Ready Or Not – Auf die Plätze, fertig, tot – Review

Reich, dekadent und geisteskrank präsentiert sich die Familie Le Domas in Matt Bettinelli-Olpins und Tyler Gilletts neuestem Comedy-Thrillers ‚Ready Or Not‘, so wie wir es von den Reichen und Schönen gewohnt sind. Wenn es nämlich wieder mal Zeit ist zu heiraten und ein neues Familienmitglied in ihren Reihen begrüßt werden soll, muss ein eigentümliches Ritual eingehalten werden. Bei diesem zieht die Person, die sich in die Familie einheiratet, eine Karte aus einer mysteriösen Schatulle. Dann gilt es, sich dem dadurch ausgewählten Spiel zu stellen. Alle Spiele gestalten sich relativ harmlos, es gibt jedoch einen schwarzen Peter: Verstecken spielen. Da muss die Familie zu antiken Waffen greifen, während die Braut bzw. der Bräutigam sich im gigantischen Herrenhaus versteckt. Und genau diese Karte zieht Grace in der Nacht nach ihrer Trauung aus der rätselhaften Box. So beginnt ganz zum Unmut des Bräutigams Alex die Jagd nach seiner frisch Angetrauten.

Die Einleitung gestaltet sich holprig, uninspiriert und schlecht geschrieben. Der Funke will einfach nicht überspringen. Als hätten die Schreiber immer wieder im ‚Screenwriting für Dummies‘ nachgeblättert und die beiden Regisseure dürften sich auch irgendwie nicht einig gewesen sein. Mit Vorurteilen behaftete Kinogänger bekommen dadurch direkt ihre Bestätigung, diese sollte man hier aber unbedingt zuhause lassen. Hinter dem aufgesetzten, deutschsprachigen Zusatztitel verbirgt sich nämlich tatsächlich ein kleiner Geheimtipp, welcher erst nach der stümperhaften, gestelzten Einleitung so richtig in Fahrt kommt. Speziell Cineasten werden aufgrund der schwachen Dialoge und der vielen Handheld Close-Ups den Kopf schütteln. Dies legt sich aber ebenfalls im Verlauf des Films und sobald die Jagdsaison eröffnet wird, nimmt einem die Handlung und vor allem die Hauptdarstellerin Samara Weaving mehr und mehr ein. Die Dialoge treten immer mehr in den Hintergrund und durch das physische Acting der Schauspielerin gewinnt das Machwerk enorm an Unterhaltungswert. Die noch recht unbekannte Akteurin dreht derart gekonnt an der Hysterie- und Panik-Schraube, dass es besonders zum Ende hin richtig unangenehm wird, ihr beim Verzweifeln zuzusehen, aber im positiven Sinne. Ihre Performance hebt das Gezeigte auf ein neues Level. Ganz im Gegenteil zu den anderen Darstellern. Gerade Adam Brody als Bruder des Bräutigams kann ebenfalls glänzen, der Rest der Besetzung enttäuscht allerdings durch die Bank. Und keiner von ihnen trägt die Schuld daran. Verantwortlich ist nämlich das Drehbuch, welches den stereotypischen Charakteren kaum Platz für großartige Darstellungen lässt.

Mit der Handlung selbst ist es ein ähnliches auf und ab. Diese überrascht mit derben Gewaltspitzen und ab und an traut man sich sogar was, nur um im nächsten Moment wieder ein Cliché zu bedienen. Dazu kommen noch die milden Twists, die eigentlich keine sind, da sie viel zu schlampig und auffällig vorbereitet werden. Die Regiearbeit der beiden Regisseure benötigt ebenso noch einiges an Feinschliff, was sich aber im Filmverlauf stetig bessert. Dann weiß man das tolle Setdesign zu nutzen und der Szenerie Raum zum Atmen zu lassen. Außerdem wird nach der schwachen Einführung ordentlich an der Spannungsschraube gedreht. Der schwarzhumorige Unterton des Films ist jedoch Geschmackssache. So mancher Kinogänger wird von den Gags überzeugt sein, bei anderen schüren diese den Hass gegenüber der reichen Familie. Eine Win-Win-Situation also. Damit mausert sich der Film im zweiten und speziell im letzten Drittel und zieht sein Publikum überraschend in seinen Bann. Also sollte man sich von der drögen Einführung nicht abschrecken lassen und dem Comedy-Thriller eine Chance geben. Fans von ‚You’re Next‘, dem Scream-Franchise oder ‚Cabin in the Woods‘ sei ‚Ready or Not‘ dringend empfohlen!

Fazit:

Was für eine Überraschung. Erwartungslos durfte ich ‚Ready Or Not‘ vorab sehen, war vom ersten Drittel schon richtig genervt und dann kriegt der Streifen derart die Kurve, dass ich ihn euch nun sogar empfehlen würde. Der Hauptgrund dafür ist die Performance von Samara Weaving, denn ihre emotionalen Ausbrüche sind der Wahnsinn. Dazu kommt noch das umwerfende Setting und wie dieses in Szene gesetzt wird. Ein großes Lob an die Set- und Kostümdesigner. Abzüge gibt es jedoch aufgrund der stereotypischen Nebencharaktere, der phasenweise stümperhaften Dialoge und der zum Teil formelhaften Ausführung der doch vielversprechenden Handlung. Fans von Thrillern a la ‚You’re Next‘, ‚The Purge‘ oder des Scream-Franchises sei der Film ans Herz gelegt, es geht nämlich ordentlich zur Sache!

Kinostart: 27.09.2019

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Pressematerial zur Verfügung gestellt von 20th Century Fox Österreich

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