Furiosa: A Mad Max Saga

Lang, lang ist’s her, wo ich mein letztes Review geschrieben habe. Im letzten Oktober hab ich euch zuletzt über „Killers of the Flower Moon“ berichtet, doch dann wurde es sehr still um mich und mein Herzensprojekt Lynch’d Review. Dies hatte zwei Gründe: Zum einen hatte ich mit der größten, gesundheitlichen Herausforderung zu kämpfen, die ich in meinem Leben je bewältigen musste und aus welcher ich jetzt wie neu geboren langsam wieder ins Leben zurückfinden darf. Doch gleichzeitig hat das Thema Film schon länger einen faden Beigeschmack bei mir ausgelöst. Mehr und mehr Filme empfand ich als Zeitverschwendung und immer weniger waren für mich eine Bereicherung. Gerade mal 4 Filme haben mich im letzten halben Jahr wirklich begeistert, jedoch war ich gesundheitlich zu angeschlagen, um mich aufzuraffen und meine Gedanken darüber in die Tasten zu hämmern. Nach meiner OP hat mich dann aber das Programm vom Slash 1/2 dermaßen aus den Socken gehauen, dass es in mir wieder zu flimmern begann.

 © 2024 Warner Bros. Entertainment Inc. All Rights Reserved.

Und jetzt ist er da. Der Film, auf den ich schon eine Ewigkeit warte und der mir seit seiner Ankündigung große Sorgen bereitet hat. Und der Film, der mich jetzt wieder aus der Kritikerversenkung geholt hat. Dabei geht es um die Fortsetzung zu meinem All-Time-Favorite Actionfilm „Mad Max: Fury Road“. Ein Film, der mich derart in den Kinosessel gedrückt und mein Hirn mit ikonischen Bildern und Sprüchen zugepflastert hat, dass ich diesen Kinobesuch nie vergessen werde. „Was labert er da von einer Fortsetzung?“ werdet ihr euch fragen. Eigentlich stand für Mastermind George Miller eine direkte Fortsetzung „Mad Max: The Wasteland“ auf dem Plan und was hab ich mich darauf gefreut. Doch dann kam meine absolute Albtraum-Newsmeldung: Mad Max kriegt vorerst keine Fortsetzung. Stattdessen will sich Miller sich Furiosa, der anderen, legendären Protagonistin von Fury Road widmen. Und das nicht als Fortsetzung, sondern er will ihre Vorgeschichte anhand eines Prequels erzählen.

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Ein größeres Horrorszenario hätte für mich gar nicht eintreten können. Warum die brillante Charlize Theron austauschen und auf eines der verhasstesten Konzepte der Filmgeschichte zurückgreifen? Ihr Antlitz mit dem Schimpfwort „Prequel“ beschmutzen? Alle Phasen der Trauer hab ich durchlaufen, aber jetzt durfte ich ihn endlich sehen….und was hab ich mich in Actiongott George Fucking Miller getäuscht. Hallelujah sag ich da nur, Hallelujah! Er hat es wieder getan. Er hat mich erneut ganz tief in den Kinosessel gesprengt und mir gezeigt, warum es sich doch lohnt, sich im größtmöglichen Kinosaal zu versammeln und die eigene, ach so kostbare Lebenszeit einzutauschen. So will ich euch, wie immer möglichst spoilerfrei, davon erzählen, was mit Furiosas Vorgeschichte auf euch zudonnert.

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Beginnen wir erst mit einem kurzen, möglichst nichtssagenden Umriss der Story. Oh Wunder, wir erfahren, wie Furiosa überhaupt bei Immortan Joe gelandet ist und zur gefürchtetsten War Rig Fahrerin des Wastelands geworden ist. Dabei muss sie sich mit einer anderen Meute Wahnsinniger rumschlagen, der Gefolgschaft des brutalen Dementus. Mehr braucht ihr vorab nicht zu wissen. Lasst euch einfach überraschen. Freut euch stattdessen auf jede Menge bekannter Figuren, die hier verdienter Weise mehr Screentime verliehen bekommen. Genauso können sich die Neuzugänge sehen lassen. Allen voran Chris Hemsworth, der mit einer Hakennase entstellt in die Rolle des wahnwitzigen Anführers Dementus schlüpft und, wenn ich mich nicht irre, zum ersten Mal überhaupt so richtig, richtig böse sein darf. Oh wie steht ihm der Irrsinn und die immer wieder ausufernden, bösartige Anwandlungen, die er in seiner Rolle ausleben darf. Der richtige Clou ist Miller allerdings mit der Besetzung von Furiosa gelungen, die er auf eine Empfehlung von Edgar Wright mit Anya Taylor-Joy besetzt hat, nachdem sie zuvor in Wrights „Last Night in Soho“ begeistern konnte. Was für eine Ausstrahlung die Dame hat, phänomenal.

