Nobody – Review

Leute, glaubt ihrs? Die Kinos haben tatsächlich wieder ihre uns heiligen Pforten geöffnet und wie ich es schon in meinem letzten Review zu „Nomadland“ prophezeit habe, welches ihr direkt im Anschluss auch unbedingt lesen müsst, gehts jetzt so richtig los. Ein spannender Kinorelease jagt den nächsten und so ziemlich jedes Genre bekommt einen zumindest würdigen Vertreter auf der Leinwand. Sofern es mein Leben am Limit zulässt, hab ich sehr bald noch einen absoluten Leckerbissen als Review für euch. Aber jetzt zu einem der heißerwartetsten Filme dieser Woche, „Nobody“ nennt er sich und lässt den Anwalt unseres Vertrauens, Saul Goodman, in einem für ihn komplett fremden Licht erstrahlen. Die Rede ist natürlich von Bob Odenkirk, der sich mit seiner durch und durch ikonischen Rolle für immer in unser Gedächtnis gebrannt hat. Er macht jetzt nämlich einen auf John Wick, in der Family Man Edition und statt Rache für den kaltblütigen Mord an einem süßen Hundewelpen, gibts einen blutigen Pfad aus Tod und Verwüstung aufgrund eines gestohlenen Kitty Cat Armbands!

Der gelangweilte, im Alltagstrott gefangene Familienvater Hutch schafft es eines Nachts nicht, seine Familie vor zwei Einbrechern zu beschützen, wodurch ihn vor allem sein Sohn noch mehr für einen Versager hält. Insgeheim wartet Hutch jedoch nur auf einen letzten Trigger, um seine brutale Vergangenheit wieder aufleben zu lassen. Und so stolpert er schnurstracks in einen Krieg mit der russischen Mafia. Die Regie übernimmt der Mann hinter dem Egoshooter-Simulator „Hardcore Henry“ Ilja Naischuller. Geschrieben wurde „Nobody“ von Derek Kolstad, der sich auch für die Drehbücher der kompletten John Wick Trilogie verantwortlich zeichnet. Die ersten beiden Teile hat er sogar komplett im Alleingang verfasst. Diesmal traut er sich aufgrund des grandiosen Comedytalents, welches in Odenkirk steckt, dessen Charakter Hutch mit Humor auszustatten. Als Zusatzfeature trumpft man außerdem noch mit Christopher Lloyd auf. Der übernimmt die Rolle des bereits im Altenheim verweilenden Vaters von Hutch und auch er bekommt ein paar ordentliche Kills spendiert. Ja, richtig gehört, Doc Brown darf im Altersheim in Gun-Fu-esquer Manier ein paar Bösewichten die Lichter ausknipsen. Dieses Ass spielt Regisseur Naischuller aber leider ein wenig zu oft aus, denn man merkt leider in allzu aktiven Actionszenen, dass unser Held schon ein wenig zu alt für derartige Action ist. Auch wenn er es vermutlich nicht notgedrungen als Filler, sondern als Fan mit dem Einsatz des in die Jahre gekommenen Darstellers übertrieben hat. Denn irgendwann reißt es einen einfach raus, wenn sein Gegner die Waffe schon im Anschlag hat, Lloyd kann dann aber immer noch seelenruhig die Schrotflinte hochreißen und ihn wegpusten.

Und in derartige Fettnäpfchen tritt der Filmemacher leider recht oft. Das wohl größte Problem des Films ist das viel zu formelhafte Drehbuch, wodurch uns der ein oder andere Durchhänger trotz der mehr als knackigen Laufzeit von nicht mal 1 1/2 Stunden nicht erspart bleibt. Nur ganz selten bemüht man sich, frischen Wind ins Geschehen zu bringen und die 08/15-Rächerformel abzuwandeln. Es wirkt viel mehr wie ein Best-Of aller Kolstad-Filme mit ein paar ordentlichen Rächer-Klischees gespickt. Der einzige Twist ist, dass der brutale Rächer vom doch so harmlos ausschauenden Odenkirk dargestellt wird, daher muss man sich auch bei der Handlung nicht mehr großartig bemühen, hat man sich wohl zumindest gedacht. Aber! Und jetzt kommt ein ganz großes, positives Aber: Der Actionstreifen macht Laune. Im bisherigen Jahr gab es wohl kaum eine bessere Gelegenheit, sich mit Freunden, erfrischenden Getränken und leckerem Popcorn einzudecken und ins Kino zu pilgern. Unser guter, alter Bob ist nämlich einer der Hauptgründe, dass ich euch den Film doch noch ganz vorsichtig empfehlen kann. Sofern ihr natürlich wisst, worauf ihr euch einlässt.

© 2021 UNIVERSAL STUDIOS. ALL RIGHTS RESERVED.

Gemeinsam mit der kurzen Laufzeit rettet Bob Odenkirk den Film nämlich doch noch gerade so über die Ziellinie, denn ihm merkt man an, dass er richtig Bock hat. Dafür hat er ordentlich trainiert und sofern möglich wurden die Actionszenen mit ihm selbst gedreht. Inszenatorisch kann sich die Action ganz gut sehen lassen, die Kamera hält voll drauf, es wird nicht allzu hektisch geschnitten und man weiß immer, was gerade abgeht. Lediglich bei der Gewalt fährt man ein wenig mit der angezogenen Handbremse, was man aber sehr gut zu kaschieren versucht. Denn es wirkt alles brachial, es tut beim Zuschauen weh und man schreit sogar regelmäßig auf, für Stimmung im Saal ist also definitiv gesorgt. Es werden Knochen gebrochen, Zähne ausgeschlagen und Kehlköpfe zerquetscht. Allerdings zieht sich auch durch die Action das bereits genannte Problem: Es gibt nichts Neues. Absolut gar nichts. Es bleibt nichts hängen, es sticht nichts heraus, man versucht erst gar nicht, sein Publikum zu überraschen. Wo es bei John Wick noch mit jedem Teil absurder und abgefahrener wurde, beginnt man hier mit der absoluten Baseline. Einerseits verständlich, andererseits irgendwie faul. Alles auf Anfang also, aber ganz ehrlich? Ich hab jetzt richtig, richtig Lust auf mehr. Wenn jetzt ein Franchise daraus entstehen sollte, die sich von Teil zu Teil steigert, count me in! Mehr davon, aber mit mehr Fokus und Kreativität bitte!

Fazit

Bob Odenkirk tut sich mit dem Regisseur hinter „Hardcore Henry“ zusammen und lässt sich von John Wick Autor Derek Kolstad ein Drehbuch basteln, in dem er sich als unerwarteter Actionheld mit Herz und Augenzwinkern durch Gegnerhorden kämpfen und schießen darf. Hätte großartig werden können, wird es aber nur sehr bedingt. Zu leer fühlt sich der stramm geschnürte Actionstreifen an, der eigentlich nur von Odenkirk mit Licht und Leben gefüllt wird. Er blüht aber dermaßen in seiner Rolle auf, dass ich euch den Film, sofern ihr Fans des Genres seid, empfehlen möchte. Haltet eure Erwartungen im Zaum und freut euch auf einen unterhaltsamen Actionflick, der abgesehen von minimalen Durchhängern runtergeht wie Öl. Es wird jedoch kein Rad neu erfunden, dass versucht man erst gar nicht und der Bösewicht, sowie die Geschichte könnten belangloser und klischeebehafteter nicht sein. Ordentlich Spaß hatte ich trotzdem!

Pressematerial zur Verfügung gestellt von Universal Pictures International Austria

Poster: © 2021 UNIVERSAL STUDIOS. ALL RIGHTS RESERVED.

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