Zombieland: Doppelt hält besser – Review

Ein ganzes Jahrzehnt hat es gedauert, um den Originalcast des Hits ‚Zombieland‘ wieder zusammenzutrommeln. Das sich Sony doch noch zu einer Fortsetzung bewegen ließ, war eine echte Überraschung. Trotz des Erfolgs handelt es sich beim Erstling in keiner Weise um einen Klassiker oder gar ein Meisterwerk. Eine Fangemeinde, zu der ich mich selbst zählen würde, ist zwar vorhanden, nach 10 Jahren ist aber eher fraglich, ob es eine Fortsetzung wirklich gebraucht hätte. Irgendwie freute ich mich trotzdem auf die Reunion von Tallahassee, Columbus, Wichita und Little Rock. Sogar Regisseur Ruben Fleischer und die beiden Drehbuchautoren Reese und Wernick sind wieder zurück. Dadurch war die Hoffnung groß, zumindest kurzweilig unterhalten zu werden. Storymäßig gibt man sich episodenhaft. Wir erleben ein kleines Abenteuer mit unseren vier liebgewonnenen Charakteren. 10 Jahre später haben sie sich im Weißen Haus niedergelassen und leben ein ziemlich langweiliges, aber friedliches Leben. Ganz zum Unmut von Little Rock. Die junge Frau sehnt sich nämlich nach der Gesellschaft Gleichaltriger und so ergreift sie gemeinsam mit der ebenso unglücklichen Witchita kurzerhand die Flucht. Als Witchita aber wenig später ebenfalls von ihr sitzengelassen wird, muss sie sich notgedrungen wieder mit Tallahassee und Columbus zusammentun, um nach ihrer kleinen Schwester zu suchen.

Vieles orientiert sich am Vorgänger. So gibt es wieder das bekannte Voiceover von Columbus, die Zeitlupen-Introsequenz ist wieder von einem Metallica Song hinterlegt und mit Splattereffekten hält man sich auch nicht zurück. Direkt danach wird das Tempo allerdings stark gedrosselt. Plötzlich finden wir uns im täglichen Trott der Protagonisten wieder und bekommen Themen aufgetischt, welche vermutlich keiner von uns mit dem Franchise assoziiert hätte oder gar sehen wollen würde. Columbus und Witchita haben nämlich Beziehungsprobleme und präsentiert wird uns das mit jeder Menge Humor auf fast schon Sitcom-Niveau. Da bekommen wir Szenen geboten, welche mich eher Kopfschütteln ließen. Gags wie „Bitte kleb das Gemälde an der Wand ab, es starrt uns beim Sex an!“ oder „Wir haben Streit? Perfekt, ich mach dir einen Heiratsantrag!“, um sie mal frei in meinen eigenen Worten zusammenzufassen, fühlen sich seltsam fremd in der doch so eigenen Zombieapokalypse an. Little Rocks erwachsen werden und ihre Sehnsucht nach Gleichgesinnten ist im Gegenzug einfach nur konsequent und nachvollziehbar, dies bringt wenigstens die bekannten Charakterzüge unserer liebgewonnenen Helden ins Spiel. Die Story, die man da herumstrickt, ist trotzdem absolut unkreativ umgesetzt. Generell wirkt die komplette Handlung extrem forciert zusammengeflickt und daherkonstruiert. Nichts davon will etwas besonders, neu oder anders machen und dadurch bleibt vom Film kaum etwas hängen. Natürlich war der Vorgänger ebenso kein Paradebeispiel von perfekter Filmlogik und dies steht auch keinesfalls im Mittelpunkt, allen voran soll es einfach Spaß machen. Aber was man hier alles schlucken muss, dämpft einfach das Filmvergnügen. Im Erstling war zumindest noch jede Menge Herz zu spüren. Da gab es sogar mal emotionale Momente, wenn man da zum Beispiel an die Enthüllung von Tallahassees Vergangenheit zurückdenkt. Und es stand wirklich noch eine Idee dahinter.

Trotz der vielen Kritikpunkte handelt es sich bei ‚Zombieland: Doppel hält besser‘ per se um keinen schlechten Film. Die Unterhaltung ist kurzweilig, die Gags landen gelegentlich doch ihre Treffer und die Schauspieler wirken durch die Bank motiviert. Was man dem Neuzugang Madison abgewinnen kann, hängt von einem selbst ab. Sie soll nämlich so richtig nerven und dabei strunzdumm sein. Die Schauspielerin Zoey Deutch legt sich aber derart ins Zeug, dass man ihrem Charakter doch irgendwie etwas abgewinnen kann, obwohl ihre Rolle einem Drahtseilakt mit Hang zur Fremdscham gleicht. Wenn mal handgemachte Gore-Effekte eingebaut werden, was allerdings leider viel zu selten der Fall ist, sehen diese schön ekelhaft aus und regietechnisch gibt es auch kaum zu meckern. Die inzwischen stark angestaubte Formel will jedoch einfach nicht mehr zünden und so bleibt das Filmerlebnis sogar unterdurchschnittlich.

Fazit:

Eigentlich sollten alle Zutaten für einen weiteren Splatter-Spaß mit den vier liebgewonnen Überlebenden der Zombieapokalypse gegeben sein. Regisseur Ruben Fleischer, der Originalcast und dieselben Drehbuchschreiber kommen nämlich allesamt zurück. Aber man kann sich zu wenig vom Vorgänger lösen und gleichzeitig fehlt es an genug kreativen Anstößen. So bleibt man insgesamt weit hinter dem ersten Teil zurück und verpasst eine wirklich gute Chance, dem Franchise einen neuen Anstrich zu verpassen und neuen Wind zu verleihen. Es fühlt sich einfach nicht mehr zeitgemäß an und so mancher Kinobesucher wird sich über die gestohlene Zeit ärgern. Eingefleischte Fans können aber trotzdem einen Blick riskieren, ‚Zombieland: Doppelt hält besser‘ ist nämlich kein kompletter Reinfall. Das Pacing sitzt größtenteils, die Schauspieler sind allesamt motiviert und mit genug guter Stimmung und Freunden im Gepäck, reicht es für einen eher seichten Halloween-Abend. Es gibt übrigens eine Mid-Credit- und eine After-Credit-Scene, also beim Abspann sitzenbleiben!

Kinostart: 07.11.2019

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Pressematerial zur Verfügung gestellt von Sony Pictures Entertainment.

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