Eternals – Review

Wir befinden uns mitten im Kick-Off zur Phase 4 des Marvel Cinematic Universe. Nach „Shang-Chi und die Legende der zehn Ringe“ erwartet uns nun einer der wohl heißerwartetsten Marvel-Comicverfilmungen überhaupt. „Eternals“ nennt sich der neueste Eintrag und wirft uns damit direkt eine Truppe aus 10 neuen Superhelden entgegen. Ja, richtig, 10! Und da ist niemand dabei, den man auch nur im Ansatz kennen könnte. Wenn ihr von den Eternals noch nie etwas gehört habt, dann ist für euch alles neu. Aber wie will man einer derartigen Menge an Figuren ordentlich Fleisch und Charaktertiefe verschaffen? Man holt sich eine ganz große des Arthouse-Kinos, die Oscar-Gewinnerin Chloé Zhao ins Haus Disney. Sie hat uns dieses Jahr bereits mit „Nomadland“ berührt, nun muss sie jedoch die Mammutaufgabe stemmen, zehn völlig neue Charaktere einzuführen. Mit den Eternals, unsterbliche Humanoide, die vom Celestial Arishem erschaffen und auf die Erde geschickt wurden, um den Planeten vor den bösen Deviants zu verteidigen, geht es weiter weg von den bekannten Superhelden-Cliches, hin zu uns unbekannten Gefilden, zumindest thematisch. Aber auch mit dem bekannten MCU-Schema versucht Zhao zu brechen. Ob das MCU einen derartigen Bruch aushält? Oder handelt es sich einfach nur um eine entschleunigte Version des Marvel-Schemas F?

(L-R): Karun (Harish Patel), Kingo (Kumail Nanjiani), Sprite (Lia McHugh), Sersi (Gemma Chan), Ikaris (Richard Madden), Thena (Angelina Jolie), Gilgamesh (Don Lee) in Marvel Studios‘ ETERNALS. Photo courtesy of Marvel Studios. ©Marvel Studios 2021. All Rights Reserved.

Es sind jetzt bereits einige Tage vergangen, seit ich „Eternals“ sehen durfte. Ich konnte mich einfach nicht dazu bringen, per Schnellschuss ein Review aus mir rauszuwürgen, wenn ich mit derart gemischten Gefühlen aus dem Kino gegangen bin. Nun hab ich aber endlich ein klares Bild von dem Film und kann ihn für mich richtig einordnen. Wer meine Reviews verfolgt, der weiß, dass ich kein großer Fan des Marvel-Bombastkinos bin. In dem Sinne, Gratulation zur Nummer 26, hurray! Als vor einiger Zeit jedoch Chloé Zhao als Regisseurin angekündigt wurde, wurde ich hellhörig. Nachdem ich „Nomadland“ gesehen hatte, sogar leicht euphorisch. Jetzt ist mir allerdings klar, dass ich damals einfach verblendet war und gar nicht wusste, welche Implikationen die Regisseurin auf den Film haben könnte, sofern der Mäusekonzern gemeinsam mit Kevin Feige sie überhaupt lassen würde. Erwartet hab ich deshalb eine Revolution, einen Wendepunkt, einen Knick in der Marvel-Formel, wenn man so will. Gelassen haben sie die äußerst talentierte Frau. Was mir allerdings nicht klar war und eigentlich sehr leicht vorherzusehen gewesen wäre, ist, dass man hier versucht, Dinge zusammenzubringen, die einfach nicht so gut harmonieren, wie ich es gerne hätte. Gleich zehn Superhelden in nur einem Film halbwegs Fleisch zu verpassen, dass schafft nicht mal eine Chloé Zhao. Und genau das führt zu den Problemen, die ich mit „Eternals“ habe. Aber eines nach dem anderen, komplett enttäuscht wie so manch andere Kritiker-Kollegen war ich nämlich nicht.

