Candyman – Review

Die für mich schönste Zeit des Jahres steht an und langsam aber sicher wird es wieder kühler und vor allem düsterer. Ganz überraschend beschert uns Universal Pictures jetzt schon den ersten Horrorstreifen und dabei handelt es sich um „Candyman“, den Nachfolger im Geiste zum Horrorklassiker „Candyman’s Fluch“, welcher Tony Todd zur absoluten Horrorikone gemacht hat. Basierend auf einer Kurzgeschichte von Clive Barker verstörte dieser in den 90ern das Kinopublikum mit einer Art Mischung aus Freddy Krueger und der berühmt berüchtigten Bloody Mary. Denn fünf Mal muss man seinen Namen aussprechen und dann kommt er und holt dich mit seiner Hakenhand. Fast 30 Jahre später greift Jungregisseurin Nia DaCosta mit Unterstützung von Jordan Peele den Stoff auf und verpasst ihm einen modernen Anstrich. Von Bedeutung ist die Geschichte heute noch, denn unter der Slasherfassade verbirgt sich nämlich eine Geschichte über Rassismus, Hass und Polizeigewalt. Sehen wir uns an, wie denn das zusammenpasst.

Im Mittelpunkt der Story steht Anthony McCoy, ein überaus begabter Künstler, der für seine ausdrucksstarken, makabren Kunstwerke bekannt ist. Nur leider hat er, wie es für Kunstschaffende so üblich ist, eine Blockade, denn die Inspiration will ihn einfach nicht mehr packen. Als bei einem gemütlichen Abend ein Freund eine Gruselgeschichte auspackt, in welcher es um eine verrückte Frau geht, welche im Blut eines enthaupteten Rottweilers Schneeengel macht und dann ein Baby entführt, kann er sich vor Kreativität kaum noch halten. Und Kenner merken schon: Es handelt sich tatsächlich um eine waschechte Fortsetzung, denn die Geschehnisse des Originals bilden die Rahmenhandlung für einen erneuten Streifzug des Naschzeug verschenkenden Schlächters. Anthony verliert sich dermaßen in der urbanen Legende, dass er das Thema des Candymans direkt zu seinem neuen Kunstprojekt erklärt. Was er damit allerdings lostritt, konnte keiner ahnen.

Yahya Abdul-Mateen II als Anthony McCoy

Was einem ab der ersten Sekunde auffällt, ist DaCostas unglaubliches Gefühl für beeindruckende Bilder. Die Farben sind gesättigt und aussagekräftig, die Einstellungen durchdacht und die Settings eindrucksvoll und perfekt in Szene gesetzt. Nahezu jede Szene ist eine Augenweide. Knallig, trotzdem düster, bedrückend und unheilvoll. Hervorragend abgerundet und untermalt wird alles vom sich ins Gedächtnis brennenden Score von Robert A. A. Lowe. Die Hauptrolle des sympathischen Anthonys übernimmt Yahya Abdul-Mateen II, den die meisten von euch wohl aus der Watchmen-Serie kennen werden, was für ein unglaublich talentierter Charmebolzen! An seiner Seite hat er Teyonah Parris, welche ebenfalls eine tolle Performance abliefert. Der komplette Cast lässt eigentlich keinerlei Wünsche offen. Ach was schreib ich, die Fortsetzung ist dermaßen mit Talenten vollgeballert, dass wir uns eigentlich auf ein absolutes Meisterwerk einstellen sollten. Warum es dann doch nicht der ganz große Wurf geworden ist?

Das liegt wohl unter anderem an der doch zu klischeebepackten Story, die sich im Großen und Ganzen irgendwie wie eine doch recht leere Hülle anfühlt und das bei einer angenehm schlanken Laufzeit von gerade mal 91 Minuten. Spätestens im zweiten Drittel plätschert es dann jedoch immer wieder ereignisarm, wenn auch schön anzusehen, vor sich hin. Ebenso mangelt es an Atmosphäre, richtig gegruselt hab ich mich eigentlich in keinem Moment. Gleichzeitig frage ich mich jetzt allerdings, ob ich mich überhaupt gruseln hätte sollen. Jordan Peeles Handschrift, der hier am Drehbuch mitgeschrieben hat, ist nämlich relativ deutlich zu spüren und der sprengt ja am liebsten Genregrenzen und lässt sich nicht immer klar einordnen. Worauf das Schreiberteam eigentlich hinauswill, merkt man relativ schnell, wodurch sich schon früh ein gewisser Zwiespalt in einem aufbaut. Wie ich das meine, erlebt ihr aber am besten selbst. Denn ich möchte euch „Candyman“ trotzdem ans Herz legen, besonders dann, wenn euch alle bisherigen, peele’schen Ausflüge ins Horrorgenre gefallen haben. Seine Einflüsse harmonieren hervorragend mit der starken Regie der talentierten Nia DaCosta. Und der abschließende Schlag in die Magengrube triggert ganz ordentlich! Das Original müsst ihr übrigens nicht gesehen haben, denn das wird sowieso umfassend thematisiert.

Fazit

„Candyman“ ist auf der einen Seite durchaus gelungen, denn die darunterliegende Thematik über Rassismus, Vorurteile und Hass verstört, regt zum Nachdenken an und macht wütend. Wenn euch Rassismus genauso triggert, wie mich, dann marschiert ihr dermaßen geladen aus dem Kinosaal, dass ihr dem nächstbesten Rassistenschwein den Kopf abdrehen könntet. Auch inszenatorisch und cinematographisch überzeugt die Fortsetzung des Horrorklassikers von 1992 auf ganzer Linie. Aber irgendwie bleibt auch ein schales Gefühl zurück, denn zu 100 % zündet der Stoff nicht. Das liegt wohl an der etwas zu formelhaften Story, bei der kein Klischee ausgelassen werden darf. Nur beginnt die Regisseurin zu spät damit, genau diese Klischees ganz Jordan Peele typisch auf den Kopf zu stellen. Erst die letzten 10 bis 15 Minuten haben dann richtig Wumms und entfalten die volle Wucht der Erzählung. Solltet ihr also dem „Zuckerlmann“ eine Chance geben? Definitiv! Unter der doch irgendwie kindischen Slasherfassade verbirgt sich nämlich etwas wahres, verstörendes, erzürnendes, was so manchem Kinobesucher und so mancher Kinobesucherin einen nötigen Denkanstoß verpassen könnte. In diesem Sinne: ACAB und f**k Rassism!

Kinostart: 26.08.2021

Pressematerial zur Verfügung gestellt von Universal Pictures International Austria
Poster: © 2020 Universal Pictures and MGM Pictures. All Rights Reserved. ..CANDYMAN TM MGM. ALL RIGHTS RESERVED.

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