The Suicide Squad – Review

Nach „Suicide Squad“ kommt „The Suicide Squad“. Den Erstling würde man verständlicherweise am liebsten vergessen. Denn der dient jetzt als Musterbeispiel dafür, wie das mutmaßliche Eingreifen des Filmstudios einen Film zu Grunde richten kann. Mutmaßlich deshalb, weil wir die ursprüngliche Fassung des Films wohl niemals zu Gesicht bekommen werden und Regisseur David Ayer nicht gerade für seine durchgehende Reihe an Filmhits und Meisterwerken bekannt ist. Zurück bleibt nur ein weiterer Flop im DC Extended Universe und ein wirklich schmerzhaftes Filmerlebnis. Das man sich für „The Suicide Squad“ entschieden hat, ist daher gar nicht so abwegig, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Und wen konnte man dafür als Regisseur an Land ziehen? James Gunn, der aufgrund von alten, geschmacklosen Tweets gerade von Disney rausgeworfen wurde, hatte daher sogar Zeit für das Drehbuch des Antiheldengemetzels. Ich werde ihn jetzt bewusst nicht verteidigen oder in irgendeiner Form weiter auf seine Tweets eingehen. Gunn hat sich für diese öffentlich entschuldigt und sämtliche Schuld auf sich genommen. Informiert euch selbst, ob ihr dem Mann verzeihen könnt und ob ihr daran glaubt, dass Menschen sich ändern oder reifen können.

Worum geht es denn in „The Suicide Squad“? Die Rahmenhandlung ist ziemlich exakt dieselbe wie bereits in Teil 1. Es gibt einen fast schon hirnrissig gefährlichen Auftrag zu erledigen und um die eigenen Helden nicht in Gefahr zu bringen, schickt man lieber Bösewichte los, die man durch Erpressung gefügig gemacht hat. Mit von der Partie sind wieder Colonel Rick Flag und Harvey Quinn. Neu dazu stoßen Bloodsport (Idris Elba), Peacemaker (John Cena), King Shark (gesprochen von Sylvester Stallone), Ratcatcher 2 (Daniela Melchior) und der Polka-Dot Man, gespielt von David Dastmalchian. Aber keine Sorge, wir erfahren auch, was bei den restlichen Mitgliedern des ersten Suicide Squads gerade abgeht, die Überraschung will ich euch aber keinesfalls verderben. Der ominöse Auftrag verschlägt die neue Truppe auf die Insel Corto Maltese, wo sie eine feindliche Basis stürmen müssen, nachdem dort ein Putsch die „Bösen“ an die Macht gebracht hat. Die Story ist diesmal in Ordnung, sie erfüllt durchaus ihren Zweck und stört nur ganz selten den Flow des Films und die Chemie zwischen unseren Antihelden. Nichts Herausragendes, aber zweckmäßig! Die wohl größte Überraschung ist das R-Rating des Films, denn da geht es richtig heftig zur Sache. Da werden Körper in zwei Hälften gerissen, abgetrennte Köpfe rollen mit ihren Augen und das CGI-Blut spritzt nur so von einer Szene zur nächsten. Außerdem wird ständig geflucht was das Zeug hält. Wir haben also eigentlich sämtliche Zutaten für einen wilden, abgefahrenen und unterhaltsamen Kinoabend beisammen. Aber leider nur fast. Dazu aber erst später mehr.

