Der König der Löwen (2019) – Review

Vor 25 Jahren gelang Disney mit „Der König der Löwen“ ein wahres Meisterwerk, welche bestimmt viele von euch zu ihren absoluten Lieblingsfilmen zählen. Die Geschichte des kleinen Simba vom Löwenjungen bis hin zum titelgebenden König der Löwen hat berührt und geprägt. Auch ich war verzaubert, verstört und bin durch den Film ein klein wenig erwachsener geworden. Gleichzeitig habe ich dabei zwei meiner Kindheitshelden für mich entdeckt. Die Rede ist von Timon und Pumba, welche danach sogar eine eigene Zeichentrickserie erhalten haben. Mit Jon Favreaus Remake kommt kommende Woche nun die Realverfilmung des Klassikers in die Kinos und um, wie schon zuvor mit ‚Aladdin‘ und dem Dschungelbuch-Live-Action-Remake, die Kinokassen ordentlich zum Klingeln zu bringen, hat auch hier Disney die Produktion nur so mit Geld beworfen. Genauso wird es die nächsten Jahre auch weitergehen, unter anderem mit ‚Mulan‘ und ‚Arielle‘. Dadurch wird jeder von uns früher oder später mal um den eigenen Disneyliebling bangen müssen.

Also treten wir erneut gemeinsam mit Simba eine herzzerreißende Reise an, bei welcher wir unglaublicher Euphorie und ebenso tiefgreifendem Schmerz ausgesetzt werden. Wenn man allein aufgrund der Musik der ersten Szenen direkt einen großen Kloß im Hals hat und man alles, was noch kommt geradezu fürchtet, erkennt man, welchen Effekt das Original damals auf meine Generation und mich hatte. Ebenso schnell erkennt man aber, dass sich kaum was verändert hat. Das geht so weit, dass es manchmal fast so wirkt, als hätte man die Szenen „abgepaust“, um es jetzt mal simpel zu formulieren. Seht euch vor dem Gang im Kino am besten die Anfangssequenz vom Original an. So lässt sich schon erahnen, worauf ich hinauswill. Das Remake präsentiert absolut nichts Neues, übernimmt viele der Szenen komplett und geht teilweise sogar soweit, dass man die Bilder vom Original tatsächlich über die Bilder vom Remake legen könnte. Favreau war offensichtlich lediglich bemüht, diesmal alles realistisch zu gestalten. So rasselt Rafiki zum Beispiel bei der Präsentation Simbas nicht mit der Rassel an seinem Stock, um dem Kleinen ein Lächeln abzugewinnen und Timon zieht keine Grimassen oder dergleichen. So nimmt man dem Stoff aber gleichzeitig einiges der typischen Disney Magie und des Humors des Klassikers. Ebenso gehen viele der Emotionen verloren, da die gezeigten Tiere derart realistisch dargestellt werden und einfach keine zum Ausdruck bringen können.

Trotzdem versprüht der Film einiges an Charme und Nostalgie, was an drei ganz großen, positiven Aspekten liegt: Den wunderbaren Sprechern, dem grandiosen, neu aufgearbeitetem Soundtrack und den absolut bombastischen Bildern, mit CGI Effekten welche wir so kaum noch zu Gesicht bekommen haben. Was die vielen Menschen hinter den Animationen und Designs da geschaffen haben, ist einfach nur unfassbar. Die Tiere, die Darstellung der Natur, der Wolken, des Himmels, von allem – unglaublich. Der kleine Simba ist derartig süß, dass man vor Knuffigkeit einfach nur dahinschmilzt. Ebenso brilliert sein Sprecher JD McCrary. Jede Rolle wurde gut bis ausgezeichnet besetzt. Seth Rogen als Pumba passt einfach wie die Faust aufs Auge. Billy Eichner als Timon ist anfangs gewöhnungsbedürftig, wächst einem aber genauso schnell ans Herz. James Earl Jones ist und bleibt Mufasa. Lediglich Scar wirkt durch seine gesetztere, ruhig vor sich hin verschwörende Art etwas verunstaltet. Aus diesem Grund hat man den Song „Seit bereit“ etwas runterkürzt, weil es einfach nicht zum neuen Scar passen mag, wo wir gleich beim Soundtrack wären. Dieser ist ohne Zweifel grandios, verkörpert aber gleichzeitig wieder meinen größten Kritikpunkt. Es handelt sich um denselben Soundtrack, nur neu aufgenommen und verfeinert. Darum kommt man um die Frage einfach nicht herum, warum der Film überhaupt gemacht wurde. Er fügt seiner Vorlage nichts hinzu und verfremdet durch den ernsten Ansatz vieles zum Negativen. So sehr ich große Strecken des Remakes genossen habe, es bleibt ein äußerst negativer Nachgeschmack. Selten habe ich mir so schwergetan, einen Film zu bewerten, es handelt sich hierbei nämlich schlicht um eine Kopie. Anstatt etwas eigenständiges, neues zu schaffen, geht man derart frech auf Nummer sicher, dass es ganz tief drinnen einfach nur wehtut. Ich würde nämlich nach wie vor jederzeit ohne große Diskussionen jedem das Meistwerk aus dem Jahre 1994 empfehlen.

Fazit:

Wie bewertet man eine eindeutige Kopie, welche außerdem noch kaum die Magie des grandiosen Originals vorweisen kann? Diese Frage habe ich mir lange gestellt und bin zu dem Schluss gekommen, dass man hier nur die Durchschnittspunktzahl vergeben kann, da fast alle positiven Aspekte des Films mehr oder minder von der Vorlage geklaut wurden. Lediglich die unglaublich realistischen CGI-Effekte und der fast schon stoisch auf Realismus getrimmte Ansatz, sind die einzigen Alleinstellungsmerkmale, welches das Remake hervorbringt und genau diese zwei Punkte schaden dem Film. Da Tiere nun mal keine Emotionen zeigen können, bleiben diese im kompletten Machwerk auf der Strecke, das können die talentierten Sprecher auch nicht mehr geradebiegen. Daher empfehle ich jedem nach wie vor aus ganzem Herzen das Zeichentrick-Meistwerk von 1994 und jeder von uns sollte sich gut überlegen, ob er für das Remake wirklich ins Kino gehen will. Eine derart schamlose Herangehensweise sollte in keinem Fall unterstützt werden, man schmückt sich hier nämlich durchgehend mit fremden Federn.

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Pressematerial zur Verfügung gestellt von Walt Disney Studios Motion Pictures Austria

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