Child’s Play – Review

Der Remake-Wahnsinn geht weiter. Kurz vor Disneys Realverfilmung von ‚Der König der Löwen‘ trifft es ‚Chucky – Die Mörderpuppe‘, eine fast schon zur Ikone hochstilisierte Kultfigur aus den späten 80ern. Heutzutage erinnern sich jedoch vor allem nur mehr die älteren Generationen daran und diese haben die Reihe nach all den unsäglichen Fortsetzungen, welche mit ‚Cult of Chucky‘ erst vor zwei Jahren den letzten Ableger erhalten hat, nicht in guter Erinnerung. Parallel zum Film-Remake ist außerdem noch eine Chucky-Serie als Fortführung der alten Reihe in Arbeit, da die Rechte bei Universal und bei MGM liegen. Als der Trailer dann noch ankündigte, dass die Puppe jetzt nicht mehr von einem mordlüsternen Psychopathen-Geist besessen ist, sondern als  fehlerhaftes Robo-Spielzeug in Erscheinung tritt, war der Aufschrei bei den Fans natürlich groß. Da mich der damalige Erstling als Kind nachhaltig verstört hat, ging auch ich mit gewissen Vorbehalten ins Kino, ich wollte meinen Chucky nicht als seelenlosen Furby-Verschnitt sehen.

Umso überraschter war ich von der durchaus durchdachten Neuinterpretation des Klassikers. Was ich nämlich nicht bedacht hatte: Chucky würde in der heutigen Zeit wohl anders einfach nicht mehr funktionieren, ohne das Aussehen der Ikone nachhaltig zu verändern. Furby und Co. sind nämlich die Puppen der Neuzeit. Eine Chucky-Puppe wie damals würde heute wohl niemand mehr in die Geschäfte locken, solange sie nicht einem Franchise wie ‚Pokemon‘ angehört. Natürlich, dass Design der Mörderpuppe ist eines der Schwächen des Films, der Gedanke dahinter bleibt aber der gleiche. Wenn die Vernetzung unserer elektronischen Geräte so weitergeht und solche Maschinen auf alle Aspekte unseres Lebens zugreifen könnten, wäre ein derartiges Szenario durchaus realistisch. Also bestreitet man mit der Neuauflage komplett andere Gefilde. Wir befinden uns einige Jahre in der Zukunft, wo die Verknüpfung unserer Haushaltsgeräte ihr Maximum erreicht hat. Sogar selbstfahrende Autos gehören zum Alltag. Und genau dabei versucht Regisseur Lars Klevberg einen riesigen Spagat: Die Digitalisierung ist weit fortgeschritten, trotzdem setzt er bis auf die genannten Punkte in keinster Weise auf Futurismus. Gleichzeitig erinnert der Film aber an ein Machwerk direkt aus den 80ern. Er fängt den Flair des damaligen Klassikers gekonnt ein, setzt dabei jedoch auf einen Mix aus Thrillerelementen und einem 80s-Abenteuerkomödien-Vibe, vergleichbar mit zum Beispiel ‚Gremlins 2‘. Die Horrorelemente werden nahezu komplett gestrichen, was allerdings nur absolute Puristen vor den Kopf stoßen sollte. Außerdem kommen noch spannende Ideen als Kritik an der bevorstehenden Vernetzung zum Einsatz. Mit der Kritik hält man sich generell nicht zurück und man greift viele Schattenseiten unseres Technikwahns auf.

Trotzdem bleibt man dem Original treu und Klevbergs ‚Child’s Play‘ soll allen voran Spaß machen, sei es durch Comedy oder die teilweise absurden Splatterszenen. Die Kills sind diesmal eher rar gesät, glänzen dafür aber durch praktische Effekte und eine gewisse Härte. Gesprochen wird Chucky nun von Mark Hamill, welcher seine Qualitäten bereits durch seine Sprechrolle als Joker in den DC Animated Movies immer wieder unter Beweis stellen konnte. Hamill macht sich auch diese Rolle zu eigen und verleiht der Puppe ihren ganz eigenen, bösartigen Charme, ohne sie zum fluchenden und schmierigen Psychopathen verkommen zu lassen. Positiv ist anzumerken, dass man sich tatsächlich jede Menge Zeit für die Charakterzeichnung lässt und die Beziehung zwischen Chucky und dem Protagonisten Andy schafft sogar eine gewisse emotionale Fallhöhe, welche dann allerdings im letzten Drittel eher verschenkt wird. Der erste Mord lässt lange auf sich warten, was dem Film allerdings in keiner Weise schadet. Man überreizt es aber im Mittelteil etwas mit der Freundschaft zwischen der Puppe und dem Jungen und so kommt es zu einem Durchhänger. Man sollte also kein Meisterwerk erwarten. Die Prämisse ist trotz des realistischen Unterbaus absolut überzeichnet und setzt jede Menge Suspension of Disbelieve vom Publikum voraus. Realismus war aber nie die Intention des Regisseurs, sein Ansatz ist vielmehr als Karikatur auf den Zeitgeist zu sehen. So kreiert er den perfekten Film für einen kurzweiligen Kinoabend mit Freunden und macht dabei auch noch Lust auf mehr. Also Hirn aus, Alltag aus und rein ins splattrige Vergnügen!

Fazit:

Lars Klevbergs Neuinterpretation von ‚Chucky – Die Mörderpuppe‘ transportiert die Ikone gekonnt in die nahe Zukunft, bleibt dabei aber dem Flair und den Ansätzen des Originals treu. Die Jumpscares bleiben im Rahmen des Ertragbaren und die Darsteller liefern mit dem talentierten und sympathischen Gabriel Bateman, der liebenswert verplanten Aubrey Plaza und dem bösartig charmanten Mark Hamill als Chucky, hervorragende Arbeit ab. Dies liegt vor allem an der Zeit, welche man ihren Charakteren bietet, um einem ans Herz zu wachsen. So erwartet uns eine kurzweilige, kreativ-schwachsinnige Thrillerkomödie, welche viele der alteingesessenen Fans vor den Kopf stoßen wird. Wer sich jedoch darauf einlässt, wird definitiv eine gute Zeit haben. So bekommt ‚Child’s Play‘ gutgemeinte 7 von 10 Punkten!

Kinostart: 18.07.2019

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Pressematerial zur Verfügung gestellt von Constantin Film

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