Courtesy of Warner Bros. Pictures™ & © DC Comics

Kommen wir zuerst zu den positiven Aspekten von James Gunns Gemetzel und da haben wir doch so einiges zu besprechen. Den abgedrehten, verqueren Charme Gunns spürt man glücklicherweise über die ganze Laufzeit hinweg. Er hat ein Gespür für Misfits, für Außenseiter die gegen alle Erwartungen doch jede Menge auf dem Kasten haben. Auch wenn er nicht ganz die Klasse eines „Guardians of the Galaxy“ im Punkto Charakterzeichnung erreicht. Aber hey, vielleicht bekommt er ja mit einer Fortsetzung mehr Zeit dafür, verdient hätten es die Figuren allemal. Da gibt es zum Beispiel Bloodsport, verkörpert von Idris Elba. Er darf den grummeligen Bösewicht mimen, der doch irgendwo tief drin etwas Gutes in sich tragen könnte und das schafft er mit absoluter Leichtigkeit. Elba ist an sich schon ein grandioser Schauspieler, die Rolle scheint aber wie für ihn geschaffen. Natürlich hat ihm die der Regisseur und Drehbuchautor auf den Leib geschrieben. Großes Lob habe ich jedoch für die gesamte Chaotentruppe übrig. Denn eigentlich sind sie alle meine Favoriten. Egal ob der Manchild-Sympathie-Bolzen John Cena als Peacemaker, der strunzdumme, herzerwärmende King Shark oder der zurückhaltende Polka-Dot-Man. Ach was solls, ihn hatte ich am allerliebsten. Seine völlig abstruse Superkraft und sein ewig währendes Trauma sind mir richtig ans Herz gewachsen. Nur mit Harley Quinn bin ich nicht komplett warm geworden, ihr kann Gunn einfach nicht gerecht werden. Und der Einsatz von Blumen in einer bestimmten Szene will sich mir nicht erschließen. Generell war mir, was sie angeht, alles zu Comichaft, aber nicht im positiven Sinne. Macht euch hierzu jedoch am besten selbst ein Bild; fällt nämlich vermutlich eher in die Kategorie „Geschmackssache“.

So gut die Chemie zwischen unserer Antiheldentruppe auch sein mag, so selten sind die Momente, wo wir diese wirklich genießen dürfen, wo es einfach so richtig zündet und wir erinnerungswürdiges mit ihnen erleben dürfen. Als Grund dafür würde ich die nur passable Handlung verorten, denn sie ist der Rahmen, der alles zusammenhält und irgendwie wollen nicht alle Puzzleteile an ihren Platz fallen. Mir war zu keiner Sekunde langweilig und ich war mit nahezu jeder einzelnen Szene richtig gut unterhalten, jedoch tritt hier ein wenig der Deadpool-Effekt ein. Egal ob bei Teil 1 oder 2, bei beiden kam ich wirklich hyped aus dem Kino und bei beiden wollte ich direkt wieder zurück in den Kinosaal für Runde 2. Wirklich Erinnerungswürdig blieb aber kaum eine Szene und der zweite Durchgang war bei beiden eher mau. Und jetzt sag ich euch was: Ich kann es kaum erwarten, „The Suicide Squad“ nochmal zu sehen. Anders als bei Deadpool 1&2 hab ich hier aber das Gefühl, dass James Gunn genug Futter im Film versteckt hat, dass mir auch ein zweiter Besuch beim Selbstmordkommando eine helle Freude bereiten wird. Denn wo Deadpool scheitert, da glänzt Gunns Comicverfilmung. Denn seine Filme haben das Herz immer absolut am rechten Fleck. Am Ende war ich richtig gepackt, mit ganzem Körper involviert und hatte Tränen in den Augen.

Fazit

Freut euch, James Gunns „The Suicide Squad“ ist wirklich, wirklich toll geworden. Der Film hat erinnerungswürdige, einem schnell ans Herz wachsende Charaktere, jede Menge wuchtig inszenierte over the top Action, die knallt und Spaß macht und Dank R-Rating vor Brutalität nur so strotzt. Nur leider dürfen die Figuren in viel zu wenig erinnerungswürdigen Szenen zusammen glänzen. Humortechnisch ist Gunn nicht immer on Point, es mangelt an einem ordentlichen Gegenspieler und der interessant gewählte Handlungsort wird meiner Meinung nach viel zu wenig kreativ genutzt. Dafür trifft er mit dem grandiosen, bombastischen Finale mitten ins Herz. Der Polka-Dot Man, Ratcatcher 2 mit ihrer supersüßen Ratte Sebastian, Bloodsport, King Shark, alle versprühen sie diesen liebenswerten Underdog-Charme, für den Gunn so bekannt ist. Und fast hätt ich sie vergessen: Viola Davis! Mit welch einer Energie und Kraft sie hier in so mancher Szene auftritt, hat mich umgehauen, echt beeindruckend! So ist „The Suicide Squad“ kein absoluter Meilenstein, aber eines meiner bisherigen Highlights diesen Jahres und ein Film, den ihr definitiv im Kino genießen möchtet. Gerne auch im IMAX, denn da scheppert es so richtig! Ich hab wirklich ganz viel Liebe für den Film übrig und kanns kaum erwarten, ihn nochmal zu sehen!

Pressematerial zur Verfügung gestellt von der Warner Bros. Entertainment Inc.
Poster: © 2021 Warner Bros. Entertainment Inc. All Rights Reserved – Courtesy of Warner Bros. Pictures™ & © DC Comics

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