Sonic the Hedgehog – Review

Videospiel-Verfilmungen sind meist ein leidiges Thema. Bei mir persönlich, als großer Game-Geek, konnte sich nur eine Verfilmung in mein Langzeitgedächtnis brennen: ‚Silent Hill‘ von 2006 von Christophe Gans war einer der Momente, wo es nicht nur so wirkte, als würde ein Studio eine gewinnversprechende Marke aufkaufen und diese dann irgendeinem devoten Regisseur zur Gewinnmaximierung in die Hand drücken. Das „Look and Feel“ stimmte und die Story war durch ihren düsteren Ansatz passabel, auch wenn man merkte, dass er mit dem Wahnsinn des Franchises nicht voll aufs Ganze gehen konnte. Sonst habe ich eigentlich nur Erinnerungen an Negativbeispiele. Komplettausfälle wie die zahlreichen Uwe Boll Verfilmungen, oder der völlig am Thema vorbeigehende Gipfel an Action-Schwachsinn, das ‚Resident Evil‘-Franchise, haben es einem richtig Verdorben, auch nur irgendwie Vorfreude zu Empfinden, wenn es wieder mal eine Ankündigung gibt. Wie auch bei ‚Sonic the Hedgehog‘. Was zur Hölle ist denn da nur passiert? Wer genug vom Sonicgate hat, kann einfach zum nächsten Absatz springen. Für alle anderen möchte ich nochmal kurz alles erläutern. Der erste Trailer wurde im April 2019 veröffentlicht und Sonic-Fans konnten es nicht fassen. Haben die doch ernsthaft den geliebten Igel in ein vermenschlichtes CGI-Monster ohne Augenlieder verwandelt. Von der generisch wirkenden 08/15-Geschichte, wo man den Charakter einfach in unsere Welt wirft, mal abgesehen, darüber wurde gar nicht diskutiert. Dann ruderte Paramount Pictures zurück und der Regisseur Jeff Fowler versprach eine komplette Überarbeitung der Animationen, ganz im Sinne der Fans. Alle jubelten und die kleine Verschiebung konnte die Allgemeinheit dann ebenfalls verschmerzen. Das Redesign traf den blauen Igel auf den Punkt und der PR-Buzz war dermaßen groß, dass böse Zungen von einem abgekarteten Spiel sprachen.

Jetzt ist ‚Sonic the Hedgehog‘ also endlich da und alle sollten sich auf dem Boden der Realität wiederfinden. Wenn man beim Trailer nämlich genau hinschaut, weiß man schon sehr genau, worauf man sich einlässt und was einen erwartet, im positiven, sowie im negativen Sinn. Die Zielgruppe sind nämlich Kinder im Alter von 5-12, würde ich mal schätzen, vor allem für die ganz Kleinen soll es funktionieren. Hoffnung für die Erwachsenen und alteingesessenen Fans gibt es nur in Form von viel Metahumor, welche den Kinobesuch mit den Kids ertragbar machen. Das mutmaßliche Mini-Comeback von Jim Carrey als Dr. Robotnik machte seinen Anhängern ebenso Lust auf mehr. Und wisst ihr was? Es funktioniert, ziemlich gut sogar. Natürlich alles im erwartbaren und im Trailer bereits angeteasten Bereich. Trotzdem bekommen es die Drehbuchschreiber Pat Casey und Josh Miller, sowie der noch eher unbekannte Regisseur Jeff Fowler hin, einen unterhaltenden Mix aus Nostalgie, Kleinstadt-Charme und Road Movie zu fabrizieren, der einen zwar nicht komplett aus den Socken haut, aber trotzdem überraschend viel Spaß macht. Die Handlung ist schnell zusammengefasst. Sonic wird aus seiner Welt vertrieben und landet im Zuge der Flucht auf der Erde, wo er ein verstecktes und einsames Dasein in der Kleinstadt Green Hills fristet. Eines Tages kommt man ihm natürlich auf die Schliche und Sonic muss gemeinsam mit dem liebenswürdigen Sheriff Tom vor dem exzentrischen Dr. Robotnik und der Regierung flüchten. Ja kennt man alles schon, zwar Öde, aber verschwiegen wurde es uns trotzdem nie. Sehen wir uns an, warum es trotzdem über weite Strecken funktioniert. Zwar flach, aber mit ganz viel Herz und Liebe zum Franchise. Als wäre der Regisseur selbst Fan, er musste mit dem Studio allerdings einen Kompromiss finden, um seinen Film verwirklichen zu können. Das man so etwas nicht gutheißen sollte, liegt auf der Hand, oft gibt es in der derzeitigen Filmindustrie allerdings keine andere Möglichkeit.

Einer der Pluspunkte ist das sympathisch in Szene gesetzte Kleinstadt-Setting. Die Charaktere werden liebenswürdig eingeführt und die etwas schnell abgehandelte Vorgeschichte von Sonic ist gefüllt mit Verweisen aufs Spiel. So klappt es auch ganz gut mit dem Aufbau der Verbindung zu den Figuren. Sonic selbst ist ein adrenalingetriebener, unter Strom stehender Sympathiebolzen. Erwartet kein ‚Drachenzähmen‘-Feeling und auch keine zu Tränen rührende Momente, die Chemie zwischen Sonic und Tom ist allerdings durchwegs gut. Die Fülle an Gags (von denen euch der letzte Trailer schon einige Vorweg nimmt, also Achtung!) sollte regelmäßig sowohl beim jungen und ebenso beim erwachsenen Publikum einige Treffer landen. Ich hab mich zwar nie komplett weggeschmissen, der ein oder andere gute Lacher war aber dabei und ich fühlte mich die angenehm kurze Laufzeit hindurch durchwegs unterhalten. Die Action hält sich im Rahmen, man bekommt nichts Neues geboten, die CGI-Gewitter-Verwirrung sollte euch allerdings nicht treffen. Macht schon ganz gut Laune, dem rasenden Igel bei seinen Aktionen zuzusehen und es ist schön, Jim Carrey endlich wieder in einer verrückteren Rolle zu sehen. Carrey ist ordentlich drüber, was euch allerdings ganz schnell auch auf die Nerven gehen kann. Der Mann ist halt einfach Geschmackssache. Wenn ihr ‚Sonic the Hedgehog‘ also eine Chance geben wollt, dann seid euch der Handlung vorab bewusst. Seht euch den Trailer vom November nochmal an. Wenn ihr nach einem Film für eure Kids sucht oder Fans des Franchises seid und euch dieser anspricht, könnt ihr einen Kinobesuch gerne riskieren. Die Kleinen werden unterhalten sein und Jünger des Videospiels bekommen nicht zu viel, aber doch einiges vom Franchise geboten. Ich hatte eine gute, wenn auch nicht spektakuläre Zeit!

Fazit

Mit generalüberholtem Design und überarbeiteten Animationen müssen sich alle Fanboys nun endlich auf den Boden der Tatsachen zurückholen. ‚Sonic the Hedgehog‘ ist nämlich ein Kinderfilm mit nur allzu bekannten Motiven und genau das verspricht auch der Trailer. Sonic muss aus seiner Welt fliehen und landet zufällig genau in einer Kleinstadt in Amerika, wo er sich erst zurechtfinden muss. Dazu noch ein bisschen Road Movie und einen Schuss Nostalgie. Soweit so unkreativ. Trotzdem überrascht der rasende Igel mit familiengerechter Unterhaltung und für einen Kinobesuch als Beschäftigung mit den Kleinen reicht es alle mal. Da haben auch die Erwachsenen was zu lachen und Fans von alten Tagen was zum abnerden. Ich persönlich hätte auch nichts gegen eine Fortsetzung, denn ich wurde durchwegs charmant unterhalten.

Jetzt im Kino!

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Pressematerial zur Verfügung gestellt von Constantin Film

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