Slash Filmfestival 2024 – Twilight of the Warriors: Walled In, Azrael, Strange Darling

Twilight of the Warriors: Walled In

Eine richtige Actiongranate erwartet euch mit „Twilight of the Warriors: Walled In“. Lasst euch jedoch vom Trailer nicht zu sehr beeinflussen. Soi Cheangs neuester Hong Kong Flick ist nämlich mehr als nur ein reines Actiongemetzel im Stile von „The Raid“. Im Kern steckt eine, wenn auch oft seifenoper-esque inszenierte Story mit ganz viel Herz. In den 80ern begleiten wir Chan Lok-kwun, einen jungen Mann, der frisch vom chinesischen Festland nach Hong Kong geflohen ist. Um genug Geld für einen Ausweis zu verdienen, lässt er sich auf illegale Kämpfe ein und prompt wird er von den veranstaltenden Gangstern übers Ohr gehauen. Daraufhin bestiehlt er die Ganoven und muss in die Kowloon Walled City, einen Hochhausfestungsartigen Stadtteil Hong Kongs fliehen, welche bis 1993 tatsächlich so existierte. Damals der Ort mit der größten Bevölkerungsdichte und ein unglaubliches Stück Hong Kong Geschichte. Dort wird er von Cyclone und seiner Gang unter die Fittiche genommen, bis ihn schließlich seine Vergangenheit einholt. Da ich selbst bisher kaum Berührungspunkte mit dem Hong Kong Kino hatte, möge man es mir verzeihen, aber am ehesten würde ich „Twilight of the Warriors: Walled In“ mit einem der Final Fantasy Videospiele vergleichen. Nicht aufgrund der Fantasy-Elemente, sondern wegen der schrulligen, liebenswerten Charaktere, dem Look-and-Feel und generell dem gesamten Vibe, für welchen die Videospiel-Reihe bekannt ist. Die zusammengepferchte Mikrometropole und all ihre Einwohner wachsen einem richtig ans Herz und die Action bläst einen vom Kinosessel. Als einzigen großen Kritikpunkt würde ich die zu lange Laufzeit nennen, welche immer wieder zu Durchhängern führt. Sonst erwartet euch ein abgedrehtes Actionspektakel mit ganz viel Herz, dem ihr eure Aufmerksamkeit schenken solltet, selbst wenn ihr mit der Materie nicht 100%ig was anfangen könnt.

Azrael

Als bisheriges Low-Light des Festivals stellt sich „Azrael“ heraus, ein Endzeit-Actionstreifen, der komplett ohne Dialog daherkommt. Zwar wartet der Film mit einer interessanten Grundszenerie auf, allerdings macht der Regisseur E.L. Katz einfach nichts draus. Stattdessen borgt er sich viel zu viel von anderen, bekannten Endzeit-Szenerien aus. Und das ach so „tolle“ Gimmick stellt sich als Fluch anstatt als Segen heraus. Wenn man nämlich komplett ohne Dialog auskommen will, muss man in der Lage sein, die Spielregeln der dargestellten Welt visuell zu transportieren, woran der Regisseur kläglich scheitert. Mal kommen die visuellen Erklärungen dermaßen Plump daher, dass man schon fast von visueller Exposition sprechen kann, was sich hinten und vorne beschämend gekünstelt anfühlt. Und da man dann auch noch vergisst, sich konsequent an diese Spielregeln zu halten, kann man in die Welt einfach nicht richtig eintauchen. An den meisten Stellen blickt man überhaupt nicht durch, was da eigentlich gerade warum passiert. Aber ja, ich versuch euch kurz mal die Ausgangssituation, die ich verstehen konnte, zu erklären. Der stummen Protagonistin wird in einer post-apokalyptischen Welt der Geliebte von einer bösen Bande geraubt, welchen sie sich jetzt zurück erkämpfen will. In dieser Welt sind alle stumm und überall wandeln verkohlte Zombies durch die Gegend, die durch frisches Blut angelockt werden…zumindest meistens. Ganz so sicher bin ich mir da immer noch nicht. Also ja, ich kann mir grob vorstellen, was das alles soll, aber statt sich um ein originelleres Höllenszenario zu bemühen, klaut man sich dann das nahezu komplette Szenario visuell von „The Last of Us“ zusammen. Dann zieht sich der Revengeflick bei gerade mal 85 Minuten Laufzeit auch noch ständig, da kann selbst Samara Weaving, die wieder mal hervorragend aufspielt und mitreißend leidet, nichts ändern. Also diesen Ausflug in die Hölle auf Erden könnt ihr euch getrost ersparen.

Strange Darling

Vor gut einem Jahr feierte „Strange Darling“ am Fantastic Fest in Austin, Texas seine Premiere und wurde nur so mit Lob überhäuft, musste sich aber auch die ein oder andere kritische Stimme gefallen lassen. Wie auch im Beipacktext des Slash Programmhefts erwähnt, geht ihr am besten völlig unvorbereitet und ohne jegliches Vorwissen ins Kino. Es reicht, wenn ihr wisst, dass es in JT Mollner’s Thriller um eine Mordserie geht, die laut Introtext so in Amerika stattgefunden hat. Mehr müsst und sollt ihr vorab nicht wissen. Denn vom Spiel mit den Erwartungen lebt der Film und sonst raubt ihr euch einen guten Teil der Spannung. Was der bisher recht unbekannte Regisseur da auf die Leinwand zaubert, kann sich wirklich sehen lassen. Schön inszeniert mit jeder Menge Druck dahinter, packt er euch am Schlafittchen und zerrt euch non-linear in 6 durcheinander gemischten Kapiteln durch die Ereignisse des Films. Sein Plan geht zwar nicht ganz auf und was sich da wirklich abspielt, lässt sich relativ schnell erahnen, trotzdem weiß der mit gerade mal 96 Minuten schön knackig kurze Streifen in jedem Moment zu unterhalten. Ob der Film jedoch beim zweiten Sehen genauso Spaß macht, wage ich zu bezweifeln. Etwas frech finde ich auch, dass hier völlig unnötig damit geworben wird, dass es sich angeblich um reale Ereignisse handelt, was einfach nur Blödsinn ist und was dem Filmerlebnis absolut nichts hinzufügt. Nichtsdestotrotz erwartet euch ein toll inszenierter, spannender, abgedrehter Thriller, den es sich lohnt, gesehen zu haben.

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