Ad Astra – Zu den Sternen – Review

„Das realistischste Weltraum-Abenteuer aller Zeiten“, diesen Spruch hat sich Regisseur James Gray mit ‚Ad Astra – Zu den Sternen‘ auf die Fahnen geschrieben. Dazu eine Geschichte, die zwar einen großen Rahmen hat, aber einen weitaus kleineren, tiefergehenden Inhalt bietet. Major Roy McBride wird nach einem Unfall auf der größten Antenne der Welt zu einem Spezialauftrag in die Tiefen des Weltalls entsandt. Vor mehreren Jahrzehnten machte sich nämlich Roys Vater Clifford McBride im Rahmen des Lima-Projekts auf den Weg an den Rand unserer Galaxis um nach außerirdischen Leben zu suchen. Aber bereits nach einigen Jahren brach der Funkkontakt zu den Astronauten ab und seitdem galt die komplette Crew rund um McBride Senior als verschollen. 16 Jahre später erschüttern Stromstöße die Erde, welche bei wiederholtem Auftreten eine globale Katastrophe auslösen könnten. Diese Stromstöße kommen aus dem All, nahe dem Jupiter, mutmaßlich ausgelöst durch radioaktive Explosionen hervorgerufen von Captain Cliffords Raumschiff. Also entsendet man Roy zum Mars, um von dort aus mit seinem Vater Kontakt aufzunehmen. Dieser reagiert nämlich nicht auf Funksprüche und sein Sohn soll den wahnsinnig gewordenen Astronauten als letzte Möglichkeit zum Reden bewegen.

Gleich die Intro-Sequenz raubt einem mit spektakulären Effekten den Atem. Roy werkelt am Rande unserer Atmosphäre an der gigantischen Antenne, welche bis zum Erdboden niederragt. Die Stille, gepaart mit Roys Voice-Over und der unglaublichen Wucht der Katastrophe ist sagenhaft. Danach wird es aber erzählerisch ruhig. Als stille Zuseher begleiten wir Brad Pitt in seiner Rolle des in sich zurückgezogenen und vor sich hin brodelnden Astronauten. Der Ideenreichtum von James Gray kennt hierbei keine Grenzen. So werden wir etwa Zeuge eines Touristen-Flugs zum Mond und dürfen das Leben auf dem Erdtrabanten begutachten. Da kommt tatsächlich ‚Blade Runner‘-Flair auf. Geschichtlich treten wir aber auf der Stelle. Die immer wiederkehrenden Monologe Roys machen sich jetzt schon unangenehm bemerkbar. Bis auf ein paar meist recht hohle Phrase haben diese kaum etwas zu bieten, zu oberflächlich und mit der Brechstange geht man an den Vater-Sohn-Konflikt heran, welcher sich größtenteils in Roys Kopf abspielt.

Womit wir beim größten Problem des Films wären: Das ‚Heart of Darkness‘, dass er gerne sein würde, ist er nämlich in meinen Augen nicht. Viel zu oberflächlich behandelt er den Grundkonflikt und der Sog der Handlung möchte einfach nicht so einsetzen, wie er es sollte. Dabei kommt sogar gelegentlich Langeweile auf. Gewisse Entscheidungen Roys brechen mit seinem Charakter und wie für Menschen so üblich stellt selbst der disziplinierte Ingenieur private Angelegenheiten über das Wohl der Allgemeinheit. Und da greift das Problem mit dem großen Rahmen der Handlung. Anders als in ‚Heart of Darkness‘ geht es hier nämlich um eine globale Bedrohung. Wenn der Einsatz Roys nicht klappt, hat dies vernichtende Konsequenzen. Das man dann einfach mal so unentdeckt in das wohl bedeutendste Schiff der Menschheitsgeschichte klettern kann, will einfach nicht zum Gesamtkonzept passen. Da kann man seinem Publikum noch so realitätsnahe Zukunftsszenarien präsentieren.

Trotzdem hat James Gray so einiges zu bieten. Die Inszenierung der Reise ist fernab vom Bombast-Mainstream und gerade dadurch einmalig. Sowohl das Setting, die Effekte und vor allem der Cast überzeugen auf ganzer Linie. Science-Fiction Fans erwartet ein Fest für die Sinne. Brad Pitt hat man selten in einer so anderen Rolle gesehen. Allein durch seine Mimik und seine Ausstrahlung transportiert er so viel, wie man ihm schon lange nicht mehr zugetraut hat. Gelegentlich passen seine Voice-Overs, sie lassen tiefer blicken und erklären so einiges auf der Leinwand Gezeigtes. Hätte sich der Regisseur nur nicht so sehr zu derartige Selbstgefälligkeiten hinreißen lassen und die Menge der Monologe einfach auf die Hälfte reduziert, würde es nicht derart platt wirken. Dazu hätte eine Rahmenhandlung gepasst, welche der persönlichen Handlung Raum gegeben hätte. So wie in ‚Apocalypse Now‘ eben. Dann hätte es auch locker zum absoluten Meisterwerk reichen können. Vieles wird sich dem Zuseher erst beim wiederholten Sehen eröffnen, einen ebenbürtigen Film wie Francis Ford Coppolas Meilenstein, kann ich aber bereits nach dem ersten Durchgang nicht im Ansatz erkennen. Nichtsdestotrotz sei ‚Ad Astra‘ Fans von Kubricks ‚2001: Odyssee im Weltraum‘ und ‚Blade Runner‘ vorsichtig ans Herz gelegt.

Fazit:

Bildgewaltig, ideenreich und ruhig präsentiert uns James Gray sein neustes Werk ‚Ad Astra – Zu den Sternen‘, aber leider auch zu selbstgefällig und langwierig. Hier sollte man keinesfalls einen Action-Thriller erwarten, wie es einem die Trailer zu verstehen geben. Tiefgründig und ernst möchte man gerne sein. Das Nacheifern zu Joseph Conrads ‚Heart of Darkness‘ ist klar erkennbar, ganz tiefe Einblicke in die menschliche Seele bleiben aber aus. Der globale Rahmen lässt die durch und durch kleine, persönliche Geschichte nicht wirklich zu, gibt ihr dabei aber unendlich viel Raum. Für Cineasten und SciFi-Fans trotzdem ein gefundenes Fressen. Vor allem da Brad Pitt wieder mal ganz groß aufspielen kann und einem die ‚2001‘- und ‚Blade Runner‘-Vibes nur so um Augen und Ohren donnern.

Kinostart: 19.09.2019

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Pressematerial zur Verfügung gestellt von 20th Century Fox Österreich

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