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Der gesamte Cast kann sich sowas von sehen lassen. Was Miller außerdem gelungen ist, ist das Ausschmücken und verdichten, der ohnehin schon größenwahnsinnigen Endzeitwelt rund um die Wastelands. Hab ich persönlich nicht erwartet, dass tatsächlich noch so viel mehr im Reich um Immortan Joes Zitadelle steckt. Aber genug des Vorgeplänkels, am meisten wollt ihr natürlich wissen, ob wieder ein Action-Inferno der Extraklasse auf euch wartet. Und da kann ich euch beruhigen: Ja, es geht wieder richtig ab und das auf gewohnt hohem Niveau. Es gibt jede Menge rasende Action, mit handgemachten Stunts und Explosionen. Wenn auch in einem anderen Modus, als noch mit Fury Road. „Furiosa“ ist keine Hetzjagd auf Speed, sondern kommt viel konventioneller daher, wenn auch doch ganz eigen. Eine klassische Rachegeschichte präsentiert uns Miller diesmal.

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Kommen wir zu guter Letzt zu den negativen Punkten des Prequels. Ganz so weggeblasen wie Fury Road hat mich Furiosas Vorgeschichte nämlich nicht. Das liegt zum einen an den fehlenden, ikonischen Momenten und Bildern. Es gibt kaum eine Szene, kaum eine Einstellung, kaum einen Charakterzug und kaum einen Spruch, der sich mir direkt in die Synapsen gebrannt hat. Auch wenn Miller mit seinen Memberberries (für die Nicht-South-Park-Fans: Aufwärmen ikonischer Momente) so subtil wie möglich umgeht, verlässt er sich irgendwie doch immer wieder zu sehr auf die ikonischen Momente des Vorgängers. Ein neues „Oh what a lovely day“ oder „Witness me!“ sucht man in „Furiosa“ vergebens.

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Trotz dem Überfluss der handgemachten, mit CGI nur aufgebesserten Actionmomente, gab es für mich gelegentlich doch zu viel reines CGI-Gemetzel. Und zwar so, dass man es bemerkt. Dann fehlt es dem Prequel doch irgendwie an einer Existenzberechtigung. Man kriegt zwar mehr von einigen Figuren zu sehen und man sieht so manche Begebenheit, die bisher nur angedeutet wurde, viel mehr Tiefe bekommen die Figuren jedoch kaum. Negativ aufgefallen ist mir außerdem noch das Pacing ab der zweiten Hälfte. Da gibt es doch den ein oder anderen Durchhänger, wo man zwar immer noch gebannt auf die Leinwand starrt, aber sich die ein oder andere Ermüdungserscheinung breit macht. Das Ende ist dann eher Geschmackssache, ich persönlich bin aber mehr als nur zufrieden gestellt. Meckern auf sehr hohem Niveau. Jede Menge Spaß werdet ihr nämlich definitiv haben.

Fazit

Schließlich und endlich war ich sehr glücklich mit einem anders als erwarteten Wiedersehen mit Millers brutaler, ikonischer Dystopie. Randgefüllt mit donnernden Motorenklängen, das mir jetzt noch die Ohren schlackern und der Tinnitus munter vor sich hinpfeift. Die wahnsinnig intensive Soundkullise, der grandiose Cast, die vor Irrsinn nur so strotzende Welt und die doch überwiegend handgemachte Action haben mir endlich wieder mal gezeigt, warum es Kino gibt und warum unser aller Lieblingsmedium doch immer noch die ganze Welt begeistert. Darum schicke ich euch guten Gewissens in den euch nähsten, größtmöglichen Kinosaal. Lasst euch dieses Spektakel nicht entgehen. Action-Valhalla wartet!

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