Ghostbusters: Legacy – Review

Nach der herben Enttäuschung des 2016 veröffentlichten Unfalls, der sich schlicht einfach nochmal „Ghostbusters“ getauft, aber mit den beiden Originalfilmen absolut nichts mehr gemein hatte, spielt man dieses Jahr wieder mal mit den Hoffnungen der Ghostbusters-Fans. Diesmal handelt es sich allerdings nicht um ein Vehikel für den verblödeten Impro-Humor der Beteiligten, sondern bei „Ghostbusters: Legacy“ (der nur im deutschsprachigen Gebiet Legacy heißt, der eigentliche Titel lautet nämlich „Ghostbusters: Afterlife“) nimmt der Sohn des damaligen Regisseurs Ivan Reitman Platz, der aufstrebende Filmemacher Jason Reitman. Den dürften die meisten von euch für den Coming-Of-Age-Hit „Juno“ kennen. Schon damals durfte Jason als Kind am Set der ersten beiden Ghostbusters-Teile dabei sein und bekommt jetzt die Chance, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten. Ob es damit aber für ein vollwertiges, verdientes Sequel reicht? Finden wir es gemeinsam raus.

© 2021 Sony Pictures Entertainment. / Columbia Pictures

Ich selbst bin absoluter Fan, hab die alten Filme, vor allem Teil 2, bestimmt 50, wenn nicht sogar hunderte Male gesehen und stand auch jeden Sonntagmorgen für die Zeichentrickserie parat. Für die Filme war ich damals viel zu jung. Die Szene mit den aufgespießten Köpfen auf den U-Bahn-Schienen? Die verfolgt mich heute noch. Außerdem waren die Helden ständig am Rauchen und auch sonst keine besonders guten Vorbilder. Hat als Kind schon was verharmlosendes, wenn die eigenen Helden cool am Glimmstängel ziehen. Und für Ray gab’s sogar einen Geister-Blowjob. Was man heutzutage offensichtlich und glücklicherweise nicht mehr bringen könnte. Hier hatte Jason Reitman, gemeinsam mit Gil Kenan, die zündende Idee: Verlagern wir den Fokus doch lieber auf eine Gruppe Kinder. So kann man stets am Rande der Kinderfreundlichkeit rumtänzeln und der Regisseur kann so direkt eine Coming-Of-Age-Story miterzählen. Aber jetzt nicht falsch verstehen, für die ganz Kleinen ist „Ghostbusters: Legacy“ nicht geeignet. „Ab 12“ find ich zwar dann doch etwas heavy, aber daran ist einfach unser Alterseinstufungssystem schuld. Darunter gibt’s nämlich nur „ab 6“. Zehnjährigen kann man den Film bestimmt schon zumuten, vielleicht sogar noch ein wenig jüngeren Kids.

© 2021 Sony Pictures Entertainment. / Columbia Pictures

Kommen wir als nächstes zu den Darstellern. Angeführt werden die neuen Ghostbusters eindeutig von der kleinen Mckenna Grace. Sie ist der absolute Wahnsinn. Sympathisch, furchtbar liebenswürdig und gleichzeitig stark verkörpert sie die 12-jährige Phoebe, das Genie der Truppe. Ihr drei Jahre älterer Bruder Trevor, gespielt von Finn Wolfhard, denn so ziemlich jeder aus „Stranger Things“ kennt, ist der schlaksige, junge Mann fürs Grobe. Dann ist da noch Callie, die Mutter der Beiden, gespielt von Carrie Coon und ihr Love Interest und mein MVP, der Geologe Gary, in dessen Rolle Paul Rudd schlüpft. Perfekter hätte man die Figuren nicht besetzen können. Und nicht zu vergessen Logan Kim, der Phoebes Klassenkollegen Podcast spielt. Die Charaktere der Vorgänger sprenkelt man dann sehr angenehm und organisch immer wieder dazwischen. Genauso soll’s sein. Generell schafft es Reitman nahezu perfekt, ein nostalgisches Gefühl zu erzeugen, obwohl die Geschichte im Hier und Jetzt spielt. Weg von der Stadt geht’s in ein niedliches, kleines Städtchen in Oklahoma, wo man auf den meisten technischen Schnickschnack noch ganz gut verzichten kann. Der Settingwechsel gelingt dem jungen Regisseur recht gut, irgendwie fehlt aber dann doch New York spürbar. Die Stadt war in Ghostbusters 1 & 2 fast schon immer ein eigener Charakter.

