Es: Kapitel 2 – Review

Zwei Jahre nach Andy Muschiettis Überraschungserfolg mit dem ersten Kapitel seines ‚Es‘-Remakes will er die Geschichte um Pennywise und den Losers Club aus Derry nun zu einem Ende führen. Sowohl Fans des Buches und auch die meisten Kritiker waren von der Wuchtigkeit des Erstlings begeistert. Wo die Fernsehproduktion mit Tim Curry noch als weichgespülte TV-Unterhaltung galt, kam Muschietti mit einem ernstzunehmenden Film um die Ecke. Da nach 27 Jahren die Morde und Vermisstenanzeigen in Derry wieder vermehrt auftreten und sich der nun erwachsene Mike sicher ist, dass der bösartige Clown wieder sein Unwesen treibt, müssen die Mitglieder des Loosers Clubs ihr Versprechen einhalten und erneut gegen Pennywise antreten. Direkt die Opening-Sequenz macht keine Gefangenen. Denn zuerst werden wir mit der immer noch völlig heruntergekommenen und noch bösartigeren Jugend der Kleinstadt konfrontiert und nur wenige Augenblicke später tritt schon der geschminkte Dämon auf den Plan. Brutal und erbarmungslos gibt der Regisseur den Grundton des Films an. Abgerundet vom verstörenden Titelschriftzug unterlegt mit unter die Haut gehenden Kinderschreien.

Bill, Eddie, Beverly, Richie, Ben und Stan haben Derry bereits vor Jahren verlassen und damit die meisten Erlebnisse vergessen bzw. verdrängt. Nur Mike hat es nicht aus der Stadt geschafft und konnte damit die Vorkommnisse nie aus seinen Erinnerungen verbannen. Jetzt dürfen wir unseren Losers Club also erneut kennenlernen und bekommen einen Einblick in die Leben unserer Helden. Der erwachsene Cast wirkt auf den ersten Blick sagenhaft besetzt. Jedes einzelne Clubmitglied wurde im Hinblick auf die jungen Darsteller perfekt gecastet. So wurde sogar auf Fanwünsche eingegangen und Beverly zum Beispiel mit Jessica Chastain erwählt. Dies geht jedoch auf Kosten der Gruppendynamik. Die Chemie der Gruppe mag einfach nicht so gut funktionieren wie bei den Kindern. Natürlich haben sich rein handlungstechnisch alle verändert und auseinandergelebt, aber ab einem gewissen Zeitpunkt sollte es trotzdem wieder Klick machen, was einfach nicht so richtig hinhaut. James McAvoy spielt den nun als Buch- und Drehbuchautor arbeitenden Bill. Die verschiedenen Verhaltensweisen und das wieder aufkommende Stottern mimt der Darsteller mühelos, lässt aber immer wieder seinen schottischen Akzent durchkommen. Dies ist jedoch zu verschmerzen. Viel zweischneidiger zeigt sich die Besetzung von Bill Hader als Richie. Als Stand-Up-Comedian macht der Schauspieler eine gute Figur, der emotionalen Tragweite seines Charakters wird er allerdings niemals gerecht. Die übrigen Akteure passen gut, fallen aber auch nicht besonders auf, da es das Drehbuch einfach nicht zulässt. Bei einer Laufzeit von 2 Stunden und 49 Minuten schon ein starkes Stück.

Womit füllt der gebürtige Argentinier also seinen Film? Mit einer Füllerszene nach der anderen und sehr, sehr vielen Rückblenden. Immer wieder sehen wir unsere liebgewonnenen Kids bei weiteren aufeinandertreffen mit Pennywise. Meistens verleihen diese Rückblenden aber weder Tiefe, noch treiben sie die Handlung voran. Die Geschichte der Erwachsenen bleibt dadurch weitestgehend auf der Strecke. Warum man sich nicht getraut hat, dem Handlungsstrang der gealterten Helden einen neuen Anstrich oder einen erwachsenen Ton zu verleihen, will sich einfach nicht erschließen. Das übergeordnete Thema des Films lautet „Stell dich deiner Angst“ und so setzt man weitaus weniger auf Grusel, sondern auf Konfrontation. Atmosphärisch erreicht man kaum die Dichte des Erstlings, sondern haut den Zusehern lieber einen Jumpscare nach dem anderen vor den Latz. Und dabei wird man auch noch furchtbar repetitiv. Immer wieder heißt es „Komm näher, komm näher!“ – „Buuuh!“. Wenn man da beispielweise an die atmosphärisch großartig aufgebaute Szene mit Beverly und dem Waschbecken aus Teil 1 denkt, werden viele enttäuscht sein. Derartig unangenehm wird es nämlich kaum. Ebenso wenig weiß der Regisseur mit Bill Skarsgårds Clown anzufangen. Mit ihm gibt es eigentlich keine erinnerungswürdige Szene. Stattdessen verlässt man sich auf eher schlecht als recht animierte Monster, die einem schreiend ins Gesicht springen. Obwohl der Macher sich bei der zweiten Hälfte von Kings Buch erst so richtig austoben hätte können.

Jedoch genug mit dem Negativen, ‚Es: Kapitel 2‘ ist nämlich keineswegs ein schlechter Film. Der Regisseur beweist erneut sein Händchen für Spielberg-artige Abenteuergeschichten und Langeweile mag ebenfalls nie so richtig aufkommen, es hapert nur an der Qualität des Drehbuchs. Als hätte er sich beim Schreiben gehetzt und dadurch komplett den Fokus verloren. Trotzdem sei der Streifen Horror-Fans empfohlen, denn die Geschichte wird zumindest inszenatorisch gut zu einem Ende geführt. Auch wenn man sich mit den Dutch-Angles zurückhalten hätte können. Gefühlt 50 % der Einstellungen versuchen so Unbehagen zu provozieren, irgendwann nervt es aber nur mehr. So füllt sich das Werk zwar rund, aber stark erzwungen an. Was der Erstling versprochen hat, kann somit keineswegs eingehalten werden.

Fazit:

‚Es: Kapitel 2‘ erweist sich als durchaus runder Abschluss, jedoch fernab von den Qualitäten des Erstlings. Der atmosphärische Grusel wird fast völlig gestrichen und weicht einer Aneinanderreihung von repetitiven Jumpscares. Vollgepackt mit belanglosen Rückblenden, welche den Streifen völlig zerdehnen. Das Opening knüpft qualitativ nahtlos an den Vorgänger an, verliert sich dann aber mehr und mehr in absoluter Mittelmäßigkeit. Der Charme und die Sympathie des noch jungen Loosers Clubs blitzt nur gelegentlich durch, bei den Erwachsenen mag der Funke aber irgendwie nie so richtig überspringen. Auch mit seinem Clown weiß der Regisseur nicht mehr so richtig was anzufangen. Stattdessen setzt er vermehrt auf CGI-Monster, die einem laut quietschend entgegenspringen. Qualitativ zwar immer noch hochwertig, wenn auch manchmal zu steril, wird der zweite Teil so einige eher enttäuscht zurücklassen. Wirklich schade, daraus hätte man mit etwas mehr Zeit und Geduld so viel mehr machen können.

Kinostart: 05.09.2019

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Pressematerial zur Verfügung gestellt von der Warner Bros. Entertainment Inc.

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