Kommen wir heute zum Treppenwitz des Jahres. Kaum ein Film hat mich dieses Jahr so verärgert, wie die Fortsetzung einer der, meiner Meinung nach, besten Comicbook Eigeninterpretationen, die wir bis dato erleben durften. Die Rede ist vom heißerwarteten „Joker: Folie à Deux“. Wie gut, dass ich ohnehin schon keinerlei Erwartungen hatte, ist Regisseur Todd Phillips doch bekannt für seine „grandiosen“ Fortsetzungen. Und dabei geht es in der Joker Fortsetzung wesentlich mehr um den Regisseur selbst, als um eine passable, interessante und vor allem erzählenswerte Geschichte. Was ich damit meine? Umreißen wir zuerst mal kurz die „Handlung“.

Photo Credit: Niko Tavernise
Nach dem schockierenden Ende des zweiten Teils fristet Arthur sein Dasein in Arkham, der Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher in Gotham. Als sein großer Tag, dem Prozess zu seinen Untaten des Erstlings, näher kommt, lernt er in der Gesangsgruppe der Anstalt die ebenso psychisch beeinträchtigte Lee Quinzel kennen. Was die herannahende Verhandlung uns somit auch Arthurs Leben weiter verkompliziert. Und da mehr Handlung kaum vorhanden ist, muss ich hier auch schon aufhören. Was zu einem großen Problem führt. Denn ich muss mich jetzt ordentlich zurückhalten, da einige meiner größten Kritikpunkte die Handlung selbst betreffen. Aber ich bin tapfer und bleibe für euch wie immer spoilerfrei.

Photo Credit: Niko Tavernise/™ & © DC Comics
Ich muss initial gestehen, dass ich nicht ganz unbefangen bin. Eine Kunstform, die ich leider nicht so zu schätzen weiß, wie ich es eigentlich sollte, ist nämlich das Musical. Und was ich schon gar nicht mag, sind Musicalfilme. Umso erschütterter war ich von der Vorankündigung, dass Joker 2 ein Musical werden soll. Schöngeredet hab ich’s mir noch. „Wird schon alles seinen Grund haben“, hab ich mir gedacht. Und ja! Den hat es meiner Meinung nach auch! Aber das sind nicht irgendwelche Vorkommnisse in der Handlung á la „Irgendwer kriegt eine auf die Rübe und dann hört er alle plötzlich nur mehr singen“. Nein. Sie singen einfach hin und wieder. In Arthurs Hirngespinsten und Fantasien. Aber auch immer wieder Mal in realen Momenten….glaub ich zumindest. Ganz so sicher bin ich mir nicht. Das schlimmste daran? Es ist schlicht völlig egal…

Photo Credit: Niko Tavernise
Was Phillips da tut, ist, wenn ihr mich fragt, reine Zeitschinderei. Das eigentliche Drehbuch hätte nämlich vermutlich auf 20 Seiten gepasst – jede Filmminute entspricht in der Regel einer Seite im Drehbuch. Denn so gut wie keine der Musicalnummern, die übrigens aus keinem eigenen Song, sondern nur aus Covern bestehen, bringt die Handlung in irgendeiner Weise voran. Spätestens beim dritten Song wird euch klar, dass ihr ruhig einfach kurz aufstehen und pinkeln gehen könnt. Vor allem, wenn ihr so große Musicalfans seid, wie ich. Ob es einen Song gibt, der was zur Handlung beiträgt? Möglicherweise der Song, wo ich kurz aufgestanden bin und den Saal verlassen habe. Bemerkt hätte ich auf jeden Fall nichts. Zusätzlich kommt dann noch Joaquin Phoenix recht wackelige Gesangsstimme dazu. Das Lady Gaga als Harley Quinn singen kann, sollte wohl hingegen jedem bekannt sein.

Photo Credit: Scott Garfield/™ & © DC Comics
Der Film besteht allerdings nicht nur aus Gesangseinlagen. Ich würde jetzt mal schätzen, dass gerade Mal ein Drittel des Films gesungen wird. Die restliche Laufzeit über herrscht bis zum Finale gähnende Langeweile, wären da nicht die wieder die beeindruckenden Bilder und Einstellungen des Kameramanns Lawrence Sher und der donnernde Soundtrack von Hildur Guðnadóttir. Sher kommt zwar nie an die ikonischen Bilder des Erstlings ran, qualitativ gibts allerdings wieder ordentlich was auf die Augen. Und Guðnadóttir bedient sich zwar viel an ihren Erstlingskompositionen, hat mich aber trotzdem umgehauen. Was für eine Wucht einem da vor allem im IMAX entgegenkommt. Wahnsinn! Lobenswert zu erwähnen ist dann auch noch das Schauspiel von Phoenix. Vor allem seine Szene mit Leigh Gill, der kurz wieder in die Rolle seines liebenswerten, kleinen Kollegen Gary Puddles schlüpft. Nur da knüpft „Joker: Folie à Deux“ kurz an die Stärken des Vorgängers an. Lady Gaga kriegt leider weniger Screentime als erhofft und kann kaum so richtig glänzen.
Fazit
Abschließend lässt sich nur mehr aufklären, warum es mir so vorkam, als würde Regisseur und Drehbuchautor Todd Phillips bei dem Film vor allem mit sich selbst kämpfen. Zum einen hat es ihm sehr schlecht aufgestossen, dass „Joker“ als Incel-Hymne verstanden wurde, das will er mit aller Macht mit seiner Fortsetzung revidieren. Und zum anderen will er nicht wieder in die „Hangover 2“-Falle tappen und seinen eigenen Erstling remaken, sondern was völlig anderes, diesmal überraschendes machen. Und es geht komplett in die Hose. Was rauskommt, ist ein belangloser, langweiliger Film ohne Daseinsberechtigung und ohne Handlung. Es geht einmal im Kreis und zum Schluss gibts eine Bauchlandung. Schlimmer konnte es kaum werden. Es ist unfassbar. Ich bin immer noch erschüttert. Hätte er es einfach bei „Joker“ belassen.

Pressematerial zur Verfügung gestellt von Warner Bros. Entertainment Inc.
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