allerdings gebührend und macht durchaus wieder Lust auf mehr Superheldenaction! Jedoch sollte man sich für den dritten Teil wieder mehr auf Spideys Nachbarschaft konzentrieren, bigger isn’t always better!

Kinostart: 04.07.2019

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Pressematerial zur Verfügung gestellt von Sony Pictures Entertainment.

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