Once Upon a Time in … Hollywood – Review

Endlich ist er zurück, der Großmeister des skurril unterhaltsamen Dialogs und der überbordenden, plötzlich eskalierenden Gewalt, Quentin fucking Tarantino! Gleichzeitig stimmt es einen allmählich traurig, da mit seinem neunten von zehn angekündigten Filmen das Ende der Fahnenstange in ungewollt greifbarer Nähe scheint. Kaum hätte er sein vorletztes Werk besser wählen können, denn mit seinem Film gibt er sich endlich dem hin, was ihm am meisten bedeutet. Nämlich dem Hollywood der späten 60er Jahre, in dem er aufwuchs und welches ihm zu der Person gemacht hat, die er heute ist. 1969 begleiten wir den von seinem Agenten angestachelten Rick Dalton auf seinem Absprung vom TV-Star auf die große Leinwand, stets mit seinem Stuntman und besten Freund Cliff Booth im Schlepptau. Gleichzeitig befindet sich Sharon Tate am bisherigen Höhepunkt ihrer Hollywood-Karriere und erfreut sich an ihrer Ehe zum französisch-polnischen Regisseur Roman Polański, ohne auch nur zu ahnen, was ihr in der Nacht von 8. auf 9. August 1969 bevorsteht.

Weitere Details zur Handlung sind kaum in Worte zu fassen, da es schlicht keinen Plot im klassischen Sinne gibt. Vielmehr handelt es sich um eine Momentaufnahme, eine Ode an die Heimat des Blockbusters. Daher sollte man die eigenen Erwartungen etwas zurückschrauben und den Kopf vom donnernden Hypetrain freimachen. ‚Once Upon a Time in Hollywood‘ ist kein ‚The Hateful Eight‘ und definitiv kein ‚Inglourious Basterds‘, sondern erinnert am ehesten noch an ‚Pulp Fiction‘. Tarantinos neustes Machwerk präsentiert uns die Stadt der Sterne in wunderschönen, glanzvollen Bildern, welche mit unfassbar liebevoll gestalteten Sets und Originalschauplätzen nur so um sich werfen. Leonardo DiCaprio übernimmt die Rolle des verdrehten, versoffenen Western-Serienhelden Rick Dalton. Dabei stellt er wieder mal sein ganzes Können unter Beweis. Nicht nur muss er auf sein unglaubliches Talent zurückgreifen, sondern auch noch mit einer zusätzlichen Metaebene zurechtkommen. Schließlich spielt er einen Schauspieler, welchen wir beim Scheitern und brillieren von Szenen am Set, beim Üben seiner Zeilen im Wohnwagen oder beim Austausch mit anderen Schauspielern sehen. Und Leo schafft dies wieder mal mit Bravour. Er lebt seinen Charakter und gepaart mit dem berühmten Tarantino-Writing zieht er sein Publikum jede Sekunde in seinen Bann.

Der eigentliche Star des Films ist jedoch Brad Pitt als Ricks Stuntman Cliff Booth. Sein Charakter ist durch seine ruppige, ehrlich unehrliche, aber irgendwie auch liebevoll Art einfach nur grandios. Dabei wächst er einem derart ans Herz, dass man in so mancher Situation tatsächlich um sein Leben bangt. Gleichzeitig strahlt er aber ein Selbstbewusstsein aus, wie es nur ein Brad Pitt darzustellen vermag. Die beim Publikum vermutlich polarisierendste Figur des Films spielt Margot Robbie. Sie verkörpert die real existierende, von der Manson Familie ermordete Darstellerin Sharon Tate. Aufgrund ihres grausamen Schicksals verzichtet Tarantino darauf, sie durch den Kakao zu ziehen. Aber genau deshalb sind ihre Szenen die langwierigsten und Tarantino untypischsten. Allerdings hat sie ihre Daseinsberechtigung. Ihr Storystrang dient nämlich, wie vom Regisseur selbst beschrieben, als Pulsschlag des Films, als der Faden, der alle anderen unausweichlich zusammenführt. Sie könnte aber der Grund sein, der die Geduld des Standardkinobesucher zu sehr strapaziert. Wenn wir Tate zum Beispiel über 10 Minuten lang beim Spazieren durch Hollywood begleiten, geht jedem Cineasten wegen der tollen Darstellung Hollywoods der späten 60er zwar das Herz auf, ihre langgezogenen Szenen ohne großen Storybezug weisen aber den niedrigsten Unterhaltungswert auf und tragen maßgeblich zur stolzen Laufzeit von 160 Minuten bei.

Alles in allem ist Tarantinos neustes Werk wieder ein filmisches Glanzstück, jedoch nicht so, wie wir es vom Regisseur gewohnt sind. Die Darstellung Hollywoods mit den unglaublich echten Sets, den Kostümen, den authentischen Radioshows, den zahlreichen Cameos und Zitaten sind der Wahnsinn. Dazu kommen noch die zahlreichen Ausschnitte von Daltons Film- und Serienauftritten. Sein storyloser Ansatz fordert allerdings sein Publikum heraus und wird so manchen Tarantino-Fan am falschen Fuß erwischen. Seine Liebe zur damaligen Glanzzeit Hollywoods erschließt sich jedoch sofort und wird durch seine Interviews zum Film nochmal deutlicher. ‚Once Upon a Time in Hollywood‘ ist kein Thriller, sondern eine Komödie, denn die bekannten Spannungsspitzen fehlen fast zur Gänze. Außerdem enttäuschen einige der Kurzauftritte von Hollywood-Legenden wie zum Beispiel Al Pacino als Marvin Schwarz. Die fehlende Story und die zum Teil überlangen, aber gleichzeitig wunderschönen Kameraeinstellungen und Szenen, werden sowohl für Kritik als auch für viel Lob sorgen. Damit wird Tarantinos neunter Film die Lager der Kinobesucher spalten.

Fazit:

Ist Tarantinos neuster Streifen ein Meisterwerk? Ich bin mir ehrlich gesagt noch nicht ganz sicher. War ich beim Sehen trotzdem unterhalten? Aber sowas von! Ich war verblüfft, habe schallend gelacht und wusste nie, was als nächstes auf mich zukommt. Die schauspielerischen Leistungen sind über jeden Zweifel erhaben und die Set-Designs, die Regiearbeit, die Kamerafahrten und die Liebe zum Detail sind erneut der absolute Oberwahnsinn. Wer schon immer mal ins Hollywood der späten 60er eintauchen wollte, ist hier genau richtig. Die fehlende Story und überlange Laufzeit machen sich jedoch stärker bemerkbar, als man es als Fan wahrhaben will. So wird der Film so manchen Kinobesucher enttäuschen, trotzdem erhält der Streifen von mir eine absolute Empfehlung. Der Abgesang Tarantinos hat nämlich begonnen und wir sollten jede übrige Sekunde mit dem schrullig verdrehten Regisseur genießen. Denn mit ‚Once Upon a Time in Hollywood‘ erschafft sich das Filmgenie sein eigenes Märchen! Und bleibt beim Abspann unbedingt sitzen!

Kinostart: 14.08.2019

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Pressematerial zur Verfügung gestellt von Sony Pictures Entertainment.

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