Cats – Review

Nächstes Jahr feiert Andrew Lloyd Webbers Welterfolsmusical ‚Cats‘ sein 40-jähriges Jubiläum. Da haben sich findige Produzenten und Studiobosse gedacht, dass man doch im Vorfeld eine Verfilmung des Musicals auf die weltweiten Leinwände bringen könnte und dabei schon den perfekten Starttermin mit Permanentmarker in den Kalender gekritzelt. Denn wann haben die Leute eher Zeit ins Kino zu gehen als an Weihnachten? So weit, so fehleingeschätzt. Als Regisseur hat man sich Tom Hooper geangelt, welcher bereits 2012 mit seiner Hit-Neuverfilmung von ‚Les Misérables‘ die Kinokassen zum Kingeln gebracht hat. Ebenso sehen lassen kann sich die Darstellerliste: Judi Dench, Idris Elba, Jennifer Hudson, Sir Ian McKellen und sogar Popsternchen wie Jason Derulo oder Taylor Swift zählen zum Katzenrudel. Dann kam im Juli der Trailer und alle waren schockiert. Mit der Herangehensweise des Regisseurs hätte wohl niemand gerechnet. Anstatt ganz nach dem Musical die menschlichen Darsteller in Kostüme zu stecken oder vielleicht sogar einen kompletten Animationsfilm zu drehen, lässt er seine Stars im Ganzkörper-Greenscreen-Strampler mit CGI-Fell überziehen und setzt dann noch die Gesichter der Darsteller oben drauf. Schon damals versuchte man zu beschwichtigen, dass es sich noch nicht um die fertigen Animationen handelt und noch zahlreiche Feinheiten dazukommen werden. Für Viele hatte sich die Sache jedoch da schon erledigt und ein großer Boxoffice-Flop zeichnete sich am noch fernen Himmel ab. Doch jetzt ereilt uns die mutmaßliche Vollkatastrophe doch schneller als erwartet in den heimischen Kinos.

Wir finden uns in den Straßen Londons wieder. Das junge Kätzchen Victoria wird von ihrer Besitzerin in einem Sack einfach in den Müll geworfen. Dort wird sie von Straßenkatzen, den sogenannten Jellicles, aufgelesen und von ihnen lernt sie, was es bedeutet, als Katze auf den Straßen der britischen Hauptstadt zu leben. Die Jellicles befinden sich außerdem gerade mitten im jährlichen Wettbewerb um den Aufstieg in die Kennelly-Heaviside-Schicht (im Film kurz „Heaviside-Schicht“). Was genau das bedeutet, bleibt den gesamten Film nicht wirklich greifbar, am einfachsten ist wohl die Interpretation des Aufstiegs in den Himmel und der damit einhergehenden Wiedergeburt. Um zu gewinnen, müssen sich die Teilnehmer musikalisch unter Beweis stellen. So begleiten wir das „Jungtier“, gespielt von der 27-jährigen Balletttänzerin Francesca Hayward, auf der Suche nach einem neuen Zuhause und ihrer wahren Identität. In den Schatten der Gassen lauert jedoch der böse Kater Macavity, welcher ebenfalls teilnimmt und plant, einen Konkurrenten nach dem Anderen aus dem Weg zu räumen. So klar die Handlung sich jetzt lesen mag, als unvorbereiteter Kinobesucher tut man sich im Nachhinein mehr als nur schwer in Worte zu fassen, was man denn da auf der Leinwand eigentlich gerade gesehen hat.

Ganz offen und unvoreingenommen habe ich versucht, der Musicalverfilmung entgegenzutreten. Dann trifft es einen ab der ersten Sekunde wie ein Schlag. Das Design sowohl von der Welt und auch von den Katzen, die zwar echten, aber eher langweiligen Sets und die kaum vorhandene Story, nichts mag so recht zusammenpassen. Die ersten paar Minuten kann dies Regisseur Hooper noch sehr gut mit den grandiosen Songs des Musicals verschleiern. Obwohl man da schon ein mulmiges Gefühl in der Magengegend bekommt. Alles was auf der Leinwand gezeigt wird, fühlt sich seltsam falsch an. Die Gesichter der Darsteller sitzen nicht immer perfekt auf den Figuren, speziell bei schnellen Bewegungen. Auch bei so manchem Kamerawinkel wollen sich die Gesichter nicht einwandfrei über die Katzenköpfe legen. Uncanny Valley in Perfektion. Wirklich alles an den digitalen Effekten wirkt billig oder unfertig. Man kann einfach nicht fassen, was einem da präsentiert wird.

Sir Ian McKellen, der sich katzenartig mit der Rückseite seiner Pfote putzt, James Corden, der durch die Gegend stolpert und schließlich mit seinem Schritt auf einer Mülltonne landet oder Rebel Wilson, die sich seltsam auf dem Boden rekelt, sich im Schritt kratzt und dann auch noch einen Mäuseflohzirkus zur Performance zwingt, auf welche man allen Ernstes Gesichter von kleinen Kindern setzt. Dann gibt es da noch die Arme an tanzenden Kakerlaken mit Menschengesichtern. Einfach nur abnormal surreal. Wenn ihr euren Kleinen einen Schaden fürs Leben zufügen möchtet, geht ihr mit ihnen in den Weihnachtsfeiertagen in ‚Cats‘. Aber jetzt mal ganz ernst: Bei dem Film handelt es sich definitiv um keinen Weihnachtsblockbuster für Kinder, hier besteht ernsthafte Traumagefahr. Wenn ihr für diese groteske Achterbahnfahrt, ein Ticket löst, wisst ihr genau, auf was ihr euch einlasst. Der prophezeite Totalausfall hat sich bewahrheitet. Sobald der Reiz des Wahnsinns verflogen ist, was spätestens ab der Hälfte einsetzt, setzt gähnende Langeweile ein, da sich die komplette Laufzeit über einfach nur nacheinander Katzen gesanglich vorstellen.

Fazit:

Fangen wir mit dem Positiven an. Um genau zu sein gibt es nur einen einzigen positiven Aspekt an Tom Hoopers Albtraum von einer Musical-Verfilmung und dass sind die Originalsongs des Musicals. Vor allem ‚Memory‘ ist zu einem Klassiker der Popkultur geworden. Alle anderen Aspekte sind ein Totalausfall. Die CGI-Effekte spotten jeder Beschreibung, einigen der Stars raubt man den letzten Funken Würde, eine Story, welche die unerträglich lange Laufzeit rechtfertigen würde, gibt es einfach nicht und wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich noch nie etwas derart ungewollt Skurriles im Kino erlebt. Zum ersten Mal kann ich euch wirklich nur ganz klar von einem Kinobesuch abraten und kommt auf keinen Fall auf die Idee, eure Kinder in den Feiertagen in die Lichtspielhäuser zu schleifen, sonst steht euch einiges an Erklärungsarbeit ins Haus. Wenn ihr ihn trotzdem aus morbider Faszination schaut, stellt euch darauf ein, spätestens ab der Hälfte zu Tode gelangweilt zu werden. Mein Flop des Jahres.

img_1550

Pressematerial zur Verfügung gestellt von Universal Pictures International Austria
Poster: © 2019 Universal Pictures International Austria

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Create a website or blog at WordPress.com

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: