Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn – Review

Was war ‚Suicide Squad‘ für eine Enttäuschung. Nach dem mehr als nur vielversprechenden Trailer war der Aufschrei groß, als das Ergebnis mittelmäßiger kaum sein konnte und sämtlich Starpower im belanglosen Action-Getümmel verpuffte. Doch Margot Robbie als Harley Quinn konnte so viel positiven Fanbuzz entfachen, dass es mit ihr irgendwie weitergehen musste, ohne den unsäglichen, uninteressanten Joker von Jared Leto. Eine Fortsetzung zu ‚Suicide Squad‘ ist es aber trotzdem. Die Existenz des Jokers wird nicht einfach aus der Handlung gelöscht, sondern man lässt den Comedyprince of Crime mit Harley Schluss machen. Durch die Trennung verliert Harley jedoch jegliche Immunität, welche die verrückte Psychologin bisher genossen hat. Die Jagd auf Quinn ist also eröffnet und diese Chance kann sich der aufstrebende Gangsterboss Black Mask nicht entgehen lassen, schon viel zu lange tanzt sie ihm auf der Nase herum. Für Harley bricht eine Welt zusammen und ein brutaler Selbstfindungstrip quer durch Gotham beginnt.

Am Regiestuhl nimmt Cathy Yan Platz, welche damit ihren erst zweiten Langfilm abliefert und eine wohl riesige Last auf den Schultern zu tragen hatte. ‚Suicide Squad‘ war zwar ein finanzieller Erfolg, nach den desaströsen Kritiken musste sich im DC Extended Universe was tun, einen zweiten Totalabsturz hätten die Zuseher wohl nicht verziehen, trotz des ungeahnten Potentials von Robbies Harley Quinn. Ob man sich am kindgerechten ‚Aquaman‘ orientiert oder in die gleiche Kerbe schlägt, wie ‚Joker‘ blieb lange unklar. Vor wenigen Wochen gab es dann allerdings Entwarnung: ‚Birds of Prey‘ bekommt ein R-Rating. Schluss also mit der weichgespülten, seelenlosen Popcorn-Unterhaltung des Vorgängers. Mit der Fortsetzung schießt man jetzt derat aus allen Rohren, dass mir in der Pressevorführung doch glatt ein „Was zur Hölle passiert hier?!“ entwichen ist, bei all der Reizüberflutung und all dem Wahnsinn auf der Leinwand. In glattpolierter Musikvideo-Optik packt uns Yan mit Hilfe von Harley an der Schulter und zerrt uns durch eine tatsächlich äußerst spaßige Achterbahnfahrt.

Und das R-Rating macht sich ordentlich bemerkbar. Da werden Knochen oft sogar mehrfach gebrochen, Zähne ausgeschlagen, oder sogar Bösewichte mit Pistolen exekutiert. Inszeniert wird alles als Comedyfeuerwerk, zart besaitet sollte man also nicht sein, wirklich splatterig wird es zwar nie, aber so mancher Schlag oder Tritt lässt einen aufschrecken. Wo wir gleich beim nächsten Pluspunkt sind. Die Action- und Kampfszenen haben nämlich ordentlich Wumms, sind wirklich gut und nachvollziehbar choreografiert und gefilmt und machen richtig Laune. Die durchtrainierte Robbie fliegt nur so mit ihrem Baseballschläger durch Gegnermaßen und zerdeppert jede Menge Gesichter, immer einen frechen Spruch auf den Lippen oder ein Zwinkern im Auge. Was ganz schnell ganz schön nervig werden könnte. Wird es aber in diesem Fall nicht, zu verdanken ist das der energetischen, tollen Performance von Robbie, die einem mit jeder Menge Charme um ihren Finger wickelt und durchgehend unterhält. Außerdem zünden viele der Gags, da ihre keine hohlen, stereotypen, pseudo-coolen Phrasen in den Mund gelegt werden. Quinn ist zwar verrückt, aber trotzdem überaus intelligent und smart, schließlich ist sie promovierte Psychologin.

Um den Zuseher aufgrund der überbordenden, quietschbunten Action nicht völlig den Verstand zu rauben, wechselt man immer wieder zu ruhigen, handlungserweiternde Szenen. Leider nutzt sich der ständige Wechsel im Tempo jedoch sehr schnell ab und fällt irgendwann unangenehm auf. Gerade im letzten Drittel geht der Story ganz schön die Luft aus und das Finale zieht sich, wenn auch die letzte Konsequenz im passenden Ton vorhanden ist. Hier hätte man die Länge einfach nur ein wenig abspecken müssen, 10 Minuten weniger und der Film wäre ein wesentlich runderes Erlebnis gewesen. Wie sich im vorherigen Absatz schon herauslesen lies, liegt der Fokus zu jederzeit ganz klar auf Harley Quinn, wodurch wesentlich weniger ‚Birds of Prey‘ im Actioner stecken, als der Titel vermuten lässt. Die anderen Mitglieder der Frauen-Antihelden-Truppe bekommen zwar ihre Einführung und auch sie haben zu jeder Sekunde ihre Daseinsberechtigung, aber jede Einzelne von ihnen hätte mehr Zeit verdient.

Castingtechnisch kann man auf ganzer Linie überzeugen, Mary Elizabeth Winstead, Jurnee Smollett-Bell, Rosie Perez, Chris Messina, Ella Jay Basco und vor allem Ewan McGregor, jeder und jede von ihnen hat eine Erwähnung verdient. Gregor als verrückter, abstruser Bösewicht Black Mask ist mit seinem Overacting drüber, dass passt aber perfekt zu seiner Rolle. Zwar kein Bösewicht für die Ewigkeit, er erfüllt jedoch hervorragend seinen Zweck, da die Mischung aus Bedrohlichkeit und Karikatur stimmt. Positiv fällt ebenso die verschachtelte Erzählstruktur auf. Getragen wird alles von einem grandiosen Soundtrack, der mit jeder Menge Punk und Rock, aber genauso mit jeder Menge R’n’B Bässen dem Gezeigten den letzten Schub verpasst. Der überbordende Wahnsinn, die meist schnellen Schnitte und der schrille Humor dürften für so manchen Zuseher allerdings zu viel sein. Wenn ihr auf adrenalingetriebene, bunte Action steht, werdet ihr von ‚Birds of Prey‘ positiv überrascht sein. Hier bekommt ihr nämlich endlich das, was uns ‚Suicide Squad‘ damals versprochen hat.

Fazit

Ihr könnt mich verrückt nennen, ich hatte aber so eine gute Zeit, dass ich doch glatt 8 von 10 Punkten vergebe, auch wenn ich euch die klare Tendenz zur 7 nicht verheimlichen möchte. Mich hat der verrückte Charme derart gepackt, dass ich mich sogar über den ausgestopften Biber im rosa Tutu weggeschmissen habe. Margot Robbie führt die starke Frauen-Antihelden-Truppe mit einem Übermaß an Spielfreude an, gibt ihrem Charakter sogar emotionale Tiefe und reißt bis zur letzten Sekunde mit. Trotz einiger Durchhänger, dem eher lahmen letzten Drittel, dem etwas zu offensichtlichen Tempoeinsatz und dem zu starken Fokus auf die Hauptfigur. Die Action sitzt, hat Wucht und vom Gewaltlevel her setzt man schon in den ersten Minuten ein heftiges Statement. Regisseurin Cathy Yan hat großartige Arbeit geleistet. Gerne mehr davon, Warner und DC!

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Pressematerial zur Verfügung gestellt von der Warner Bros. Entertainment Inc.
Poster: © 2020 Warner Bros. Entertainment Inc.

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