The Lighthouse – Review

Robert Eggers, der Schöpfer des grandiosen Ausnahme-Horrorfilms ‚The Witch‘, beschenkt uns diesen November mit seinem neusten Machwerk ‚The Lighthouse‘. Dabei schickt er zwei Männer, der eine ein Seebär der alten Schule namens Thomas, der andere ein motivierter Jüngling namens Ephraim, auf eine einsame Insel mit einem Leuchtturm. 4 Wochen Aufenthalt sind für die Zwei vorgesehen. Dabei sollen sie alle Gerätschaften des Leuchtturms instand halten. Die Arbeitsteilung ist hierbei klar: Thomas besetzt den Leuchtturm und kümmert sich allein um die gigantische Leuchtvorrichtung und Ephraim darf die Drecksarbeit machen. Alle Knochenjobs, wie zum Beispiel das befüllen des Signalhorns mit Kohle oder das Putzen aller Räumlichkeiten, müssen von ihm erledigt werden. Thomas hat das Sagen und führt gleichzeitig Buch über die Arbeit des Jungmatrosen. Verstimmungen zwischen den beiden sind also vorprogrammiert. Gleichzeitig häufen sich unerklärliche Ereignisse auf der Insel. So geht es für die zwei Seemänner stetig aber sicher hinab ins tiefe Tal des Wahnsinns. Diesmal verstört uns Eggers im fast quadratischen 1.19:1-Format, komplett in Schwarz-weiß gehalten. Somit sollte klar sein, dass es sich bei seinem neuesten Werk nicht um einen Film für jedermann handelt, obwohl dieser so viel Tolles für jeden bereithält, wenn man sich einfach nur Zeit dafür nimmt.

Das Format und die Farbgebung machen sich sofort bezahlt. Jeder einzelne Shot ist ein durchdachtes Kunstwerk, als würde man direkt selbst ins späte 19. Jahrhundert abtauchen. Wie schon in seinem vorherigen Werk setzt der Regisseur zu 100 % auf eine authentische Sprachgestaltung. Die beiden Akteure Robert Pattinson und vor allem Willem Dafoe werfen mit unterhaltsamem Seemannsgarn nur so um sich. Wer den Leuchtturm im Originalton genießen möchte, sollte sich darauf einstellen. Die altertümliche, aber gleichzeitig unglaublich faszinierende Ausdrucksweise, verlangt selbst mit englischen Untertiteln einiges vom Zuseher ab. Daher ist meine Empfehlung, den Film selbst mit sehr guten Englisch-Kenntnissen zumindest mit deutschen Untertiteln zu sehen, da vor allem viele nautische Begrifflichkeiten verwendet werden. Wenn man sich aber erst mal darauf eingestellt hat, wird man von den Dialogen hervorragend unterhalten, welche den Großteil des Films ausmachen. Speziell die Hasstiraden Dafoes sind äußerst intensiv, denn sein Schauspiel ist unglaublich eindringlich und echt. Bei den beiden Darstellern weiß man gar nicht, wen man mehr loben soll. Beide Performances sind nicht von dieser Welt und beide gehen vollends in ihren Rollen auf. Die Dynamik zwischen Thomas und Ephraim baut sich zuerst langsam auf und spitzt sich dann mehr und mehr zu, bis sich die zwei Schauspieler einfach nur mehr abwechselnd von Szene zu Szene an die Wand spielen.

Die Grundlage dafür ist Eggers Regiearbeit. Was er da in so einem wunderschönen Minimalismus auf die Leinwand zaubert, ist einfach nur traumhaft. An Felsen zerberstende Wellen, Möwen, die vor lauter Gegenwind in der Luft zu stehen scheinen und dazu noch das durch und durch authentische Setting schaffen es nahezu im Alleingang über fast die komplette Laufzeit zu unterhalten. Das sehr langsame Pacing entwickelt sich aber spätestens gegen Ende des zweiten Drittels zu einem Kraftakt, sowohl für den Zuseher und auch für die Akteure. Fünf bis zehn Minuten weniger hätten der Laufzeit daher schon gutgetan. Außerdem sollten man keinesfalls ein reinrassiges Horrorerlebnis erwarten. Der Horror spielt sich hauptsächlich auf psychologischer Ebene ab. Übernatürliche Elemente werden nur äußerst spärlich eingesetzt, gewinnen dadurch allerdings an Wirkung. Der Fluchtreflex der Protagonisten springt dabei auf das Kinopublikum über, es gibt jedoch kein entkommen. Soundtechnisch dröhnt es nur so aus allen Rohren. Das donnernde Signalhorn wird so manchen Zuseher noch im Schlaf verfolgen. Ein weiterer Kritikpunkt sind die etwas repetitiven Dialoge, welche der Regisseur etwas zu sehr ausreizt. Die eigenwillige Machart, die kammerspielartigen Spannungsmomente, die beiden herausragenden Schauspieler und das unerbittlich dreckige, authentische Setting machen ‚The Lighthouse‘ allerdings zu einem der besondersten Filmerlebnisse diesen Jahres.

Fazit:

Was für ein eindringliches, eigenwilliges Brett. In trostlosem schwarz-weiß gehalten, verfallen wir mit Dafoe und Pattinson langsam dem isolations- und alkoholinduzierten Wahnsinn. Dabei dürfen wir auch noch über die malerischen Bilder der einsamen Insel mit dem Leuchtturm staunen. Ein wundervoll komponierter Albtraum, der Stück für Stück das wahre Gesicht der beiden Protagonisten offenlegt und dabei sowohl verstört, aber auch den ein oder anderen Lacher parat hält. Der hauptsächlich von Dialogen getriebene Film, dürfte allerdings einigen zu sperrig daherkommen und bei vielen große Fragezeichen zurücklassen, welche aber mit jeder weiteren Sichtung immer mehr in Rufzeichen übergehen. Achtet zum Beispiel mal auf die Augen der gemeinen Möwe! Fans von ‚The Witch‘ wissen aber, was sie erwartet und dürfen sich auf ein weiteres herausragendes Kinoerlebnis freuen. Ein wenig zu lang und ein bisschen zu eintönig, trotzdem grandios!

Kinostart: 28.11.2019

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Pressematerial zur Verfügung gestellt von Universal Pictures Österreich

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