© 2021 Sony Pictures Entertainment. / Columbia Pictures

Betrachten wir zum Schluss noch die negativen Aspekte der Fortsetzung, denn perfekt ist diese trotz all dem Lob und meiner Euphorie nicht. Sie lässt sich zum Beispiel gerade am Anfang etwas zu viel Zeit, um in die Gänge zu kommen und im Mittelteil kommt man pacingtechnisch nochmal leicht ins Stolpern. Nur um dann im Finale gar nicht schnell genug ins Ziel kommen zu können, denn da hat man’s dann plötzlich eilig. Außerdem kann Bill Murray gerade im emotionalsten Moment des Films seine mangelnde Spielfreude wieder mal nicht verstecken. Das am meisten verschenkte Potential findet sich jedoch in der Auswahl und Menge der Geister, und damit mangelt es allgemein am Gruselfaktor. Was wirklich enttäuschend ist, denn gerade bei den Geistern greift man viel zu sehr auf bereits Bekanntes zurück. Am liebsten wäre mir noch ein zusätzlicher „Geist des Tages“-Einsatz gewesen. Dabei muss man nicht direkt alle mit aufgespießten Köpfen erschrecken, aber nochmal so ein kleiner Zwischenfall, wie damals mit den Scoleri Brüdern im Gerichtssaal, wo man ein bisschen mehr am Gruselrädchen dreht, um auch die Erwachsenen im Bereich Horror abzuholen, hätte den Film zu einem wesentlich runderen Erlebnis machen können. Richtig eingesetzt, lässt es sich schaffen, dass man mit einer minimal härteren Gangart, die Neugier der Jüngeren ankurbelt. Erfreulicherweise kann ich euch „Ghostbusters: Legacy“ trotz der Makel wirklich empfehlen und wärmstens ans Herz legen. Was Jason Reitman da geschaffen hat, wird vor allem Fans abholen und kann gleichzeitig das jüngere Publikum aufmerksam auf das Franchise machen. Am Ende musste ich mir sogar ein Tränchen verkneifen. Ach ich freu mich und würd ihn am liebsten direkt nochmal sehen!

Fazit

Mit „Ghostbusters: Legacy“ bekommen alle Fans endlich die Fortsetzung, die sie verdienen. Da ist Jason Reitman doch tatsächlich ein kleiner Geniestreich gelungen. Er fängt perfekt die Essenz der damaligen 80s Movies ein und transportiert diese ins Hier und Jetzt, ohne sich zu sehr auf die alte Garde zu verlassen. Sein wohlig-warmer Abenteuer-Nostalgieflash braucht am Anfang zwar etwas, bis die Wärme auch bei einem ankommt und er hätte eine ordentliche Portion Grusel vertragen können, insgesamt hat’s mich trotzdem so richtig gefangen. Um jetzt nicht zu viel zu übertreiben, Reitmans Geisterjäger sind keine Revolution, aber eine kleine Offenbarung. Die hervorragend gecasteten Darsteller unter der Leitung Reitmans bescheren vor allem Fans einen hervorragenden Kinoabend. Ob er aber beim erwachsenen Nicht-Fan-Publikum ebenso gut ankommt, bleibt nur zu hoffen. Genauso spannend wird die Reaktion der jungen Kinobesucher. Freigegeben ist der Film ab 12 Jahren und wie er bei dem Alterssegment überzeugt? Keine Ahnung, aber versucht es. Egal ob im Kino oder später Zuhause, ich wünsch euch ganz viel Freude mit „Ghostbusters: Legacy“. Es gibt übrigens eine Mid- und eine After-Credit-Szene, also brav bis zum Schluss sitzen bleiben.

Pressematerial zur Verfügung gestellt von Sony Pictures Entertainment.
Poster: © 2021 Sony Pictures Entertainment. / Columbia Pictures

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