Was mir wirklich bis auf eine Ausnahme sehr gut gefallen hat, ist der Cast. Gemma Chan führt die Truppe zwar nicht offiziell, aber gefühlt, an. Dank ihrer Ausstrahlung und ihrem Charisma trägt sie ihre Rolle sehr gut. Selbiges gilt für Angelina Jolie, Don Lee, Brian Tyree Henry, Lia McHugh, Kumal Nanjiani, Salma Hayek, Lauren Ridloff, alle spielen sie wirklich gut. Aber, und jetzt kommt ein großes Aber, ihre Figuren bleiben hauchdünn, uninteressant, verhalten sich merkwürdig oder balancieren stets auf der Grenze zur Lächerlichkeit entlang. Da beißt sich die Charakterzeichnung mit dem typischen, hier meist aufgezwungenen, Marvelhumor und kämpft dabei gegen die eigentliche Rahmenhandlung an. Kommen wir jedoch jetzt zu der vorhin erwähnten Ausnahme: Richard Madden. Sein roboterhaftes Acting hat mich sehr gestört. Fast wirkt es so, als hätte er als einziger das Memo erhalten, dass sich sein Charakter wie ein emotionsarmer Halbgott verhalten soll, was sie ja im Endeffekt alle eigentlich sind. Es handelt sich immer noch um eine Comic-Verfilmung, ja klar, aber eine derart vielversprechende Regisseurin hievt das Gesamtwerk von Grund auf auf ein völlig anderes Level. Und solche komischen Inkonsistenzen Handlungsentscheidungen ziehen sich durch den gesamten Film. Später entziehen sich zum Beispiel Figuren einfach aus unerfindlichen Gründen aus der Handlung, obwohl sie für das Vorhaben essentiell sein sollten.

Kingo (Kumail Nanjiani) in Marvel Studios‘ ETERNALS. Photo courtesy of Marvel Studios. © 2021 Marvel Studios. All Rights Reserved.

So sehr wollte ich die „Eternals“ mögen. So gern hätte ich es gehabt, dass ein Marvel-Film es endlich schafft, meine kindliche, tiefvergrabene Liebe zu Comics wieder zu entfachen. Das ich mich hier aber eigentlich auf eine ähnlich bedenkliche Mischkulanz wie z.B. David Lynchs „Dune“ freue, ist mir aber erst jetzt im Nachhinein klar. Marvel + Chloé Zhao hätte klappen können, aber nicht so. Nicht, indem man ihr 10 Figuren vorsetzt, die langweiliger nicht sein könnten und dann noch deren Handlung so stark entschärft, dass sie ja nicht das MCU aufgrund ihrer Macht direkt für sich einnehmen. Frau Zhao wäre eigentlich ein Joker für das MCU gewesen, um einer speziellen Figur einen denkwürdigen Einzelauftritt zu verpassen. Der Logan, der der Filmmarke Marvel noch so dringend fehlt. Stattdessen verpulvert man sie an die zehn wohl unspektakulärsten Charaktere überhaupt, wo aufgrund der schieren Fülle jede noch so talentierte Person gescheitert wäre. Was bleibt ist einer der für wohl langweiligsten Einträge im Marvel Katalog. Umso gespannter bin ich auf die Reaktionen des Kinopublikums, gefühlt befinden wir uns nämlich an einem Scheideweg. Mal sehen, was größer ist, die Übersättigung der ZuseherInnen oder ihr Durst nach leinwandfüllenden Kino-Blockbustern. Denn schon langsam muss sich Herr Feige und seine Truppe wirklich was trauen.

Fazit

Der wohl größte Marvel-Film des Jahres bereitet mir das meiste Kopfzerbrechen. So gern ich auch eine Revolution des Marvel-Kinos gehabt hätte, Oscarpreisträgerin Chloé Zhao schafft es einfach nicht, den unglaublichen Umfang an Story und Charakteren in ein harmonisches Filmpaket zusammenzuschnüren. Viel zu viele neue Figuren muss sie einführen und erklären, gleichzeitig wird’s immer „Science Fiction“-lastiger und der marveltypische Humor und bombastische Action will dann auch noch irgendwie Platz finden. Wie hätte das denn in einem einzigen Film funktionieren sollen? Ich kann mir tatsächlich kein Szenario und kein Produktionsteam vorstellen, welches es mit dem Stoff der „Eternals“ aufnehmen hätte können. Man weicht stark von der bekannten Formel ab, die Charaktere wachsen einem zumindest oberflächlich ans Herz, der Cast ist divers und hochmotiviert, und die Action ist schön anzusehen und nachvollziehbar. Alles in allem bleibt aber nur ein halbgares, leicht überdurchschnittliches Werk übrig, welches so viel besser hätte werden können, der Regisseurin wärs vergönnt gewesen. Lasst euch außerdem „Nomadland“ nicht entgehen, das Review dazu findet ihr >HIER<.

Pressematerial zur Verfügung gestellt von Walt Disney Studios Motion Pictures Austria
Poster: © 2021 Marvel Studios. All Rights Reserved.

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